 Erster Einkaufstag mit dem Euro: Gelassenheit trotz Warteschlangen
02. Jan 2002 16:34, ergänzt 21:41
 | Euro auf Mark | | Foto: ddp |
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Es gab zwar Mehrarbeit mit dem neuen Geld, aber keine nennenswerten Probleme: Bei Handel und Banken ist am ersten Werktag mit dem Euro-Bargeld kein Chaos ausgebrochen. Die Europäische Zentralbank ist zufrieden. Und die Leute gehen einkaufen.
Lange Warteschlangen vor Bankschaltern und Verzögerungen an den Supermarktkassen hat es am ersten Werktag mit dem Euro-Bargeld gegeben. In Deutschland kam es jedoch nicht zu großen Komplikationen: Einzelhandel und Verbraucherschützer gaben Entwarnung.
Mehr Käufer in den Geschäften
«Die Europhorie lockte die Menschen in die Städte. Heute waren vielfach deutlich mehr Verbraucher als an normalen Wochentagen unterwegs, um mit ihren frisch getauschten Euro erste Einkäufe zu machen oder ihre restliche D-Mark in den Geschäften auszugeben», erklärte der Präsident des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE), Hermann Franzen, am Mittwoch. Der erste Handelstag in Euro sei ein «voller Erfolg» gewesen.«Das große Chaos ist ausgeblieben», bestätigte der Sprecher des Verbraucherzentrale- Bundesverbandes (vzbv), Christian Fronczak. Aus Sicht der Verbraucherschützer sei es nicht zu massiven Preiserhöhungen im Zuge der Euro-Umstellung gekommen, obwohl die Preise eher auf- als abgerundet worden seien.
Aldi läutet Preiskampf ein Der Discounter Aldi setzte gegen den Trend zur Aufrüstung. Er machte seine Ankündigung wahr, alle Mark-Preise bei der Umrechnung in Euro abzurunden und läutete damit einen neuen Preiskampf im Einzelhandel ein.
Viele Verbraucher zahlten noch mit alten Mark-Beständen, die meisten hatten sich aber schon mit Euro eingedeckt oder zahlten mit Karte. Vereinzelt lehnten es kleinere Geschäfte ab, noch Mark anzunehmen. Dazu sind sie auch nicht mehr verpflichtet, da die Mark kein gesetzliches Zahlungsmittel mehr ist. Einer freiwilligen Selbstverpflichtung des Handels zufolge kann aber noch bis Ende Februar mit Mark bezahlt werden.
Viele Verbraucher zahlten noch mit alten Mark-Beständen, die meisten hatten sich aber schon mit Euro eingedeckt oder zahlten mit Karte. Vereinzelt lehnten es kleinere Geschäfte ab, noch Mark anzunehmen. Dazu sind sie auch nicht mehr verpflichtet, da die Mark kein gesetzliches Zahlungsmittel mehr ist. Einer freiwilligen Selbstverpflichtung des Handels zufolge kann aber noch bis Ende Februar mit Mark bezahlt werden.
Alle wollen Euro Viele gingen zur Bank, um ihr Restgeld zu tauschen. Einige Kreditinstitute mussten ihre Kassenräume laut Reuters am Mittwoch zeitweilig schließen, weil sie den Andrang nicht mehr bewältigen konnten. Der Aufforderung der Bundesbank, Mark-Bestände nicht unmittelbar zu Jahresbeginn bei Banken umzutauschen, kamen viele nicht nach. Mitarbeiter von Banken und Sparkassen sagten übereinstimmend, es werde vor allem Mark in Euro gewechselt.
Knappe Kassen in Italien Schlangen und Bargeld-Knappheit wurde unter anderen von Banken und Postfilialen in Rom gemeldet. In den Niederlanden mussten rund zwei Drittel der Post-Niederlassungen wegen technischer Probleme geschlossen bleiben. Laut EZB gaben am Ende des Neujahrstages bereits mehr als 80 Prozent aller Geldautomaten die neuen Banknoten aus. In einigen Ländern lag die Quote demnach sogar bei 100 Prozent, darunter Deutschland, Österreich, Luxemburg und die Niederlande.Kurioserweise war die Euro-Einführung aber auf den italienischen Autobahnen zu spüren. Vor den Mautstationen bildeten sich kilometerlange Staus. Die Fahrer hätten ihr Wechselgeld in Euro erhalten, unabhängig davon, ob sie in der europäischen Gemeinschaftswährung oder in der bisherigen Landeswährung Lire gezahlt hätten, teilte die für das Kassieren der Autobahn-Gebühr zuständige Firma Autostrade mit. Viele Fahrer hätten die Möglichkeit genutzt, an Euro zu kommen und sich gegen das schnellere Zahlverfahren mit der Kreditkarte entschieden.
Positive Bilanz Politiker und Verbände zogen am Abend ein überwiegend positives Fazit der Währungsumstellung. Die Europäische Zentralbank (EZB) erklärte am Mittwoch in Frankfurt am Main, die Umstellung sei nahezu reibungslos und damit besser als erwartet verlaufen. Bundesbankpräsident Ernst Welteke sprach von einem «historischen Ereignis». Allein die deutschen Sparkassen und Landesbanken gaben bis zum Mittag rund vier Milliarden Euro aus. Bereits Mitte Januar werden nach Einschätzung von EU-Währungskommissar Pedro Solbes rund 90 Prozent des Geschäftsverkehrs in der EU ausschließlich in Euro abgewickelt. Seit der Silvesternacht habe es in der EU doppelt so viele Barabhebungen an Geldautomaten gegeben wie sonst üblich, allein in Deutschland rund vier Millionen. Hinweise auf Euro-Blüten gebe es bislang nicht. Der Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF), Horst Köhler, warnte dagegen davor, dass der positive Effekt der Euro-Einführung verpuffen könne, wenn es in Europa nicht auch zu Strukturreformen komme. (nz)
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