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Kinder von Aceh: Das Weinen, das Lachen, der Schmerz
17. Jun 2005 17:23

Leben nach dem Tsunami: Mädchen in Banda Aceh mit Nahrungsmittelpaket
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Foto: dpa
Sechs Monate nach dem Tsunami leiden die Kinder von Aceh noch immer. Sie erzählen Geschichten von Tod und Schmerz - aber auch von Trost und Hoffnung. Auf Einladung von Unicef sind einige der kleinen Augenzeugen nach Deutschland gekommen.
 
Von Ruth Pons, epd

Als das große schwarze Wasser kam, verlor Tito Arafat nicht nur viele seiner Freunde, sondern auch sein Vertrauen in die Welt. Während seine Eltern und Geschwister sich um ihr schwer beschädigtes Zuhause sowie um Tote und Verletzte kümmerten, blieb er in der Wohnung seiner Tante, malte Bilder und schrieb in sein Tagebuch. «Ich hatte große Angst», erzählt der 17-Jährige schüchtern. «Dabei habe ich noch Glück gehabt, dass meine ganze Familie überlebte.»

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Sufrisa Jusuf hat ihre Eltern nie wieder gesehen. Kurz bevor vor einem halben Jahr der Tsunami die indonesische Stadt Banda Aceh überrollte, floh sie mit ihren beiden älteren Geschwistern in die Berge. Vater und Mutter blieben im Haus zurück. Sie glaubten nicht, dass die Welle ihnen etwas anhaben könnte. «Ich war so erschrocken und besorgt», sagt die Neunjährige - und lächelt.

Geschichten von Tod, aber auch Hoffnung

Sufrisa lächelt viel in diesen Tagen. Zusammen mit Tito und ihrer Schwester ist sie nach Deutschland gekommen, um sich stellvertretend für ihre Landsleute für die große internationale Hilfsbereitschaft nach der Flutkatastrophe in Südostasien zu bedanken. Auf Einladung des Kinderhilfswerkes Unicef wollen sie hier vor allem anderen Kindern von ihren Erfahrungen erzählen. Es sind Geschichten von Zerstörung und Tod, Schmerz und Not. Aber auch von Trost und Hoffnung, Optimismus und Zuversicht.

Lachen helfe besonders den Waisenkindern in der zerstörten Region dabei, mit der Katastrophe umzugehen, betont Unicef-Mitarbeiter Tani Ruiz. «Es ist tröstlich und beruhigend und ein Ausdruck ihres Überlebenswillens.»

13 von 22 Lehrern sind tot

Laut Unicef haben allein in der indonesischen Provinz Banda Aceh 35.000 Kinder Mutter, Vater oder beide Eltern verloren. Um das Erlebte verarbeiten zu können, bräuchten nicht nur sie, sondern auch viele andere Jungen und Mädchen langfristig psychosoziale Hilfe. In 21 Unicef-Schutzzentren werden derzeit 17.000 Jungen und Mädchen betreut. Aber auch die Schulen seien wichtige Orte, um den Kindern Sicherheit und Halt zurückzugeben.

Die Schule, die Sufrisa heute besucht, besteht aus einem Zelt. «Es ist alles so anders als früher», sagt sie. «In unserer alten Schule gab es viele Pflanzen und Blumen, hier gibt es gar nichts.» Von 45 Schülern ihrer Klasse überlebten nur sieben den Tsunami. Auch 13 von 22 Lehrern sind tot. Weil die Zelte keinen ausreichenden Schutz vor Hitze oder Regen bieten, will Unicef bis zu Beginn des neuen Schuljahres 200 provisorische Schulgebäude bauen.

Tito konnte nach zwei Monaten nicht nur nach Hause, sondern auch in seine alte Schule zurückkehren. «Alles war voller Matsch und Wasser», erinnert er sich. Unterricht gab es in der ersten Woche erst einmal nicht. «Wir haben viel geweint und unsere schrecklichen Erlebnisse miteinander geteilt.» Sechs Klassenkameraden sah er nicht wieder.

Tito blickt in die Zukunft

Es wird noch sehr lange dauern, bis die Kinder von Banda Aceh über die Tragödie hinweggekommen sind. Tito, der leidenschaftlich gerne malt, hat drei Bilder in leuchtend-bunten Farben mitgebracht. Doch die Menschen darauf haben schmerzverzerrte Gesichter. Sie fliehen vor der Welle, weinen um ihre Toten und warten voller Angst auf Hilfe.

Doch Tito blickt nicht nur zurück, sondern auch in die Zukunft. «Die Schule ist ein ganz wichtiger Ort für uns. Hier können wir uns auf die Zukunft vorbereiten und so viel wie möglich lernen», schreibt er in einem Bericht, den er über seine Gefühle nach der Katastrophe verfasst hat. «Es ist schlimm genug, dass wir einige Zeit in den schwarzen Wellen untergegangen sind. Aber wir dürfen nicht für immer in einen See der Unwissenheit abtauchen.»

Sufrisa ist mit einem Gedicht nach Deutschland gekommen. «Alle Kinder fingen an zu weinen. So viele Kinder haben ihre Mütter verloren», beginnt sie zögerlich. Doch am Schluss des Vortrages wird ihre Stimme fester: «Wir werden Aceh wieder aufbauen und zum Blühen bringen, meine Stadt, mein geliebtes Aceh.»






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