Nur noch Wein aus Trauben will die EU als «Wein» anerkennen. Alkoholische Getränke aus anderen Obstsorten müssen anders heißen. Der ursprüngliche Entwurf für eine Weinmarktreform hatte noch Ausnahmen für den Apfelwein vorgesehen. In dem jüngsten Vorschlag von EU-Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel fand sich diese Ausnahmeregelung nicht mehr. «Ich bin empört und voller Unverständnis», sagte Koch, der die deutsche und hessische Tradition gefährdet sieht. Fischer Boel müsse ihre Vorlage ändern. Er habe auch Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) gebeten, sich für die Rettung des Begriffs «Apfelwein» einzusetzen. Der hessische FDP-Chef Jörg-Uwe Hahn hat eine Erklärung für den Wegfall der Ausnahmeklausel. Offenbar hätten die zuständigen EU-Bürokraten bereits mehr als zehn Gläser Apfelwein genossen, bevor ihnen dieser Einfall gekommen sei. Die Ernährungspolitikerin der Grünen im Bundestag, Ulrike Höfken, sieht bereits Begriffe wie Kirschwein oder Holunderwein auf dem Index.
Hessische Apfelweinproduzenten reagierten mit Entsetzen. Landkeltereibesitzerin Johanna Höhl sieht einen «Angriff auf die hessische Volksseele». Der Geschäftsführer der Kelterei Heil, Martin Heil, sagte, ein so typisch hessisches Produkt wie der Apfelwein verlöre durch die Namensänderung seinen Wert und seine Tradition. DAS könne nicht sein. (nz/AP)