netzeitung.dePresseschau: «Der Islam ist nicht tabu»

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Papst Benedikt XVI. (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Papst Benedikt XVI.
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Leitartikler der internationalen Presse bescheinigen dem Papst mangelnde Sensibilität bei Aussagen zum Islam. Allerdings: Wirklich überraschend sei es nicht, dass Benedikt XVI. das Christentum vorziehe; «andernfalls wäre er nicht Papst.» .zwischentitel { font: bold 11px verdana, arial, helvetica, sans-serif; display: block; padding: 1px 3px 1px 3px; } «De Telegraaf»: Nicht mitreißen lassen «Der Papst hat sein Bedauern ausgesprochen, dass Muslime seine Ansprache als beleidigend haben erfahren können. Gemäßigte islamische Gruppierungen haben sich damit zufrieden gegeben. Für sie ist die Sache erledigt. Anders ist es dagegen bei radikalen Muslimen. Da werden die Bemerkungen des Papstes als radikaler Angriff auf den Islam angesehen. Obwohl diese Auslegung unsinnig ist, ist sie doch ein neuerlicher Beweis dafür, dass extremistische Muslimführer und ihre politischen Verbündeten jede Möglichkeit nutzen, um den Hass gegen alles, was auch nur nach Westen und Christentum riecht, anzufachen. Der Westen und die führenden Vertreter des Christentums dürfen sich nicht von der Welle des Hasses mitreißen lassen sondern müssen sich weiter um Dialog bemühen, auch wenn dies noch so schwer ist.» «Salzburger Nachrichten»: Politische Klugheit nötig «Der Westen darf sich nicht vor dem Hintergrund islamistischen Terrors dazu hinreißen lassen, abendländische Werte wie Demokratie oder Meinungs- und Pressefreiheit zur Disposition zu stellen. Doch das Einstehen für seine Überzeugungen, das Verteidigen liberaler Werte ist das Eine - politische Klugheit und verantwortungsvolles Handeln setzen indes voraus, dass man seine Worte abwägt und die möglichen Folgen heikler politischer Äußerungen bedenkt. Dazu ist Verständnis für das Gegenüber erforderlich, und dies setzt das Wissen um die Verfasstheit muslimischer Gesellschaften voraus. Genau daran aber mangelt es in beklagenswerter Weise. Wer über den Islam urteilt, sollte bedenken, dass die Worte des Propheten nicht nur missbraucht werden, um Selbstmordattentäter auf westliche Ziele zu hetzen. (...) Die rasche Reaktion des Vatikans lässt hoffen, dass der Westen, ohne die eigenen Werte zu verraten, seine Lektion gelernt hat.» «Libération»: Koexistenz der Religionen predigen «Der Chef der Kurie verfügt nicht über Divisionen, wohl aber über das Gewicht seines Wortes. Er ist nicht ein einfacher Karikaturist, sondern eine politische Macht. Man erwartet vom Papst nicht, dass er die Neokonservativen des amerikanischen Präsidenten George W. Bush noch überbietet, indem er den Krieg der Zivilisationen nach der Art der Kreuzzüge fördert. Er soll vielmehr die Koexistenz der Religionen predigen. Der Islam ist nicht Tabu und muss Kritik ertragen und die Debatte akzeptieren. Diese wird aber nicht die Oberhand gewinnen, wenn dabei Islam und Gewalt, Muslim und Terorist vermengt werden.» «Der Standard»: Nicht alle Religionen sind gewaltlos «Die im interreligiösen Dialog beliebte These, wonach alle Religionen unterschiedslos in ihrem Kern friedlich und tolerant seien, radikale und gewalttätige Abweichungen gar nicht mehr als Religion bezeichnet werden dürften, ist irreführend und verhindert gerade eine kritische Auseinandersetzung mit der allen Religionen eigentümlichen, jedoch sehr unterschiedlich ausgeprägten Ambivalenz im Umgang mit der Gewalt. Dass in Sure 2,257 steht: 'Kein Zwang in Glaubenssachen', hat sich inzwischen allgemein herumgesprochen. Auch der Papst zitiert diesen Koranvers, allerdings nicht ohne den historisch korrekten Hinweis, dass diese Sure aus einer Zeit stammt, in der Mohammed selbst noch machtlos und bedroht war. Später kamen die hinlänglich bekannten Suren über den Dschihad hinzu. Und Mohammed selbst wandte - erfolgreich - Gewalt an, um seinen Glauben auszubreiten. Das unterscheidet ihn nun einmal von Jesus von Nazareth und dessen Praxis der gewaltlosen Liebe, und eben darum hat sich das Christentum seit der Aufklärung in ganz anderer Weise selbstkritisch mit der eigenen - wahrlich unrühmlichen - Gewaltgeschichte auseinander setzen können als der Islam.» «Le Figaro»: Gedankenfreiheit verteidigen «Ziehen wir es vor, aus Feigheit betreten zu schweigen, auf die Gefahr hin, zu Komplizen von Manövern in der arabisch-muslimischen Welt zu werden, die heimlich unsere eigenen Werte bedrohen? Lassen wir den Papst allein das Augenmerk auf die Gefahren des Fanatismus richten, vor allem des Islamismus, so wie sein Vorgänger mutig die Verheerungen des Kommunismus bekämpft hatte? Immerhin nimmt Religion heute einen immer wichtigeren Platz in der Debatte ein, und deshalb ist es dringlich, unablässig eines der Fundamente unserer modernen Gesellschaften zu verteidigen - die Gedankenfreiheit, so wie die Glaubensfreiheit.» «Guardian»: Mehr auf politische Zusammenhänge achten «Es ist nicht wirklich eine Überraschung, dass Benedikt das Christentum für besser hält als andere Religionen - andernfalls wäre er nicht Papst. Aber das macht ihn nicht zu einem militanten Anti-Muslim. Letztlich hatte seine umstrittene Rede nur zum Ziel herauszustellen, dass die Bekehrung durch das Schwert falsch ist, unabhängig davon, ob durch Muslime oder, wie zu Zeiten der Kreuzzüge, durch Christen. (...) Der Papst sollte jedoch ein Interesse daran haben, mehr Aufmerksamkeit darauf zu lenken, in welchem politischen Zusammenhang er seine Äußerungen über andere Religionen macht.» «La Repubblica»: Benedikt bricht mit der Strategie seines Vorgängers «Das Debakel, in das der Heilige Stuhl nach Regensburg gestürzt ist - ein echtes Waterloo, das den Papst dazu gezwungen hat, sich persönlich und öffentlich zu entschuldigen - ist viel mehr als nur ein Kommunikationsfehler. Das unglückliche Anti-Mohammed -Zitat, das heftige Reaktionen in der islamischen Welt und bittere Empörung bei den gemäßigten europäischen Moslems ausgelöst hat, hat auch auf drastische Weise den Bruch ans Licht gebracht, den Ratzinger gegenüber der zwei Jahrzehnte lang erfolgreich von Johannes Paul II. verfolgten Strategie begangen hat.» (dpa)

