netzeitung.deGerettete Kunstschätze in zerstörten Gebäuden

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Rund 20.000 Kunstschätze konnten in Dresden vor dem Hochwasser in Sicherheit gebracht werden. Die Zerstörungen in den Gebäuden gefährden jedoch den Erhalt der Sammlungen.

Von Sven Heitkamp, Dresden
 
Zwinger unter Wasser, Semperoper aufgegeben, Schloss Pillnitz abgesoffen: Das Elbe-Hochwasser machte auch vor den weltberühmten Dresdner Kunstschätzen keinen Halt. Inzwischen hat in den Dresdner Museen das Aufräumen nach der Flutkatastrophe begonnen.

Zwar seien rund 20.000 Objekte und damit der gesamte Bestand in dramatischen Rettungsaktionen in Sicherheit getragen worden. Doch die Schäden an Gebäuden und Haustechnik gehen in den hohen zweistelligen Millionenbereich, sagte der Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen, Martin Roth.

Die Anlagen und Depots, die erst nach der Wende für enorme Summen neu eingerichtet wurden, seien vollkommen ruiniert. Im Museumskomplex Albertinum, das unter anderem das Grüne Gewölbe, die Gemäldegalerie Neue Meister und die Skulpturensammlung beherbergt, wurden indes die Türen wieder für Besucher geöffnet. Die Dresdner und ihre Gäste könnten sich auf diese Weise zunächst bis Sonntag ein Bild von der Bergung der Objekte machen, sagte Roth.

«Zwei blaue Augen»
So stehen beispielsweise im Untergeschoss des 1580 erbauten Hauses Hunderte Figuren, Reliefs, und Gipsabdrücke dicht an dicht und zeugen in dieser einmaligen Zusammenstellung vom Unglück der letzten Tage. «Was die Objekte angeht, sind wir mit zwei blauen Augen davongekommen», zeigte sich Roth erleichtert. Allein im Albertinum hatten Mitarbeiter und freiwillige Helfer im Schein von Kerzen und Taschenlampen fast 12.000 Objekte in die oberen Stockwerke getragen. Nun laufen seit Tagen im Keller die Wasserpumpen.

Nicht viel anders war und ist die Lage im Zwinger, dessen Innenhof und Keller unter Wasser standen. In dem barocken Prachtbau wurden etwa 4000 Alte Meister aus den Depots geholt. Als die Lastenaufzüge nach einem Stromausfall nicht mehr gingen, hängten Mitarbeiter mehrere Großformate ­unter anderem das Gemälde «Raub der Europa» von Paolo Veronese ­flach an die Decken. Durch den Ausfall von Klimatechnik, Heizung und Strom drohten nun gewaltige Probleme für die Kunstwerke. In den oberen Ausstellungsräumen, wo die Bilder dicht an dicht lagern, müssten rasch besseren Bedingungen hergestellt werden, sagt Roth. Mobile Kühltruhen seien bereits von Museen in Berlin und München gebracht worden. Doch auch die Restaurierungs-Werkstätten sind komplett unbrauchbar.

Identität des Landes
Roth appellierte an die Politik, nicht nur Geld für zerstörte Straßen und Brücken bereitzustellen, sondern auch die Kunst nicht zu vergessen: «Dies ist der sächsische Staatsschatz. Es geht um die Identität, um die Vergangenheit und die Zukunft des Landes.» Allein die Porzellansammlung habe einen Wert von 3,5 Milliarden Euro.

Erste finanzielle Mittel seien derweil unterwegs. Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin habe drei Millionen Euro in Aussicht gestellt, die Bundeskulturstiftung zwei Millionen Euro und die Kulturstiftung der Länder 500.000 Euro. Der Generaldirektor kritisierte indes, dass die Feuerwehr zwischenzeitlich den Zwinger aufgegeben hatte, während anderswo die Pumpen weiterliefen. Nur mit Hilfe einer Privatfirma, die Nachts aus dem Bett geklingelt wurde, habe das Team weiter gegen die Fluten gekämpft. (nz)