10.01.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Gewalt ist überall Thema. Der Umgang damit ist unterschiedlich
Foto: Jens Schierenbeck/dpa/gms
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Erziehung statt Haft - Niederlande oder Schweden legen wie Deutschland beim Umgang mit jugendlichen Straftätern großen Wert auf Resozialisierung. Nicht überall geht es so milde zu.
Werden Gewalttaten bekannt, löst dies schnell öffentliche Diskussionen aus. Sind die Täter Jugendliche, Ausländer und ist zudem noch Wahlkampf, werden die Vorfälle schnell zur politischen Debatte. In Deutschland wird über härtete Strafen für jugendliche Gewalttäter und die Einrichtung von Erziehungsheimen diskutiert.
Wer als Jugendlicher in Deutschland eine Straftat begeht, kann mit einem Urteil nach dem Jugendrecht rechnen. Als Jugendliche gelten in Deutschland Menschen zwischen 14 und 17 Jahren. Jüngere Straftäter sind nicht strafmündig. Ältere bis zum Alter von einschließlich 20 Jahren gelten als Heranwachsende. Wenn sie erst die sittliche und geistige Reife eines Jugendlichen haben oder es sich bei der Tat um eine so genannte Jugendverfehlung handelt, werden sie nach Jugendstrafrecht beurteilt, sonst gilt das Erwachsenenstrafrecht. Was gilt, legt das jeweilige Gericht fest.
Doch nicht nur in Deutschland rauben oder prügeln junge Menschen. Wie begegnen andere europäische Staaten der Jugendkriminalität, insbesondere ihrer verschärften Form, der Jugendgewalt? Dabei gibt es deutliche Unterschiede, etwa zwischen Schweden oder Großbritannien.
Das Modell der Bootcamps nach amerikanischem Vorbild wurde in vielen Ländern bereits diskutiert und konnte nicht überzeugen mehrfache Studien sprechen gegen die Wirksamkeit von autoritären Drilleinrichtungen.
Auch die
Schweiz entschied sich nach politischen Debatten, die denen in Deutschland ähneln, dagegen. Der Bundessstaat setzt auf längerfristige Gruppenprogramme. Der Bund hat erst kürzlich erstmals ein einheitliches Jugendstrafrecht verabschiedet.
In
Österreich bietet die Justiz lieber ein außergerichtliches Gespräch zwischen Tätern und Opfern an. Wer hier in die einzige Jugendjustizanstalt des Landes kommt, hat wirklich schwere Schuld auf sich geladen.
Schweden möchte so wenig Jugendliche wie möglich bestrafen, sondern ihre Probleme behandeln und verzichten gesetzlich komplett auf eigene Jugendstrafregelungen.
Die
Niederlande setzen am stärksten auf individualistische Täterbetreuung und setzen ambulante Betreuer ein, die junge Straftäter auf den rechten Weg zurückbringen sollen.
Frankreich richtet momentan die ersten Jugendhaftanstalten ein. Die Jugendrichter setzen ebenfalls auf Erziehung - allerdings auch auf Strafmaßnahmen, die ohne großes Aufsehen per Dekret beschlossen und dabei immer härter werden.
Während sich europaweit dieser Trend der freiwilligen Selbstkorrektur der Täter abzeichnet, verteilt die Polizei in
Großbritannien schnell Warnungen und Einträge ins Strafregister. Der Inselstaat duldet keine weiteren Ausflüchte, schon Kinder werden eingesperrt, um ihre Taten zu büßen.
Für das Web ediert von Juliane Wienß