«De Telegraaf»: Nicht mitreißen lassen
«Der Papst hat sein Bedauern ausgesprochen, dass Muslime seine Ansprache als beleidigend haben erfahren können. Gemäßigte islamische Gruppierungen haben sich damit zufrieden gegeben. Für sie ist die Sache erledigt. Anders ist es dagegen bei radikalen Muslimen. Da werden die Bemerkungen des Papstes als radikaler Angriff auf den Islam angesehen.

Obwohl diese Auslegung unsinnig ist, ist sie doch ein neuerlicher Beweis dafür, dass extremistische Muslimführer und ihre politischen Verbündeten jede Möglichkeit nutzen, um den Hass gegen alles, was auch nur nach Westen und Christentum riecht, anzufachen. Der Westen und die führenden Vertreter des Christentums dürfen sich nicht von der Welle des Hasses mitreißen lassen sondern müssen sich weiter um Dialog bemühen, auch wenn dies noch so schwer ist.»

«Salzburger Nachrichten»: Politische Klugheit nötig
«Der Westen darf sich nicht vor dem Hintergrund islamistischen Terrors dazu hinreißen lassen, abendländische Werte wie Demokratie oder Meinungs- und Pressefreiheit zur Disposition zu stellen. Doch das Einstehen für seine Überzeugungen, das Verteidigen liberaler Werte ist das Eine - politische Klugheit und verantwortungsvolles Handeln setzen indes voraus, dass man seine Worte abwägt und die möglichen Folgen heikler politischer Äußerungen bedenkt. Dazu ist Verständnis für das Gegenüber erforderlich, und dies setzt das Wissen um die Verfasstheit muslimischer Gesellschaften voraus.

Genau daran aber mangelt es in beklagenswerter Weise. Wer über den Islam urteilt, sollte bedenken, dass die Worte des Propheten nicht nur missbraucht werden, um Selbstmordattentäter auf westliche Ziele zu hetzen. (...) Die rasche Reaktion des Vatikans lässt hoffen, dass der Westen, ohne die eigenen Werte zu verraten, seine Lektion gelernt hat.»

