netzeitung.dePapst-Reise für Al Qaeda Kreuzzug gegen Islam

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Papst Benedikt XVI. bei einer Messe in Ephesus (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Papst Benedikt XVI. bei einer Messe in Ephesus
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Der Vatikan sieht in Kritik des Terrornetzwerks Al Qaeda an der Türkei-Reise des Papstes keinen Grund zur Besorgnis. Benedikt XVI. bekannte sich am Mittwochabend indes zur Aussöhnung Roms mit den orthodoxen Ostkirchen.

Die Terrororganisation Al Qaeda im Irak hat den Besuch von Papst Benedikt XVI. in der Türkei als Teil eines Kreuzzugs gegen den Islam bezeichnet. Die Erklärung wurde am Mittwoch auf einer islamischen Web-Site veröffentlicht. Der Besuch des Papstes diene tatsächlich dazu, die Kreuzzugs-Kampagne gegen die Länder des Islams zu konsolidieren und sei ein Versuch, das Feuer des Islams in unseren türkischen Brüdern zu ersticken, hieß es in der Verlautbarung weiter. In einer Reaktion des Vatikans hieß es dazu, die Erklärung unterstreiche die Notwendigkeit der Gläubigen, gegen die im Namen Gottes ausgeübte Gewalt anzugehen.

Papst Benedikt XVI. hatte zuvor ein Bekenntnis zur Aussöhnung Roms mit den orthodoxen Ostkirchen abgelegt. Rund 1000 Jahre nach der Kirchenspaltung (Schisma) müsse der Weg zur «Versöhnung und zum Frieden zwischen den Kirchen» beschritten werden, sagte Benedikt am Mittwochabend bei der Begrüßung des griechisch-orthodoxen Patriarchen Bartholomäus I. in Istanbul. Als Ziel nannte er eine «vollständige Einheit von Katholiken und Orthodoxen». Die Annäherung zwischen Rom und den Ostkirchen ist eines der Hauptanliegen des deutschen Papstes.

Geringe Differenzen
Die beiden Kirchenführer wollen an diesem Donnerstag - wie bei allen bisherigen Stationen des Papstes in der Türkei unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen - das orthodoxe Andreasfest feiern und eine gemeinsame Erklärung zur Annäherung der Kirchen abgeben. Die theologischen Differenzen gelten als eher gering. Allerdings erkennen die Orthodoxen nicht die besondere Autorität des römischen Papstes an. Bartholomäus ist Ehrenvorsitzender von 300 Millionen Orthodoxen weltweit. In Istanbul wird Benedikt auch die Hagia Sophia, die einst größte Kirche der Christenheit, und die gegenüberliegende «Blaue Moschee» besuchen.

Angenehm überrascht reagierte die türkische Öffentlichkeit auf das betont versöhnliche Auftreten Benedikts, dessen erste Reise in ein islamisches Land im Vorfeld als politisch schwierig gewertet worden war. «Die Sorgen waren unnütz, der Papst-Besuch hat sehr gut begonnen», lautete der Tenor. Benedikt habe eine «Botschaft des Friedens» ausgesendet und «zum Dialog aufgerufen». Als «Überraschung» werteten die Zeitungen, dass sich Benedikt, der bislang im Ruf eines Türkei-Gegners stand, für einen türkischen EU-Beitritt ausgesprochen habe. Aufmerksam registrierten die Zeitungen, dass Benedikt das Kreuz am Hals nicht offen trug, als er bei der Ankunft in Ankara aus dem Flugzeug stieg. Nach seiner Rede über Islam und Gewalt war dem Papst in der Türkei eine «Kreuzfahrermentalität» vorgeworfen worden.(nz)