Sechs Monate nach der Flut ist das Lachen zurück
24. Jun 2005 18:10
 |  Wiederaufbau auf den Andamanen | | Foto: dpa |
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Die Kinder spielen Fußball, lachen, gehen zur Schule. Ein halbes Jahr nach dem Tsunami ordnen die Menschen auf den Andamanen-Inseln ihr Leben neu. Doch die Hilfsgelder verursachen auch bisher unbekannte Probleme.
Von Neelesh Misra Als Tsunami Roy am Tag der Flutkatastrophe auf die Welt kam, gaben die Ärzte ihm und seiner Mutter keinerlei Überlebenschance. «Ich war am Ende», sagt der Vater, Lakshmi Narain Roy, auf der Insel Klein-Andaman, die zur Gruppe der Andamanen und Nikobaren gehört. Ein halbes Jahr später versucht die Familie, ihr Leben neu aufzubauen.
Wie die Roys versuchen derzeit Tausende auf der zu Indien gehörenden Inselgruppe, ihr Leben neu zu ordnen. Bei den Trauernden kehrt allmählich das Lächeln zurück, die Kinder spielen wieder Fußball und gehen zur Schule. Es scheint wieder Leben in das verwundete tropische Paradies einzukehren. Der Flutwelle fielen rund 3.500 Menschen zum Opfer, rund 10.000 Häuser wurden zerstört. Und das Leben auf den Inseln hat sich von Grund auf verändert.
Konflikt mit Siedlern aus Indien Auf den 572 Inseln des Archipels, das sich über 8.200 Quadratkilometer erstreckt, lebten rund 360.000 Menschen. Etwa 30.000 gehören zum Volk der Nikobaren. Viele aber sind Siedler aus Indien, die oft illegal auf die Inseln gekommen sind. Der Tsunami hat den Konflikt mit diesen verschärft. Das sonst so friedliche Volk der Nikobaren hat sich vorgenommen, die nach der Katastrophe geflohenen Siedler nicht wieder zurückkehren zu lassen.Die schwersten Schäden gab es auf der abgelegensten Insel, die dem Epizentrum am nächsten lag. «Jedes Lebensmittelpaket, jeder Nagel musste über tausende Kilometer vom Festland heran gebracht werden», sagt D.S. Negi, der Verwaltungschef der Region. 15.000 Tonnen Material wurden auf die Inseln geschafft. In sechs Monaten wurden 9.500 Notunterkünfte gebaut, gerade noch rechtzeitig vor dem Monsunregen. Dabei wurden auch tausende Badezimmer eingerichtet, für Menschen, die zumeist nie zuvor so etwas benutzt haben.
Neue Unterkünfte nicht beliebt Auch sonst sind die Unterkünfte mit ihren Stahlwänden nicht sonderlich beliebt. Sie widersprechen der Lebensweise der Menschen. «Die sind nichts für Menschen. Da kommt man sich vor wie Vieh», sagt Ajay Kumar, ein Taxifahrer auf Klein-Andaman. «Die Menschen leiden in diesen Unterkünften», sagt auch der Umweltschützer Samir Acharya. «Vor allem die Nikobaren leben in großen Familiengemeinschaften, und das zerstört sie.»Negi verteidigt die Arbeit der Helfer. Es sei das Beste gewesen, was sie hätten tun können. Auch sonst hat die Regierung große Pläne zur Umgestaltung des Archipels. Das Design neuer, fester Häuser wird mit den Stammesführern besprochen. Die Bauern werden im Anbau neuer Feldfrüchte unterwiesen, die neben den traditionellen Kokospalmen angepflanzt werden sollen. Ein Fünftel der früheren Anbaufläche wurde bei dem Tsunami zerstört.
Auch die Entschädigungen verändern die Inseln Der Tod der Landsleute bei der Flutwelle vom 26. Dezember ist für das Volk, das keine schriftlichen Überlieferungen kennt, ein unwiederbringlicher Verlust. Denn jedes einzelne Mitglied trägt zum Wissen der Allgemeinheit bei. Die Nikobaren verloren auch 157.000 Rinder und fast 40.000 Schweine, was für sie nicht nur ein materieller Verlust war.So haben die Millionen-Entschädigungen das Leben auf den Inseln verändert. Die indische Regierung zahlte den Angehörigen der Getöteten jeweils 200.000 Rupien (rund 3.570 Euro), weiteres Geld gab es für Verletzungen oder den Verlust des Hauses. «Sie hatten plötzlich so viel Geld», sagt Acharya. «Sie hatten noch so viel Geld in den Händen. Geld hatte aber in ihrer Kultur bisher keinen Platz. Die Grundlage dieser Kultur sind Tausch, Kokosnüsse und Schweine», erklärt Acharya. «Jetzt geben sie das Geld wie verrückt für Alkohol aus und kaufen Dinge wie Motorräder.» (AP)
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