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Papst soll sich für Islam-Schelte entschuldigen

14. Sep 2006 18:15, ergänzt 21:23
Papst Benedikt XVI.
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In der Türkei haben Äußerungen des Papstes zum Islam heftige Reaktionen ausgelöst. Die Presse sprach von einem «groben Schnitzer» und warf Benedikt XVI. «Taktlosigkeit» vor. Dieser bemüht sich, die Wogen zu glätten.

Die Islam-Schelte von Papst Benedikt XVI. während seines Besuchs in Deutschland hat in der Türkei scharfe Kritik ausgelöst. Die Ansichten des Papstes zu Gewalt und Vernunft in Bezug auf den Islam seien «einseitig, voreingenommen, feindselig und provozierend», sagte der Präsident des Religionsamtes, Ali Bardakoglu, am Donnerstag dem türkischen Nachrichtensender NTV. Er erwarte, dass Benedikt XVI. seine Worte in aller Kürze zurücknehme und sich entschuldige.

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Mit Blick auf die für Ende November geplanten Türkei-Visite Benedikts sagte Bardakoglu, er erwarte «keinen Nutzen» vom Besuch eines Papstes, «der in dieser Weise über den heiligen Propheten des Islams denkt.» Die Ausführungen des Papstes zur Vernunft konterte Bardakoglu mit den Worten: «Zunächst einmal sollen sie die Dreifaltigkeit Gottes erklären. Sie sagen, dass Jesus Gottes Sohn sei. Wie ist das mit der Vernunft in Einklang zu bringen?»

Der Papst hatte am Dienstag an der Regensburger Universität, an der er früher als Theologieprofessor Dogmatik gelehrt hatte, eine Vorlesung gehalten. Der Vortrag hatte den Titel «Glaube, Vernunft und Universität - Erinnerungen und Reflexionen». Darin ging es übergeordnet um das Verhältnis von Glaube und Vernunft. Ratzinger setzte sich nach philosophie- und theologiegeschichtlichen Reflexionen von der Antike bis zur Gegenwart dafür ein, dass «Vernunft und Glaube auf neue Weise zusammenfinden».

Kaiser Manuel II.

Als Ausgangspunkt seiner Überlegungen zitierte Ratzinger den byzantinischen Kaiser Manuel II. Palaeologos. Dieser hatte im Jahr 1391 im Winterlager zu Ankara mit einem gebildeten Perser einen Dialog über das Christentum und den Islam geführt. Konkret ging es um das Verhältnis von Religion und Gewalt. Kaiser Manuel II. äußerte sich, wie Ratzinger einräumte, in «erstaunlich schroffer Form»: «Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden wie dies, dass er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten ...Gott hat kein Gefallen am Blut, und nicht vernunftgemäß zu handeln, ist dem Wesen Gottes zuwider.» Ratzinger meinte: «Hier tut sich ein Scheideweg im Verständnis Gottes und so in der konkreten Verwirklichung von Religion auf, der uns heute ganz unmittelbar herausfordert.»

Bardakoglu verwies auf die christlichen Kreuzzüge. «Weil die Kirche den Islam als Feind angesehen hat, hat sie in der Vergangenheit die westliche Öffentlichkeit aufgewiegelt und die Kreuzzüge unternommen. Sie haben Istanbul besetzt, tausende Menschen wurden ermordet.»

Kritisches Echo

Ein kritisches Echo fand der Vortrag Benedikts am Donnerstag auch in der türkischen Presse. «Taktloser Papst» schrieb das Massenblatt «Sabah» auf der Titelseite. Vor seinem Türkei-Besuch habe der Papst «hasserfüllte, auf den Propheten Mohammed zielende Äußerungen eines byzantinischen Kaisers zu einem aktuellen Thema gemacht», kritisierte das Blatt. Von einem «großen Schnitzer» des Papstes sprach das Blatt «Vatan». Der Papst habe den zitierten Kaiser «als Schutzschild» benutzt, meinte die links-liberale Zeitung «Milliyet». Die auflagenstarke Zeitung «Hürriyet» begnügte sich mit der Feststellung, Benedikt XVI. habe «den radikalen Islam abgekanzelt».

Als «gefährlichen Kommentar des islamischen Glaubens» wertete die gemäßigt-islamische Zeitung «Zaman» den Vortrag des Papstes. Mit seinen Äußerungen habe er «die Muslime betrübt und die Vorurteile in der deutschen Gesellschaft verstärkt». Der Türkei-Besuch des Pontifex ist für die Zeit vom 28. November bis 1. Dezember vorgesehen.

Zwangsbekehrungen

In Deutschland kritisierte der Generalsekretär des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, die Papstworte. Es falle ihm «schwer zu glauben, dass der Papst gerade im Verhältnis zur Gewalt die Grenze zwischen Islam und Christentum sieht», sagte er dem Berliner «Tagesspiegel». Schließlich sei auch die Geschichte des Christentums blutig gewesen - «man denke nur an die Kreuzzüge oder die Zwangsbekehrungen von Juden und Muslimen in Spanien». Auch Benedikts Einschätzung des Islam als einer Religion, die nicht auf Vernunft baue, verstehe er nicht, sagte Mazyek «Gerade im Islam ist der Vernunftgedanke besonders präsent.»

Der Vorsitzende des Islamrats, Ali Kizilkaya, nannte die Aussagen des Papstes «irritierend und höchst bedauerlich.» Benedikt habe zu Beginn des Besuchs an die Politik appelliert, den Dialog der Kulturen und Religionen zu verstärken. Dies sei allerdings «kein positiver Beitrag dazu», sagte Kizilkaya. «Wenn wir alle in die historische Kiste greifen wollten, dann wäre der Dialog kaum möglich.»

Der Vatikan bemüht sich unterdessen, die Wogen zu glätten. Benedikt habe in keiner Weise «die Absicht gehabt, die Gefühle der muslimischen Gläubigen zu verletzten», sagte Vatikansprecher Federico Lombardi nach der Rückkehr des Papstes am Donnerstagabend in Rom. Der Papst habe mit seinen Äußerungen in Regensburg zugleich die Notwendigkeit eines Dialogs zwischen den Religionen betont. (nz)

 
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