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Österreich: Sex-Fantasien zum EU-Vorsitz: 

Österreich mag keinen Gruppensex

29. Dez 2005 11:07
Eines der beanstandeten Plakate
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Für die Europäische Union kann auf vielerlei Weise geworben werden. In Österreich sogar – zum Unmut von Bundeskanzler Schüssel – mit pornographischen Plakaten.

Was Kunst ist und was nicht – darüber wurde schon immer gestritten. Aktuell sorgt eine anzügliche Plakat-Aktion in Österreich für Wirbel, der weit über die Landesgrenzen hinausgeht. Seit dem 27. Dezember werden unter dem Titel euroPART. Aktuelle Kunst aus Europa insgesamt 150 Plakate von 75 Künstlern gezeigt, die sich zum Teil sehr kritisch und auf sehr ungewöhnliche Weise mit der EU auseinandersetzen.

Eines der Plakate zeigt drei Nackte, die Masken verschiedener EU-Regierungschefs tragen, beim gestellten Gruppensex. Ein anderes – in Anlehnung eines Bildes des französischen Künstlers Gustave Courbet – den Unterleib einer Frau. Anders als beim Original trägt die gezeigte Dame aber Unterwäsche in den Farben der EU.

Schüssel erbost, aber machtlos

Nicht nur die Themen der Plakate, sondern auch der Zeitpunkt der Aktion sorgt für Unmut: Anfang Januar übernimmt Österreich für sechs Monate die EU-Ratspräsidentschaft. Entsprechend erbost ist Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (ÖVP). Mit Kunst habe dies nicht zu tun, schimpft er. Die Grenzen des guten Geschmacks und des Zumutbaren seien bei weitem überschritten worden.

Eigentlich hätte Schüssel wissen müssen, auf was er sich einlässt. Immerhin hat das Bundeskanzleramt die Aktion mit rund einer Million Euro unterstützt. Er sei zu keinem Zeitpunkt über den Inhalt der Kampagne informiert worden, verteidigt er sich im österreichischem «Bild»-Pendant, der «Kronen Zeitung».

«Kronen Zeitung» an der Spitze der Kritiker

Wolfgang Schüssel
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In der «Kronen Zeitung» hat Schüssel auch einen guten Verbündeten. Die Zeitung hat gleich mehrere Politiker gefunden, die bezeugen, dass im Rahmen der Aktion «Frauen in sexistisch herabwürdigender Weise öffentlich zur Schau gestellt werden». Der Familienverband der Erzdiözese Wien sorgte sich um das Wohl der Kinder und forderte das sofortige Aus für die «geschmacklosen und entwürdigen Darstellungen».

Wirklich verhindert werden kann die Kampagne, die noch bis Ende Januar läuft, aber nicht. Im Bundeskanzleramt hagelt es Proteste erboster Bürger. Die Mitarbeiter wurden angewiesen, das Projekt zu erklären, die Förderung durch die öffentliche Hand zu bestätigen, aber zugleich zu betonen, dass die Regierung keinen Einfluss habe und nehme, heißt es aus dem Kanzleramt.

Projekt «nicht provozierend» gemeint

Die Verantwortlichen für das Projekt, das unter dem Namen «25peaces» läuft, sehen auch keinen Grund, die Aktion vorzeitig abzubrechen. Die Themen seien «in einem Klima der Unabhängigkeit von Förderern und innerhalb der Freiheit der Kunst» ausgewählt worden, argumentieren sie. Hinter «25peaces» stehen der frühere Kulturchef des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ORF, Wolfgang Lorenz, und der Generaldirektor des Bundestheaters, Georg Springer.

Letzterer wundert sich auch über die Aufregung in der Öffentlichkeit: «Es freut mich nicht sehr, dass es diese Aufregung gibt», sagte er im ORF. Er verstehe sie allerdings auch nicht, weil das Projekt nicht provozierend gedacht sei. Ein wenig will aber auch Springer nachgeben und kündigte an, eines der Plakate werde ab der kommenden Woche nicht mehr gezeigt. Welches es sein wird, ließ er jedoch offen.

 
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