Das Weinen, das Lachen, der Schmerz:
Kinder von Aceh: Das Weinen, das Lachen, der Schmerz
17.06.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Als das große schwarze Wasser kam, verlor Tito Arafat nicht nur viele seiner Freunde, sondern auch sein Vertrauen in die Welt. Während seine Eltern und Geschwister sich um ihr schwer beschädigtes Zuhause sowie um Tote und Verletzte kümmerten, blieb er in der Wohnung seiner Tante, malte Bilder und schrieb in sein Tagebuch. «Ich hatte große Angst», erzählt der 17-Jährige schüchtern. «Dabei habe ich noch Glück gehabt, dass meine ganze Familie überlebte.»
Lachen helfe besonders den Waisenkindern in der zerstörten Region dabei, mit der Katastrophe umzugehen, betont Unicef-Mitarbeiter Tani Ruiz. «Es ist tröstlich und beruhigend und ein Ausdruck ihres Überlebenswillens.»
Die Schule, die Sufrisa heute besucht, besteht aus einem Zelt. «Es ist alles so anders als früher», sagt sie. «In unserer alten Schule gab es viele Pflanzen und Blumen, hier gibt es gar nichts.» Von 45 Schülern ihrer Klasse überlebten nur sieben den Tsunami. Auch 13 von 22 Lehrern sind tot. Weil die Zelte keinen ausreichenden Schutz vor Hitze oder Regen bieten, will Unicef bis zu Beginn des neuen Schuljahres 200 provisorische Schulgebäude bauen.
Tito konnte nach zwei Monaten nicht nur nach Hause, sondern auch in seine alte Schule zurückkehren. «Alles war voller Matsch und Wasser», erinnert er sich. Unterricht gab es in der ersten Woche erst einmal nicht. «Wir haben viel geweint und unsere schrecklichen Erlebnisse miteinander geteilt.» Sechs Klassenkameraden sah er nicht wieder.
Doch Tito blickt nicht nur zurück, sondern auch in die Zukunft. «Die Schule ist ein ganz wichtiger Ort für uns. Hier können wir uns auf die Zukunft vorbereiten und so viel wie möglich lernen», schreibt er in einem Bericht, den er über seine Gefühle nach der Katastrophe verfasst hat. «Es ist schlimm genug, dass wir einige Zeit in den schwarzen Wellen untergegangen sind. Aber wir dürfen nicht für immer in einen See der Unwissenheit abtauchen.»
Sufrisa ist mit einem Gedicht nach Deutschland gekommen. «Alle Kinder fingen an zu weinen. So viele Kinder haben ihre Mütter verloren», beginnt sie zögerlich. Doch am Schluss des Vortrages wird ihre Stimme fester: «Wir werden Aceh wieder aufbauen und zum Blühen bringen, meine Stadt, mein geliebtes Aceh.»

