31.03.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Touristen vor Ratzingers Geburtshaus in Marktl
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Das Geburtshaus von Papst Benedikt XVI. ist in den Besitz der katholischen Kirche übergegangen. Verkauft wurde auch das Geburtshaus von Papst Johannes Paul II. - offen ist allerdings, an wen.
Das Geburtshaus von Papst Johannes Paul II. im südpolnischen Wadowice ist unmittelbar vor dem ersten Todestag von Karol Wojtyla verkauft worden. Der Käufer und weitere Einzelheiten der Transaktion sollen voraussichtlich am Montag bekannt gegeben werden, sagte der Anwalt des bisherigen Eigentümers am Freitag der polnischen Nachrichtenagentur PAP. Nicht ausgeschlossen ist, dass der neue Besitzer das Gebäude der Krakauer Kirchenverwaltung überlässt oder zur Verfügung stellt. «Das ist eine der Optionen», so der Anwalt.
Der in New York lebende bisherige Hauseigentümer Ron Balamuth hatte stets betont, das seit 22 Jahren bestehende Johannes Paul II. gewidmete Museum solle seinen Platz in dem Gebäude behalten. Ein Raum soll den Opfer des Holocaust in der südpolnischen Stadt gewidmet werden.
Der ursprüngliche Hauseigentümer Yechiel Balamuth und die meisten Mitglieder der polnisch-jüdischen Familie waren während des Zweiten Weltkrieges von den Nationalsozialisten ermordet worden. Balamuths Enkel Ron hatte die Eigentumsrechte an dem Haus beantragt, nachdem Johannes Paul II. während seines letzten Besuchs in Wadowice im Jahr 1999 öffentlich an das Schicksal der Balamuths und der polnischen Juden erinnert hatte. Ende 2005 gab Balamuth überraschend bekannt, das Haus verkaufen zu wollen.
Flucht vor PilgeransturmVerkauft worden ist auch das Geburtshaus des amtierenden Papstes Benedikt XVI. im oberbayerischen Marktl am Inn. Wie die Bistümer München und Passau am Freitag mitteilten, ist die von allen bayerischen Bistümern unterstützte «Stiftung Geburtshaus Papst Benedikt XVI.» nun Besitzerin des Hauses, das die bisherige Eigentümerin Claudia Dandl vergangenen Dezember wegen des Ansturms von Pilgern verkauft hatte.
«Zurzeit wird an einem Konzept für die künftige Nutzung des Geburtshauses gearbeitet», teilten die Bistümer mit. Das 260 Jahre alte denkmalgeschützte Haus soll in ein Museum umgewandelt werden und den persönlichen und geistigen Lebensweg des als Joseph Ratzinger geborenen Papstes nachzeichnen. «Ein Termin für die Öffnung des Hauses ist derzeit noch nicht absehbar», erklärten die neuen Eigentümer.
Mehr als 400 BieterÜber den Preis für das Haus im Zentrum von Marktl hatten die Vertragsparteien im Dezember Stillschweigen vereinbart. Ratzinger war am 16. April 1927 in der heute rund 2700 Einwohner zählenden Gemeinde geboren verbrachte dort seine ersten beiden Lebensjahre.
Nach seiner Wahl zum Papst besuchten beinahe täglich mehrere Hundert Pilger die Gemeinde Marktl nahe dem Wallfahrtsort Altötting. Weil für die Eigentümerin und ihre Kinder ein normales Privatleben in dem Haus nicht mehr möglich schien, entschloss sie sich zum Verkauf. Mehr als 400 Bieter interessierten sich für das weiß-gelbe Haus mit den grünen Fensterläden. (nz)