13.11.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Bernd Neumann
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Zwischen der EU und Deutschland bahnt sich einer neuer Streit an. Die Regierung in Berlin will Schleichwerbung im Fernsehen verbieten - Die Kommission in Brüssel hat dagegen keine Probleme mit versteckter Werbung.
Ein Jahr nach dem Skandal um Produktplatzierung in der ARD-Serie «Marienhof» sorgt diese Werbeform für Diskussionen in der Europäischen Union. Der deutsche Kulturstaatsminister Bernd Neumann forderte am Montag bei einem Treffen mit seinen EU-Kollegen in Brüssel, die in Deutschland auch als Schleichwerbung bezeichnete Produktplatzierung müsse in der EU grundsätzlich verboten sein. Nur «unter bestimmten Bedingungen» sollten einzelne Länder von diesem Verbot abweichen dürfen.
Dagegen setzt sich die EU-Kommission für eine Zulassung ein. Die für Telekommunikation zuständige Kommissarin Viviane Reding teilte in einer Pressemitteilung bei dem Treffen der Kulturminister mit, Produktplatzierung in fiktionalen Beiträgen wie Serien und Filmen sollte in der EU grundsätzlich erlaubt sein. Allerdings dürften die Werbetreibenden nicht in die redaktionelle Gestaltung der Beiträge eingreifen.
Druck auf Deutschland könnte zunehmenDen einzelnen Mitgliedstaaten stehe es zudem frei, diese Werbeform zu verbieten. Befürchtet wird aber, dass bei einer Zunahme der Produktplatzierung in anderen EU-Staaten der Druck auf Berlin wächst, diese ebenfalls zuzulassen. Schließlich wären deutsche TV-Produktionsfirmen sonst bei der Suche nach Einnahmequellen gegenüber der ausländischen Konkurrenz benachteiligt.
Neumann betonte mit Blick auf den Marienhof-Skandal: «Die Erfahrungen mit Schleichwerbung in Deutschland sind, dass unauffällige Produktplatzierung dazu führt, dass Inhalte beeinflusst werden.» Dies verstoße gegen den Grundsatz der Trennung von Werbung und Programm. (nz)