Merkel wirft der Türkei Folter vor
16.12.2004
Herausgeber: netzeitung.de
Der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering mahnte, die jahrzehntelangen Versprechungen an die Türkei für eine EU-Beitrittsperspektive einzuhalten. «Verträge müssen gehalten werden», sagte er. Es seien zudem CDU geführte Bundesregierungen gewesen, die den Weg der Türkei in Richtung EU eingeleitet hätten.
Der FDP-Abgeordnete Werner Hoyer verwies darauf, dass es bei der Entscheidung in Brüssel nicht um einen Beitritt der Türkei, sondern lediglich um die Aufnahme von Verhandlungen gehe. «Heute wäre die Türkei nicht beitrittsfähig und die EU nicht aufnahmefähig.» Die EU sei aber kein «definierter Endzustand» und die Türkei habe in den vergangenen Jahren einen bemerkenswerten Aufholprozess hinter sich.
Unter diesen Umständen sei es «nicht redlich», Verhandlungen aufzunehmen mit den Optionen Vollmitgliedschaft oder keine Mitgliedschaft, so Merkel. Einen Beitrittsautomatismus dürfe es nicht geben. Die Union halte deshalb den «Alternativweg» einer privilegierten Partnerschaft für richtig.
Demgegenüber plädierte SPD-Parteichef Franz Müntefering für den baldigen Beginn von Verhandlungen. Die Perspektive eines Türkei-Beitritts böte Europa große Chancen, sagte er. Auch der Bundesverband der Deutschen Industrie sehe dadurch eine bessere Planungssicherheit für deutsche Unternehmen, so Müntefering. CDU und CSU warf er vor, den Begriff privilegierte Partnerschaft nicht genau zu definieren.
Die Verhandlungen mit Ankara werden nach den Worten Münteferings lange dauern. Vor 2014 sei ein EU-Beitritt nicht zu erwarten. Der Union warf Müntefering vor, «kleinmütig und mutlos» zu sein. Die Türkei könne beispielhaft für andere Länder sein.

