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Forscher: Tsunami-Risiko bislang unkalkulierbar
29. Dez 2004 11:38

Satellitenfoto einer Tsunami in Sri Lanka
Foto: dpa
Seebeben, die Tsunamis auslösen, können weltweit erfasst werden. Doch bleibt dabei unklar, wie groß die Gefahr durch die Wellen für die Küstenbevölkerung ist.
 
Thema:
Das Fehlen eines Frühwarnsystems wird als Ursache der katastrophalen Auswirkungen der Tsunamis im Indischen Ozean angesehen. Doch auch mithilfe des besser ausgebauten Sensoren-Netzes im Pazifik kann das Zerstörungspotenzial der Riesenwellen bislang nicht genau abgeschätzt werden.

«Im Gegensatz zum Pazifikraum, wo die Anrainer in Honolulu ein Meldezentrum für Seebeben und Flutwellen betreiben, gab es rund um den Indischen Ozean zum Zeitpunkt des Seebebens kein funktionierendes Kommunikations- und Frühwarnsystem», sagt Richard Dikau vom Geographischen Institut der Universität Bonn. Daher konnte die Küstenbevölkerung nicht rechtzeitig gewarnt werden.

Ungenaue Wissenschaft

Doch das Eintreffen von Wellen vorherzusagen, die durch Seebeben ausgelöst wurden, reichte nicht aus, sagt Laura Kong. «Es ist bislang eine ungenaue Wissenschaft», wird die Forscherin vom International Tsunami Information Center (ITIC) in Honolulu in der Online-Ausgabe der «New York Times» zitiert. Seit 1960 sei die Küstenbevölkerung Hawaiis zwei mal aufgrund eines falschen Tsunami-Alarms in Sicherheit gebracht worden, sagt Kong – mit erheblichen volkswirtschaftlichen Schäden. Nach Angaben der Nasa waren drei von vier Tsunami-Warnungen seit 1948 falscher Alarm.

Die Zerstörungskraft der Wellen ist mithilfe der heute im Pazifik installierten Sensoren nicht genau zu erfassen. Sie wird nicht allein von der Stärke des Seebebens bestimmt. Ob die Wellen nur wenige Zentimeter oder mehrere Meter hoch sind, wenn sie die Küste erreichen, hänge von weiteren Faktoren wie dem Verlauf des Ozeanbodens und der Form der Küstenlinie ab.

Extrem teures System

Mehr im Internet:
Ein geeignetes Frühwarnsystem für den Indischen Ozean würde weit unter einhundert Millionen US-Dollar kosten, schätzt die Seismologin. Es würde aus Bojen bestehen, die den Wasserstand messen und Tsunamis per Funksignal anzeigen. Für genauere Messungen seien Sensoren auf dem Meeresgrund geeignet, die Satelliten anfunken, wenn sie von einer Tsunami überrollt werden. Weltweit gibt es bislang nur sieben dieser «Tsunameter», die pro Stück rund 250.000 US-Dollar (ca. 183.000 Euro) kosten und jährlich für rund 50.000 Dollar (ca. 37.000 Euro) gewartet werden müssten.

Zudem sei es notwendig, weitere Vorkehrungen zu treffen, sagt der Bonner Geograph Dikau. Die schlimmsten Folgen in Südostasien hätten abgemildert werden können, wenn beizeiten so genannte Gefahrenzonen-Pläne erstellt worden wären. Darin wird erfasst, welche Gebiete bei einer Flutwelle überflutet werden, und festgelegt, welche Flucht- und Rettungswege genutzt werden können.






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