netzeitung.dePapst betet mit Mufti in Richtung Mekka

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Papst Benedikt XVI. mit dem Mufti von Istanbul (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Papst Benedikt XVI. mit dem Mufti von Istanbul
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Als zweiter Papst der Geschichte hat Benedikt XVI. mit der Blauen Moschee ein islamisches Gotteshaus besucht. Als Geste der Versöhnung gegenüber Muslimen schenkte er dem Mufti von Istanbul ein Bild mit Friedenstauben.

In einer großen Geste der Versöhnung mit dem Islam hat Papst Benedikt XVI. am Donnerstag in Istanbul die Blaue Moschee und damit erstmals eine muslimische Gebetsstätte besucht. «Lasst uns für die Brüderlichkeit und die ganze Menschheit beten», sagte Benedikt und verharrte andächtig Seite an Seite mit dem Mufti von Istanbul vor der Gebetsnische in Richtung Mekka.

Der eindeutige Höhepunkt der viertägigen Türkeireise des Papstes fand unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen statt, wie auch wenige Minuten zuvor die Besichtigung der ehemals byzantinischen Großkirche Hagia Sophia. Zum Auftakt seines dritten Besuchstages hatte Benedikt mit Bartholomäus I., dem geistlichen Oberhaupt von weltweit 300 Millionen orthodoxen Christen, eine stärkere Annäherung der beiden Kirchen vereinbart. Der Papstbesuch endet an diesem Freitag mit einer Messe in der Heiligen-Geist-Kathedrale in Istanbul.

«Botschaft der Brüderlichkeit»
Der Besuch der Blauen Moschee, der nach Benedikts umstrittener Regensburger Rede über Islam und Gewalt als versöhnliche Geste gegenüber der islamischen Welt gewertet wurde, war erst kurz vor Beginn der Türkeireise ins Programm aufgenommen worden. Benedikt schenkte dem Mufti ein Bild mit Friedenstauben. «Dieses Bild ist eine Botschaft der Brüderlichkeit und eine Erinnerung an einen Besuch, den ich sicher niemals vergessen werde.»

In der Kirchengeschichte ist Benedikt XVI. der zweite Papst, der ein islamisches Gotteshaus betreten hat. «Dieser Besuch wird uns helfen, gemeinsam den Weg zu Frieden und zum Wohle der Menschheit zu finden», sagte Benedikt. Sein Vorgänger Johannes Paul II. hatte im Mai 2001 die Omajjaden-Moschee in Damaskus besucht.

«Brüderlicher Dialog»
Bei einem orthodoxen Gottesdienst im Patriarchat von Konstantinopel hatte Benedikt am Vormittag den Kirchenführern der Orthodoxie einen «brüderlichen Dialog» über die «Ausübung des Papstamtes» angeboten. Dies gilt als wichtiger Schritt, weil der Anspruch Roms auf umfassende Autorität das entscheidende Hindernis bei der Annäherung zwischen katholischer Kirche und den Ostkirchen ist.

Die Kirchenspaltung (Schisma) ist rund 1000 Jahre alt. Benedikt betonte: «Die Spaltung der Christen ist ein Skandal für die Welt und ein Hindernis bei der Verkündung des Evangeliums.» Benedikt bezog sich mit seinem Vorschlag ausdrücklich auf seinen Vorgänger Johannes Paul II., der ein solches Angebot bereits 1995 gemacht hatte.

«Gegen Gott und die Menschenwürde»
Benedikt und Bartholomäus unterzeichneten eine gemeinsame Erklärung mit dem Ziel der «Wiederherstellung der vollkommenen Einheit». Bartholomäus zeigte sich äußerst aufgeschlossen. «Wir bekennen in Trauer, dass wir noch nicht im Stande sind, die heiligen Sakramente gemeinsam zu feiern», sagte der Patriarch mit Blick auf die nicht vorhandene Abendmahlsgemeinschaft. In der Erklärung sprachen sich die beiden Kirchenführer eindringlich gegen Terrorismus aus. «Die Ermordung Unschuldiger in Namen Gottes (ist) Frevel gegen Gott und die Menschenwürde.»

In der prunkvoll ausgestatteten Patriarchatskirche St. Georg feierte Benedikt mit Bartholomäus das Andreasfest (30. November). Der Apostel Andreas ist der Patron des griechisch-orthodoxen Patriarchats von Konstantinopel. Benedikt und Bartholomäus gaben sich einen Bruderkuss. Aus Sicherheitsgründen war das hinter hohen Mauern im Istanbuler Stadtviertel Fener gelegene Patriarchat hermetisch abgeriegelt worden. Was höchste Sicherheitsstufe bedeutet, bekamen die Istanbuler bereits bei der Ankunft Benedikts am Vorabend zu spüren. Komplett gesperrte Straßenzüge führten in der Zwölf-Millionen-Stadt zu riesigen Verkehrsstaus.

Der Vatikan zog unterdessen eine positive Bilanz des bisherigen Verlaufs des Papst-Besuchs. «Es scheint mir, dass die Reise gut verläuft und dass sie schon positive Ergebnisse gebracht hat, und zwar sowohl auf politischer Ebene als auch was die öffentliche Meinung in der Türkei betrifft», sagte Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone der Zeitung «Avvenire». (nz)