Benedikts Vortrag in Auszügen
15.09.2006
Herausgeber: netzeitung.de
«In dieser Vorlesung möchte ich nur einen ... Punkt behandeln, der mich im Zusammenhang des Themas Glaube und Vernunft fasziniert hat... . In der von Khoury herausgegebenen siebten Gesprächsrunde kommt der Kaiser auf das Thema des Djihad zu sprechen.
Der Kaiser wusste sicher, dass in Sure 2, 256 steht: Kein Zwang in Glaubenssachen ... Aber der Kaiser kannte natürlich auch die im Koran niedergelegten ... Bestimmungen über den Heiligen Krieg. Ohne sich auf Einzelheiten ... einzulassen, wendet er sich in erstaunlich schroffer Form ganz einfach mit der zentralen Frage nach dem Verhältnis von Religion und Gewalt überhaupt an seinen Gesprächspartner.
Er sagt: »Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden wie dies, das er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten«. Der Kaiser begründet dann eingehend, warum Glaubensverbreitung durch Gewalt widersinnig ist. Sie steht im Widerspruch zum Wesen Gottes und zum Wesen der Seele. »Gott hat kein Gefallen am Blut, und nicht vernunftgemäß zu handeln, ist dem Wesen Gottes zuwider.«
Der entscheidende Satz in dieser Argumentation gegen Bekehrung durch Gewalt lautet: Nicht vernunftgemäß handeln, ist dem Wesen Gottes zuwider. Khoury kommentiert dazu: ... Für die moslemische Lehre hingegen ist Gott absolut transzendent. Sein Wille ist an keine unserer Kategorien gebunden und sei es die der Vernünftigkeit. ... Hier tut sich ein Scheideweg im Verständnis Gottes und so in der konkreten Verwirklichung von Religion auf, der uns heute ganz unmittelbar herausfordert. (nz)

