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Al Qaeda droht Papst und Westen mit Untergang: 

Al Qaeda droht Papst und Westen mit Untergang

18. Sep 2006 15:06, ergänzt 19:26
Iraker verbrennen in Basra Papst-Bildnis und Deutschland-Fahne
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Obwohl Papst Benedikt XVI. die durch seine Mohammed- Äußerungen entstandenen Missverständnisse bedauert, eskalieren die Proteste: Im Irak brannten deutsche Fahnen, Al Qaeda kündigte das «Zerbrechen des Kreuzes» an.

Die Proteste gegen den Papst, Deutschland und die Christen in islamischen Ländern haben einen neuen Höhepunkt erreicht: Die Terrororganisation Al Qaeda kündigte als Reaktion einen Heiligen Krieg an, bis der Islam die Weltherrschaft erlangt habe. Grund der Erregung ist eine Passage aus einem Vortrag von Papst Benedikt XVI. an der Universität Regensburg, in der er den byzantinischen Kaiser Manuel II. Palaeologos zitiert hatte. Der Kaiser hatte an dem Propheten Mohammed «nur Schlechtes und Inhumanes» gefunden, etwa «dies, dass er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten». Das erregte weltweit Kritik.

Mehr in der Netzeitung:
Auf einer Webseite militanter Muslime tauchte am Montag eine entsprechende Erklärung im Namen des Schura-Rats der Mudschahedin auf, einer Dachorganisation sunnitischer Extremisten im Irak, zu denen auch die irakische Al Qaeda gehört. Ihre Authentizität ist noch nicht unabhängig bestätigt worden.

«Banner des Monotheismus»

In der Erklärung mit Bezugnahme auf die Papst-Rede hieß es weiter: «Ihr Ungläubigen und Despoten, wir werden unseren Dschihad fortsetzen und niemals aufhören, bis Gott uns hilft, eure Hälse abzuschneiden und das flatternde Banner des Monotheismus weht und Gottes Herrschaft über alle Völker und Nationen errichtet ist.»

Hintergrund:
Der Papst sei mit dem Westen zusammen zum Untergang verdammt, hieß es weiter: «Wir werden das Kreuz zerbrechen.»

Die irakische Terrorgruppe Ansar al Sunna drohte mit Angriffen einer «islamischen Armee» auf Rom. «Die Mauern Roms werden bald von der Armee der Rechtgläubigen attackiert», hieß es in einer im Internet verbreiteten Erklärung. Der Papst sei ein «Bote des Teufels». Angesichts der Beleidigungen müssten die Muslime gegen die «Feldherren der Ungläubigen» ausholen.

Deutsche Fahnen verbrannt

Irakische Schiiten verbrannten am Montag bei einer Protestkundgebung gegen die Papst-Äußerungen deutsche Fahnen. Die Anhänger des Ajatollah Mahmud al-Hassani zündeten bei ihrer Demonstration in der südirakischen Hafenstadt Basra auch amerikanische Fahnen an. An dem Demonstrationszug beteiligten sich mehrere hundert Schiiten. Sie forderten von Benedikt XVI. eine «Entschuldigung» für seine Äußerungen über den «Dschihad» und den Propheten Mohammed.

In Pakistan verbrannten rund 150 Demonstranten in der Stadt Muzaffarabad eine Puppe Benedikts und riefen «Tod dem Papst!» Sie forderten eine volle Entschuldigung. Auch im indischen Unionsland Jammu-Kaschmir riefen Demonstranten «Nieder mit dem Papst!» Ein Aufruf zum Generalstreik aus Protest gegen Benedikts Äußerungen wurde weitgehend befolgt. Auch in der indonesischen Hauptstadt Jakarta demonstrierten mehrere hundert Menschen gegen den Papst.

Erneut wird daran gezweifelt, dass der Papst seinen geplanten Besuch in der Türkei antritt. Der türkische Staatsminister Mehmet Aydin sagte, der für November geplante Besuch werde möglicherweise abgesagt, sollte der Papst sich nicht umfassend entschuldigen. Sein Besuch werde nicht der Einheit der Kulturen, sondern ihrem Kampf dienen.

Der Vorsitzende des türkischen Direktorats für Religiöse Angelegenheiten, Ali Bardakoglu, bezeichnete die päpstliche Entschuldigung als indirekt und unzureichend. Bardakoglu wies darauf hin, dass der Papst am Sonntag nur die Reaktionen in der muslimischen Welt bedauert habe, nicht aber, das Zitat des byzantinischen Kaisers überhaupt verwendet zu haben. Darin hieß es, der Prophet Mohammed habe mit seinen Lehren nur Schlechtes und Inhumanes bewirkt.

Kritik am Ausdruck des Bedauerns

«Er hat sich nicht dafür entschuldigt, weil seine Worte übertrieben waren, sondern weil sie missverstanden wurden», sagte Bardakoglu. «Dieses 'Es tut mir leid' muss entweder voll oder gar nicht gesagt werden.» Benedikt wird zu einem Besuch vom 28. November bis 1. Dezember in der Türkei erwartet. Der Besuch soll nach Angaben der türkischen Regierung vom Sonntag weiterhin stattfinden. Am Montag berieten katholische Bischöfe in Istanbul. Die nicht öffentliche Sitzung war lange vor der Regensburger Papstrede angesetzt worden.

Auch der Präsident der Islamischen Vereinigung Chinas, Chen Guangyuan, bezeichnete Benedikts Rede als Beleidigung des Propheten Mohammed und des Islams, wie die amtliche Pekinger Nachrichtenagentur Xinhua meldete.

Neue «Beleidigung» des Islam

Die Islamische Aktionsfront (IAF), Jordaniens stärkste Partei, liest aus den jüngsten Äußerungen von Papst Benedikt XVI. kein Bedauern heraus, sondern eine neue «Beleidigung» der islamischen Religion. Der Generalsekretär der Partei, Saki Bani Erschaid, sagte am Montag in Amman, die beschwichtigende Erklärung des Papstes reiche als Wiedergutmachung für die Beleidigung des Propheten Mohammed nicht aus. Die Partei fordere eine «unmissverständliche Entschuldigung». Mitglieder der Partei sagten, der Papst habe die Gefühle der gesamten jordanischen Bevölkerung verletzt. Die Islamische Aktionsfront ist der jordanische Zweig der Muslimbruderschaft.

Die ägyptische Muslimbruderschaft hatte die Stellungnahme des Papstes vom Sonntag akzeptiert, obwohl auch sie ursprünglich eine «Entschuldigung» gefordert hatten.

Das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche hatte am Sonntag beim Angelusgebet in Castel Gandolfo bedauert, dass seine Islam-Äußerungen missverstanden worden seien. Die islamkritische Passage sei «nur ein Zitat» gewesen und entspreche nicht seiner Haltung. Er nahm aber keine Aussage zurück. (nz)


 
 
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