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Ahmadinedschad nimmt Papst in Schutz

19. Sep 2006 14:49, ergänzt 19:24
Mahmud Ahmadinedschad
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Irans Präsident Ahmadinedschad hat den Papst überraschend gegen Kritik verteidigt. Die Äußerungen von Benedikt XVI. in Regensburg seien unzutreffend wiedergegeben worden, sagte er - und widersprach damit Ajatollah Chamenei.

Im Streit um die Islam-Äußerungen des Papstes hat Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad für die Weltöffentlichkeit unerwartet positiv auf das Bedauern von Benedikt XVI. reagiert. «Wir respektieren den Papst, wir respektieren alle, die sich für Frieden und Gerechtigkeit einsetzen», sagte er am Montag zum Abschluss seines Venezuela-Besuchs in Caracas. Er sollte in der Nacht zum Mittwoch vor der UN-Generalversammlung in New York sprechen.

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  • «Wir glauben, dass alle Religionen nach Frieden und Sicherheit streben, nach Moral und Gerechtigkeit», fügte Ahmadinedschad hinzu. Von einer notwendigen Entschuldigung des Papstes sprach er nicht. Die Äußerungen des Papstes in Regensburg seien unzutreffend wiedergegeben worden, fügte der iranische Präsident hinzu, der noch im Streit um die dänischen Islam-Karikaturen die Stimmung angeheizt hatte. Alle Religionen seien «Teil des Friedens und der Brüderlichkeit».

    Wenige Stunden zuvor hatte der oberste Führer des Irans, Ajatollah Ali Chamenei, gesagt, die Papst-Rede sei das «jüngste Glied in dem von US-Präsident George W. Bush angesprochenen Kreuzzug» nach den Terroranschlägen vom 11. September. Bei Bush sei das nicht verwunderlich, aber von einem christlichen Kirchenführer habe man anderes erwartet. Dieser Kreuzzug habe sich «zu einer Serie» (anti-islamischer Verschwörungen) entwickelt. Dazu gehöre der Angriff auf den Irak und die Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen.

    «Neue Beleidigung für die Muslime»

    Die saudi-arabische Organisation Al-Islam Al-Yom (Islam Heute) sieht auch in dem Bedauern von Benedikt XVI. eine Beleidigung für die Muslime. Der stellvertretende Vorsitzende der Organisation, Scheich Abdel Wahab al-Tiriri, sagte am Dienstag: «Die letzte Äußerung des Papstes ist eine neue Beleidigung für die Muslime, nachdem er schon ihre Religion und ihren Propheten beleidigt hat.» Der Papst habe behauptet, die Muslime hätten seine Worte über den Islam in der Regensburger Rede missverstanden. Die Bemerkungen des Oberhauptes des römisch-katholischen Kirche seien aber «klar und eindeutig» gewesen und sowohl von den europäischen Medien als auch von den Muslimen richtig verstanden worden.

    Eine bisher unbekannte Palästinensergruppe drohte mit Angriffen auf Christen im Gazastreifen. Die so genannte Huda-Armee teilte in einem Fax an Journalisten mit, sie werde «alle Kreuzfahrer-Gemeinden und Einrichtungen» ins Visier nehmen - es sei denn, der Papst entschuldige sich ausdrücklich. In den vergangenen Tagen hatte es bereits mehrere Anschläge auf christliche Kirchen in den Palästinensergebieten gegeben.

    «Intellektuelle Kapitulation»

    Der evangelische Theologe Martin Schuck wies Forderungen muslimischer Organisationen nach einer Entschuldigung des Papstes für seine angeblich islamkritischen Äußerungen zurück. «Würde sich der Papst für die umstrittene Passage entschuldigen, käme dies einer intellektuellen Kapitulation gleich», sagte der Ökumene-Experte des Konfessionskundlichen Institut der Evangelischen Kirche in Deutschland am Dienstag.

    Die britische Polizei verstärkte wegen anhaltender Kritik am Papst Schutzvorkehrungen für hunderte Kirchen und Moscheen. An die Verantwortlichen für religiöse Stätten im Großraum London und einigen anderen Gegenden des Landes wurden Notrufnummern für den Fall von Angriffen ausgegeben. Patrouillen in der Umgebung der Gotteshäuser seien «zur Beruhigung» verstärkt worden, sagte eine Polizeisprecherin am Dienstag.(nz)


     
     
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