Terror-Milzbranderreger stammen wahrscheinlich aus den USA25. Okt 2001 06:14, ergänzt 10:14
Anthrax-Bakterien in Kultur
Amerikanische Biologen untersuchen die Milzbranderreger, die bei den Briefattentaten verwendet wurden. Eine Genanalyse könnte zeigen, woher sie stammen und wie groß die Vorräte der Terroristen sind.
Über die Herkunft der Milzbranderreger, die für die Briefattentate in den USA verwendet wurden, wird viel spekuliert. Jetzt verdichten sich die Hinweise auf die Abstammung von einem Stamm, der erstmals in einem US-Labor isoliert wurde.
Der «Ames»-Stamm
NULL=YESUSA wollen Anthrax-Lager
in Zentralasien räumenhttp://www.netzeitung.de/spezial/gentechnik/165149.htmlNULL=YESFBI veröffentlicht Milzbrandbriefehttp://www.netzeitung.de/spezial/gentechnik/165266.htmlNULL=YESAnthrax-Therapiemodell: Das Gift blockierenhttp://www.netzeitung.de/spezial/gentechnik/165213.htmlNULL=YESWashington warnt vor neuen Anschlägenhttp://www.netzeitung.de/spezial/gentechnik/165239.htmlNULL=YESAnthrax - Begriffe, Gefahren, Hintergründehttp://www.netzeitung.de/servlets/page?section=483&item=164290
Nach einem Bericht in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins «New Scientist» stammen die Bakterien wahrscheinlich nicht von den im Irak oder in der Sowjetunion für Biowaffen kultivierten Stämmen ab. Die «Brief-Bakterien» sind entweder die Erreger, die in den sechziger Jahren in den USA zur Biowaffenherstellung genutzt wurden, oder sie sind ihnen zumindest nahe verwandt.
In der vergangenen Woche hatte Tom Ridge, neuernannter US-Homeland Sicherheitsberater, bekannt gegeben, dass es sich bei den nach Florida, an die NBC und an Senator Tom Daschle geschickten Bakterien um ein und denselben, nach Auskunft eines FBI-Sprechers den so genannten «Ames»-Stamm handelt.
Verwirrung um Namen
Nur gibt es Verwirrung um die Aussagekraft dieser Benennung. Ursprünglich wurde ein Stamm so bezeichnet, der in den dreißiger Jahren in Ames im US-Bundesstaat Iowa gefunden wurde. In der Datenbank, die den Mikrobiologen zur Verfügung steht, die die jetzt verschickten Mikroben untersuchen, wird mit «Ames» dagegen ein Stamm bezeichnet, der Mitte der achtziger Jahre im britischen Zentrum für angewandte Mikrobiologie und Forschung in Porton, Wiltshire untersucht wurde.
Die Briten hatten die Mikroben wiederum vom US Army Medical Research Institute für infektiöse Krankheiten in Maryland bezogen. Wie die Ersteller der Datenbank sagen, sind dies die Bakterien, die in den USA zur Biowaffenherstellung genutzt worden waren. Das US-Biowaffenprogramm wurde 1969 eingestellt, die Bakterien wurden bis auf wenige Proben vernichtet. Nach der Identifikation als Ames-Stamm muss es sich bei den jetzt aufgetauchten Erregern also um Anthrax-Bakterien des US-Militärs oder einen sehr ähnlichen Stamm handeln. Diese Milzbranderreger wurden weder in der Sowjetunion noch im Irak zur Biowaffenproduktion kultiviert.
«Ames ist sicherlich eine Herausforderung für jeden Impfstoff», zitiert das Wissenschaftsmagazin Martin Hugh-Jones von der Louisiana State University in Baton Rouge. Viele mit dem Stoff geimpfte Versuchstiere, der auch US-Soldaten gespritzt wird, sterben, wenn sie mit dem Ames-Stamm infiziert werden.
Nach einem Bericht der «Washington Post» vom Donnerstag waren die Sporen, die an Senator Daschle geschickt worden waren, auch mit einem Stoff behandelt, der Verklumpung verhindern soll. Erst dadurch werden die Bakterien als Waffe gefährlich. Schon das Öffnen des Briefes reichte aus, um die Partikel im ganzen Raum zu verteilen. Ohne den Zusatz bilden sich durch elektrostatische Anziehung größere Partikel, die schneller zum Boden sinken und sich nicht in der Luft verteilen. Der Zusatz sei ein sicherer Hinweis darauf, dass die Bakterien aus einem Biowaffenlabor stammen. Die Technik sei nur in den USA, der Sowjetunion ind im Irak angewendet worden.
Genanalyse
NULL=YESBioterror agents (engl.)http://www.engr.utexas.edu/uer/Fall_99/bioterror/agents.htmNULL=YES"Ames"-Stamm (engl.)http://www.vetmed.iastate.edu/about/news/stories/1001/anthrax.asp
Eine Genanalyse könnte mehr über die Herkunft der Erreger verraten. Wie Forscher von der Arizona University in Flagstaff gezeigt haben, treten in bestimmten Regionen der Bakterien-DNA besonders häufig Mutationen auf. Die Veränderungen des Erbguts ereignen sich bei tausend Zellteilungen etwa ein Mal. Vergleicht man die Zahl dieser Mutationen bei verschiedenen Stämmen, kann mit relativ hoher Sicherheit bestimmt werden, vor wie viel Bakteriengenerationen die Erreger von einem bekannten Stamm abgezweigt wurden. Untersucht man, wo die Mutationen auftreten, kann man auch bestimmen, welchem Stamm die Bakterien entnommen wurden.
Darüber hinaus hoffen die Forscher, Aussagen über die Menge des Biokampfstoffs treffen zu können, die den Terroristen zur Verfügung steht. In einer kleinen Kultur teilen sich die Mikroben langsamer als in einer größeren. Die Genanalyse könnte also auch zeigen, wie groß der Vorrat der Terroristen ist.
Für das Web ediert von Patrick Eickemeier