Merkel stellt sich gegen Vertriebene
16.03.2007
Herausgeber: netzeitung.de
In ihrer Rede plädierte die Kanzlerin dafür, den Vertriebenen und Flüchtlingen aller Nationen ein würdevolles Gedenken zu ermöglichen und versicherte, dass es dabei keine Umdeutung der Geschichte geben werde: «Es kann keine Umdeutung der Geschichte durch Deutschland geben, und ich füge hinzu: Es wird auch keine Umdeutung der Geschichte geben.»
Das Thema Vertreibung belastet die bilateralen Beziehungen seit langem. Seit 2000 setzt sich eine von der Vertriebenenpräsidentin Erika Steinbach (CDU) geleitete Stiftung für den Bau eines Zentrums gegen Vertreibungen in Berlin ein, was in Polen für große Beunruhigung gesorgt hat. Noch schwerer lastet eine Klage der «Preußischen Treuhand» auf dem deutsch-polnischen Verhältnis. Die Vertriebenenorganisation hat Polen im vergangenen Herbst vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte auf Entschädigung für verlorenes Eigentum in den ehemaligen deutschen Ostgebieten verklagt. Die Bundesregierung hat sich zwar bereits mehrfach davon distanziert, lehnt aber ein von Polen gefordertes bilaterales Abkommen zum gegenseitigen Verzicht auf Entschädigungsforderungen ab.
Europa dürfe sich niemals spalten lassen - weder in Fragen der Wirtschaft, etwa der Energieversorgung, noch in Sicherheitsfragen, sagte Merkel. «Geteilte Sicherheit wäre mangelnde Sicherheit.» In Sachen Energiesicherheit fühlt sich Polen beim Bau der deutsch-russischen Ostseepipeline übergangen. Konkret ging Merkel zunächst nicht auf das Projekt ein.
Sie hatte bereits im vergangenen Jahr versichert, sie werde sich als EU-Ratspräsidentin um eine europäische Lösung des Konflikts bemühen. Sicherheitspolitisch hatte das in Polen und Tschechien geplante US-Raktenabwehrsystem für Bedenken bei Nato-Partnern gesorgt. Merkel setzt sich für eine Realisierung des Vorhabens unter dem Dach des transatlantischen Bündnisses ein.
Merkel warb erneut dafür, die Verhandlungen über die EU-Verfassungen wieder in Gang zu bringen. «Ein Scheitern wäre ein historisches Versäumnis», sagte sie. Polen setzt sich für Änderungen an dem ursprünglichen Entwurf ein, währende Merkel den Verfassungsprozess auf Grundlage der bisherigen Pläne wieder in Gang bringen will. (AP)

