 Streit um Preisschub durch Euro-Einführung
22. Jan 2002 11:48, ergänzt 15:07
 | EZB-Chef Wim Duisenberg Foto: ddp |
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Viele befürchten es, doch die Europäische Zentralbank winkt ab: Der Start des Euro-Bargeldes habe nicht zu einem Preisschub geführt. Die Verbraucherzentralen sehen das anders.
Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Wim Duisenberg, sieht keine Inflationseffekte durch die Euro-Bargeldeinführung. Preise würden auf- und abgerundet, sagte Duisenberg der französischen Tageszeitung «La Tribune». Daher komme es nicht zu der befürchteten Preissteigerung.Der Bundesverband der Verbraucherzentralen kommt zu einem anderen Ergebnis: Der Einzelhandel habe sich durch Preiserhöhungen im vergangenen Jahr Spielräume geschaffen, um zum Zeitpunkt der Euro-Einführung verstärkt Preissenkungen durchführen zu können, teilte der Verband am Dienstag in Berlin mit. Eine Studie bestätige den weit verbreiteten Eindruck, dass Preise wegen der Euro-Einführung häufiger angehoben als gesenkt wurden.
Preissenkungen folgen Preiserhöhungen Im Einzelhandel habe es zwischen Juni 2001 und Dezember 2002 Preiserhöhungen bei jedem dritten Produkt gegeben. Zwischen Dezember 2001 und Januar 2002 dagegen überwiegend Preissenkungen. Im Dienstleistungssektor und in der Gastronomie ist es den Angaben zufolge zwischen Juni 2001 und Januar 2002 in rund zwei Drittel der untersuchten Fälle zu Preiserhöhungen gekommen.
Spekulationen über Inflation im Januar Parallel dazu berichtete die «Hannoversche Allgemeine Zeitung», die Umstellung auf den Euro habe zu einer stärkeren Teuerung geführt als vermutet. Bei der jüngsten, nicht-öffentlichen Sitzung des Konjunkturrates für die öffentliche Hand habe Bundesbank- Chefvolkswirt Hermann Remsperger einen alarmierenden Vortrag gehalten.
Die Drei vor dem Komma
Das Blatt zitierte Remsperger mit den Worten, die Inflationsrate schraube sich in diesen Tagen in ungeahnte Höhen. Inzwischen könne niemand mehr ausschließen, dass das Statistische Bundesamt für Januar eine Preissteigerung mit einer Drei vor dem Komma melden müsse. In Teilen des Einzelhandels, vor allem aber bei Restaurants und Hotels, seien im Rahmen der Euro-Umstellung höhere Preise festgesetzt worden, um die Gewinnmargen zu erhöhen. Diesen Bericht wies die Bundesbank aber zurück. Remsperger habe gesagt, dass Steuererhöhungen und so genannte Basiseffekte im Januar einen Preisanstieg brächten, sagte ein Bundesbank-Sprecher. Dazu gehöre auch, dass Nahrungsmittel witterungsbedingt teurer geworden seien. Er habe nicht gesagt, dass dies auf die Euro-Bargeldeinführung zurückzuführen sei. Außerdem habe Remsperger keine Zahlen genannt.
Noch keine Daten Das Statistische Bundesamt (Destatis) konnte sich gegenüber der Netzeitung über die Inflationsentwicklung im Januar nicht äußern. «Wir haben noch nicht genug Daten», sagte eine Sprecherin der Behörde. «Die Ökosteuer wird sich natürlich bemerkbar machen.» Wie stark dies ausfallen werde, könne das Bundesamt aber noch nicht sagen. Erste Schätzungen über die Entwicklung der Lebenshaltungskosten veröffentlicht Destatis Ende Januar. (nz)
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