«Libération»: Koexistenz der Religionen predigen
«Der Chef der Kurie verfügt nicht über Divisionen, wohl aber über das Gewicht seines Wortes. Er ist nicht ein einfacher Karikaturist, sondern eine politische Macht. Man erwartet vom Papst nicht, dass er die Neokonservativen des amerikanischen Präsidenten George W. Bush noch überbietet, indem er den Krieg der Zivilisationen nach der Art der Kreuzzüge fördert. Er soll vielmehr die Koexistenz der Religionen predigen. Der Islam ist nicht Tabu und muss Kritik ertragen und die Debatte akzeptieren. Diese wird aber nicht die Oberhand gewinnen, wenn dabei Islam und Gewalt, Muslim und Terorist vermengt werden.»
«Der Standard»: Nicht alle Religionen sind gewaltlos
«Die im interreligiösen Dialog beliebte These, wonach alle Religionen unterschiedslos in ihrem Kern friedlich und tolerant seien, radikale und gewalttätige Abweichungen gar nicht mehr als Religion bezeichnet werden dürften, ist irreführend und verhindert gerade eine kritische Auseinandersetzung mit der allen Religionen eigentümlichen, jedoch sehr unterschiedlich ausgeprägten Ambivalenz im Umgang mit der Gewalt. Dass in Sure 2,257 steht: 'Kein Zwang in Glaubenssachen', hat sich inzwischen allgemein herumgesprochen.

Auch der Papst zitiert diesen Koranvers, allerdings nicht ohne den historisch korrekten Hinweis, dass diese Sure aus einer Zeit stammt, in der Mohammed selbst noch machtlos und bedroht war. Später kamen die hinlänglich bekannten Suren über den Dschihad hinzu. Und Mohammed selbst wandte - erfolgreich - Gewalt an, um seinen Glauben auszubreiten. Das unterscheidet ihn nun einmal von Jesus von Nazareth und dessen Praxis der gewaltlosen Liebe, und eben darum hat sich das Christentum seit der Aufklärung in ganz anderer Weise selbstkritisch mit der eigenen - wahrlich unrühmlichen - Gewaltgeschichte auseinander setzen können als der Islam.»

«Le Figaro»: Gedankenfreiheit verteidigen
«Ziehen wir es vor, aus Feigheit betreten zu schweigen, auf die Gefahr hin, zu Komplizen von Manövern in der arabisch-muslimischen Welt zu werden, die heimlich unsere eigenen Werte bedrohen? Lassen wir den Papst allein das Augenmerk auf die Gefahren des Fanatismus richten, vor allem des Islamismus, so wie sein Vorgänger mutig die Verheerungen des Kommunismus bekämpft hatte? Immerhin nimmt Religion heute einen immer wichtigeren Platz in der Debatte ein, und deshalb ist es dringlich, unablässig eines der Fundamente unserer modernen Gesellschaften zu verteidigen - die Gedankenfreiheit, so wie die Glaubensfreiheit.»
«Guardian»: Mehr auf politische Zusammenhänge achten
«Es ist nicht wirklich eine Überraschung, dass Benedikt das Christentum für besser hält als andere Religionen - andernfalls wäre er nicht Papst. Aber das macht ihn nicht zu einem militanten Anti-Muslim. Letztlich hatte seine umstrittene Rede nur zum Ziel herauszustellen, dass die Bekehrung durch das Schwert falsch ist, unabhängig davon, ob durch Muslime oder, wie zu Zeiten der Kreuzzüge, durch Christen. (...) Der Papst sollte jedoch ein Interesse daran haben, mehr Aufmerksamkeit darauf zu lenken, in welchem politischen Zusammenhang er seine Äußerungen über andere Religionen macht.»
«La Repubblica»: Benedikt bricht mit der Strategie seines Vorgängers
«Das Debakel, in das der Heilige Stuhl nach Regensburg gestürzt ist - ein echtes Waterloo, das den Papst dazu gezwungen hat, sich persönlich und öffentlich zu entschuldigen - ist viel mehr als nur ein Kommunikationsfehler. Das unglückliche Anti-Mohammed -Zitat, das heftige Reaktionen in der islamischen Welt und bittere Empörung bei den gemäßigten europäischen Moslems ausgelöst hat, hat auch auf drastische Weise den Bruch ans Licht gebracht, den Ratzinger gegenüber der zwei Jahrzehnte lang erfolgreich von Johannes Paul II. verfolgten Strategie begangen hat.» (dpa)