netzeitung.deDeutsche wollen Geschlecht ihres Kindes nicht wählen

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Künstliche Befruchtung (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Künstliche Befruchtung
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Bei künstlichen Befruchtungen kann das Geschlecht des Kindes bestimmt werden. Briten scheinen für diese Idee empfänglicher zu sein als Deutsche.

X oder Y? Wer bei der künstlichen Befruchtung einer Eizelle die Samenzelle nach dem Geschlechts-Chromosom auswählt, kann über das Geschlecht des Kindes bestimmen. In Großbritannien würde das nach einer aktuellen Befragung jeder fünfte in Erwägung ziehen – weit mehr Menschen als in Deutschland.
«Wunschtochter oder Wunschsohn?»
Ein Forscherteam um den Gießener Bioethiker Edgar Dahl hat jeweils etwa 1000 zufällig ausgewählte Frauen und Männer in Großbritannien und in Deutschland zu dem Thema «Geschlechts-Selektion» befragt. Wie die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe des Magazins «Human Reproduction» berichten, lehnen 92 Prozent der befragten Deutschen das Verfahren rundheraus ab. In Großbritannien sind es dagegen nur 71 Prozent.

Mehr als zwei Drittel der Briten wünschen sich eine gleiche Anzahl Jungen und Mädchen. In Deutschland sind es weniger als ein Drittel der Befragten. Ob das erstgeborene Kind ein Junge oder ein Mädchen wird, ist dagegen in beiden Ländern etwa drei Vierteln der Bevölkerung gleich.

«Größere Gelassenheit»
Der größte Unterschied zwischen Briten und Deutschen besteht in der grundsätzlichen Frage «Wunschtochter oder Wunschsohn?»: Nur etwa jeder sechste Brite, 16 Prozent der Befragten, macht sich keine Gedanken über das Thema. In Deutschland sind es 58 Prozent, die sich in gleichem Maße über die Geburt einer Tochter oder eines Sohnes freuen würden.

Nach der Auswertung der telefonisch geführten Interviews würde die Geschlechts-Selektion – ihre gesetzliche Zulassung und breite Anwendung vorausgesetzt – das Geschlechterverhältnis in beiden Ländern nicht verändern, berichten die Ethiker. Das Meinungsbild zeige aber, dass die Briten die Technik weit bereitwilliger anwenden würden als die Deutschen. Denen bescheinigen die Forscher eine «größere Gelassenheit» bei der Frage «Junge oder Mädchen?».


Für das Web ediert von Patrick Eickemeier