Berliner EU-Feier mit Schicksalssymphonie
Am Abend sind die Bürger zu einer «Nacht der Schönheit» in den Museen und einer «Clubnacht» mit Bands aus ganz Europa eingeladen. Tausende von Polizisten sind im Einsatz, bis zum frühen Abend blieb es in der Stadt weitgehend ruhig.
Merkel bekräftigte, sie halte ungeachtet der Skepsis in Polen, Tschechien, Großbritannien und den Niederlanden gegenüber einer EU- Verfassung am Plan für einen neuen Vertrag für die Europäische Union fest. «Wir nehmen die Stimmung aus den einzelnen Ländern ernst», sagte sie am Rande eines Treffens mit konservativen Spitzenpolitikern vor dem Gipfel. Gemeinsam mit Kommissionspräsident José Manuel Barroso und dem Präsident des Europäischen Parlaments, Hans-Gert Pöttering, will Merkel am Sonntag die «Berliner Erklärung» unterzeichnen. Darin heißt es unter anderem, die Regierungen seien «in dem Ziel geeint, die EU bis zu den Wahlen zum Europäischen Parlament 2009 auf eine erneuerte gemeinsame Grundlage zu stellen».
Gleichzeitig forderten sie eine restriktive Erweiterungspolitik. Neue Mitgliedschaften müssten nicht nur von der Beitrittsfähigkeit der Bewerber, sondern stärker als bisher auch von der Aufnahmefähigkeit der EU abhängig gemacht werden.
Die Europäischen Sozialdemokraten plädierten für eine verstärkte soziale Ausrichtung der EU. «Ein neues soziales Europa muss das politische Ziel der Europäischen Union» sein, heißt es in einer Erklärung vom Samstag. SPD-Chef Kurt Beck betonte, ein neues soziales Europa beginne mit sozialen und wirtschaftlichen Reformen und neuen Arbeitsplätzen. Er wertete die «Berliner Erklärung» als «Signal der Hoffnung und der Zuversicht». Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sieht in der «Berliner Erklärung» eine gute Grundlage für den weiteren Verfassungsprozess. Allerdings sei noch mehr Einigkeit unter den Mitgliedsländern notwendig, um einen Kompromiss zu finden.
Österreichs Bundeskanzler Alfred Gusenbauer begrüßte, dass die Erklärung das Jahr 2009 als «absolute deadline» (Frist) für den Abschluss eines neuen Vertragstextes nennt. Der konservative niederländische Premier Jan Peter Balkenende zeigte sich ebenfalls zufrieden. «Wir brauchen einen Änderungsvertrag», sagte er. «Das Wort Verfassung brauchen wir nicht.» Auch die Spitzenpolitiker der Konservativen sprachen nicht mehr von einer «Verfassung», sondern von einer neuen vertraglichen Grundlage der EU. Ein abgespeckter Text, der «Grundvertrag» genannt werden könnte, würde möglicherweise in Frankreich, den Niederlanden und anderen Staaten die Ratifizierung erleichtern.
Kurz vor den Feierlichkeiten hatten Unbekannte in der Nacht zum Samstag ein «Europa-Infomobil» in Brand gesetzt. Weil in der Nähe Farbschmierereien mit Bezug zu den Gipfeltreffen von EU und G8 entdeckt wurden, geht die Polizei von einem politischen Motiv aus. (dpa)
