13.09.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Drewermann: 'Papst ist unbeweglich'
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Deutsche Theologen ziehen eine kritische Bilanz des Papst-Besuchs. Der Kirchenkritiker Drewermann nannte den Pontifex geistig «unbeweglich». Auch der Tübinger Religionsgelehrte Hans Küng vermisste eine «Offenheit für Reformen».
Die deutschen Theologen Eugen Drewermann und Hans Küng haben eine kritische Bilanz des Papst-Besuchs in Bayern gezogen. Drewermann sieht in der bisherigen Amtszeit von Benedikt XVI. keine Hinweise auf eine Wende im Denken gegenüber früher. Auch während der Visite in Bayern habe sich gezeigt, dass der ehemalige Kurienkardinal Joseph Ratzinger sich in keinem Punkt geändert habe, sagte Drewermann am Mittwoch dem Südwestrundfunk (SWR). In Fragen der Wiederverheiratung von Geschiedenen oder der Homosexualität denke der Papst offensichtlich genau so wie früher.
Nach Auffassung des Tübinger Theologen Hans Küng hat der Pontifex keine der Hoffnungen reformorientierter Katholiken erfüllt. Persönlich habe er sympathisch und den Gläubigen nahe gewirkt - «kein Medienpapst mit Schauspielertalent, der um Beifall heischt». Vielmehr sei Joseph Ratzinger jemand, der sich auf die zentrale Wahrheit des Christentums, den Glauben an Gott, konzentriert. Doch habe er jegliche Offenheit für Reformen in der
Kirche vermissen lassen.
Zur Diskussion um den Vortrag des Papstes mit umstrittenen Äußerungen zum Dschihad im Islam meinte Küng: «Diese Äußerungen werden wohl von vielen Muslimen nicht positiv aufgenommen werden und bedürfen dringend der Differenzierung.»
Drewermann kristisierte: «Das ist dieser Papst, der dafür gesorgt hat, dass in der letzten Weltbevölkerungskonferenz über eine mögliche Planung weltweiter Geburtenkontrolle - im Verein mit Ajatollahs - auf lange Zeit hin die Chance vertan wurde.« Benedikt XVI. habe auch keine wirklichen Brücken zu den protestantischen und reformatorischen Kirchen gebaut. «An all diesen Stellen haben wir die Immobilität der katholischen Kirche verkörpert in diesem Mann.»
Positiv berührt zeigte sich Drewermann lediglich davon, dass Benedikt «die Macht nicht derart genießen kann wie manche seiner Vorgänger». Aber der heutige persönliche Stil des Papstes ändere nichts daran, dass der Unfehlbarkeitsanspruch des höchsten katholischen Kirchenamtes bestehen bleibe. (nz)