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Hessen bläst zum Ebbelwoi-Krieg

01. Nov 2007 21:10
Das Hessische Nationalgetränk Apfelwein: Vorsicht, nicht wegnehmen!
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Seit in Wiesbaden der jüngste Entwurf der EU-Weinmarktverordnung bekannt ist, zürnen die Apfelweinfreunde. Die EU will das «Stöffche» nicht als Wein anerkennen, weil es nicht der Rebe entstammt.

Die Brüsseler Bürokraten müssen sich warm anziehen, denn nicht nur in Wetzlar stehen die Zeichen auf Sturm: Allein der Gedanke, einem 250 Jahre alten Nationalgetränk kurzerhand den Namen nehmen zu wollen, «ist absurd», giftet der Kommentator der Örtlichen Zeitung. Wurden Verordnungen wie die über die Form von Gurken noch belächelt, dürfte bei den jüngsten Apfelwein-Plänen der EU-Kommission nicht nur den Hessen der Spaß vergehen.

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Der Frust des Apfelweinfreundes in der Redaktion steht für den Hunderttausender. «Wenn die EU anfängt, den Regionen ihre Identität zu nehmen, läuft etwas falsch im gemeinsamen Europa», steht am Freitag in der «Wetzlarer Zeitung» zu lesen. Der Grund: Die EU will mit der anstehenden Weinmarktreform den Begriff «Apfelwein» verbieten. So etwas kann Kriege auslösen: «Wir werden mit allen Mitteln für unseren Apfelwein kämpfen», kündigte der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) an, der sich in dieser Frage ausnahmsweise einig ist mit seiner Herausforderin, der SPD-Spitzenkandidatin für die Landtagswahl, Andrea Ypsilanti. «Ebbelwei muss Ebbelwei bleiben», so die hessische SPD-Landesvorsitzende.

Der Begriff «Apfelwein» sei eingeführt und allseits bekannt: «Regionales Brauchtum darf nicht untergehen.» Für die Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) ist der Vorstoß der EU «bürokratischer Unsinn». Derartige Sprachspiele gehörten in den Papierkorb: «Unser Stöffche heißt seit 250 Jahren Apfelwein und wird auch in 250 Jahren noch so heißen.»

Roland Koch beim Apfelweinanstich im Januar
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Seehofer soll helfen

Nur noch Wein aus Trauben will die EU als «Wein» anerkennen. Alkoholische Getränke aus anderen Obstsorten müssen anders heißen. Der ursprüngliche Entwurf für eine Weinmarktreform hatte noch Ausnahmen für den Apfelwein vorgesehen. In dem jüngsten Vorschlag von EU-Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel fand sich diese Ausnahmeregelung nicht mehr. «Ich bin empört und voller Unverständnis», sagte Koch, der die deutsche und hessische Tradition gefährdet sieht. Fischer Boel müsse ihre Vorlage ändern. Er habe auch Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) gebeten, sich für die Rettung des Begriffs «Apfelwein» einzusetzen.

Der hessische FDP-Chef Jörg-Uwe Hahn hat eine Erklärung für den Wegfall der Ausnahmeklausel. Offenbar hätten die zuständigen EU-Bürokraten bereits mehr als zehn Gläser Apfelwein genossen, bevor ihnen dieser Einfall gekommen sei. Die Ernährungspolitikerin der Grünen im Bundestag, Ulrike Höfken, sieht bereits Begriffe wie Kirschwein oder Holunderwein auf dem Index.

Hessische Apfelweinproduzenten reagierten mit Entsetzen. Landkeltereibesitzerin Johanna Höhl sieht einen «Angriff auf die hessische Volksseele». Der Geschäftsführer der Kelterei Heil, Martin Heil, sagte, ein so typisch hessisches Produkt wie der Apfelwein verlöre durch die Namensänderung seinen Wert und seine Tradition. DAS könne nicht sein. (nz/AP)

 
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