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PID ist «sozial verträglich»
23. Nov 2001 06:13

Drei Embryonen, die in den USA negativ auf die Erbkrankheit Sichelzellanämie getestet wurden.
Foto: Wayne State University
Argumente für die PID: Die genetische Untersuchung und das Aussuchen eines Embryos zur Implantation schadet wahrscheinlich niemandem, könnte aber einigen helfen.

Die Präimplantations-Diagnostik (PID) ist umstritten, in vielen Ländern verboten. Für die geborenen Kinder gebe es jedoch kaum Probleme, sagen jetzt zwei Mediziner, und ihren kranken Geschwistern könnte geholfen werden.

Auswahl eines Embryos

Mehr in der Netzeitung:
Die genetische Untersuchung von Embryonen, die zur künstlichen Befruchtung erzeugt wurden, und die Auswahl des Embryos nach diesem Kriterium ist in Deutschland verboten. Kinder dürfen nicht nach ihren Eigenschaften «ausgesucht» werden.

Genau dies ist aber nötig, wenn das Kind später einmal einem kranken Geschwister Stammzellen oder Gewebe spenden soll. Mithilfe der PID kann geklärt werden, ob ein Embryo als Spender infrage kommt, oder nicht.

Nach der Einschätzung von Robert Boyle und Julian Savulescu ist die PID in diesen Fällen vertretbar. Das Verfahren werde «wenige soziale Konsequenzen» für die geborenen Kinder haben, schreiben die Mediziner in einem Artikel in der aktuellen Ausgabe des «British Medical Journal».

Psychologische Belastung

Mehr im Internet:
Seit 1980 ist das Verfahren weltweit schätzungsweise 2500 Mal angewendet worden. Ein Hauptargument gegen diese «Spender-Wahl» ist die Tatsache, dass die Kinder zum Vorteil eines Geschwisters und nicht um ihrer selbst willen geboren werden.

Boyle und Savulescu stellen dem gegenüber, dass der psychologische Schaden, den ein PID-Kind nehmen könnte, schwer einzuschätzen sei. Und selbst wenn eine solche Belastung entstehen würde, wiege sie wahrscheinlich nicht so schwer, dass es für das Kind besser wäre, nie geboren worden zu sein.

Die PID sei eine vertretbare Nutzung begrenzter medizinischer Ressourcen. Niemand komme zu Schaden und wahrscheinlich könne einem Menschen geholfen werden. Außerdem sei die Auswahl von Kindern bereits üblich. So werden alleine in Großbritannien jährlich 18.000 Fruchtwasser-untersuchungen durchgeführt, in der Regel um die Kinder auf chromosomale Veränderungen wie das Down-Syndrom zu untersuchen.

«Genophobie»

Wem könnte es schaden, wenn die PID nur zum Vorteil eines Verwandten zugelassen würde, fragen die Autoren. Ihrer Meinung nach weder dem Paar, das sich ein Kind wünsche, noch dem Geschwister, dem mit einem Transplantat geholfen werden könnte. Auch dem Kind, das ohne die PID nie existiert hätte, werde dadurch kein Schaden zugefügt.

Die Autoren warnen davor, ohne guten Grund die persönliche Freiheit einiger Menschen durch das PID-Verbot einzuschränken, nur um der «Genophobie» gerecht zu werden, die unsere Gesellschaft zu großen Teilen erfasst habe.



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