netzeitung.deEuropa zu Gast bei Knut

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Eisbärbaby Knut (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Eisbärbaby Knut
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Nicht nur Berliner wollen sich persönlich vom Wohlergehen des kleinen Eisbärs überzeugen. Auch die EU-Gipfel-Planer haben Knut wegen großer Nachfrage berücksichtigt.

Der lange Regen hatte die Berliner in den Häusern gehalten. Aber am Samstag, als sich 27 Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union in der deutschen Hauptstadt auf den Jubiläumsgipfel vorbereiteten, deutete sich ein Hauch von Frühling an. Schon relativ früh waren die U- und S-Bahnen Richtung Innenstadt mit erwartungsfrohen Eltern und quengelnden Kindern unterwegs. Nein, nicht in Richtung Philharmonie, wo sich die 27 EU-Mitgliedsstaaten feierlich präsentieren wollten, sondern Richtung Zoo.

Knut, der ebenso possierliche wie tapsige Eisbär, sollte zum zweiten Mal Ausgang erhalten. Im Pressezentrum des EU-Gipfels, in direkter Nachbarschaft zum Auswärtigen Amt, hieß es nicht: «Was macht Angela Merkel?», sondern: «Wie geht es Knut?» Viele Medienvertreter aus Nord- und Südeuropa kennen Knut. In britischen Fernsehkanälen rangierte die Geschichte über das von Mutter Tosca verstoßene Bärenbaby unter den Top drei der Abendnachrichten.

Die Organisatoren des Berliner Gipfels mussten vielsprachig Auskunft geben, wie man zum Bärenkind kommt. Heftigst dementiert wurden allerdings angebliche Überlegungen, Knut solle irgendwie in das Berliner Gipfel-Programm integriert werden. Nicht ausschließen wollte man allerdings, dass die eine oder andere «First Lady» über die Shopping-Meile Friedrichstrasse den Weg zum Zoo finden könnte.

Auch in die eine oder andere Stadtführung wurde «Knut-Sehen» noch eingefügt. Die professionellen Gipfel-Planer und -Berichterstatter trieb die Sorge um, dass über Knut mehr gesendet oder geschrieben werden könnte als über die penibel vorbereitete «Berliner Erklärung». Im Pressezentrum wurden die Internet-Seiten über Knut mindestens ebenso oft aufgerufen wie über den Gipfel-Doyen, Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac, der in Berlin Abschied von der europäischen Bühnen nimmt. Knuts Geschichte beginnt gerade erst. (Gerd Reuter, dpa)