Gerettete Kunstschätze in zerstörten Gebäuden
21.08.2002
Herausgeber: netzeitung.de
Zwar seien rund 20.000 Objekte und damit der gesamte Bestand in dramatischen Rettungsaktionen in Sicherheit getragen worden. Doch die Schäden an Gebäuden und Haustechnik gehen in den hohen zweistelligen Millionenbereich, sagte der Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen, Martin Roth.
Die Anlagen und Depots, die erst nach der Wende für enorme Summen neu eingerichtet wurden, seien vollkommen ruiniert. Im Museumskomplex Albertinum, das unter anderem das Grüne Gewölbe, die Gemäldegalerie Neue Meister und die Skulpturensammlung beherbergt, wurden indes die Türen wieder für Besucher geöffnet. Die Dresdner und ihre Gäste könnten sich auf diese Weise zunächst bis Sonntag ein Bild von der Bergung der Objekte machen, sagte Roth.
Nicht viel anders war und ist die Lage im Zwinger, dessen Innenhof und Keller unter Wasser standen. In dem barocken Prachtbau wurden etwa 4000 Alte Meister aus den Depots geholt. Als die Lastenaufzüge nach einem Stromausfall nicht mehr gingen, hängten Mitarbeiter mehrere Großformate unter anderem das Gemälde «Raub der Europa» von Paolo Veronese flach an die Decken. Durch den Ausfall von Klimatechnik, Heizung und Strom drohten nun gewaltige Probleme für die Kunstwerke. In den oberen Ausstellungsräumen, wo die Bilder dicht an dicht lagern, müssten rasch besseren Bedingungen hergestellt werden, sagt Roth. Mobile Kühltruhen seien bereits von Museen in Berlin und München gebracht worden. Doch auch die Restaurierungs-Werkstätten sind komplett unbrauchbar.
Erste finanzielle Mittel seien derweil unterwegs. Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin habe drei Millionen Euro in Aussicht gestellt, die Bundeskulturstiftung zwei Millionen Euro und die Kulturstiftung der Länder 500.000 Euro. Der Generaldirektor kritisierte indes, dass die Feuerwehr zwischenzeitlich den Zwinger aufgegeben hatte, während anderswo die Pumpen weiterliefen. Nur mit Hilfe einer Privatfirma, die Nachts aus dem Bett geklingelt wurde, habe das Team weiter gegen die Fluten gekämpft. (nz)

