netzeitung.deDer Papst fordert: Mehr Liebe, weniger Politik

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Papst Benedikt XVI (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Papst Benedikt XVI
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Benedikt XVI. mahnt die Gläubigen: Der Kampf um eine gerechte Gesellschaft sei Sache der Laien und nicht der Kirche. Nun ist seine Enzyklika veröffentlicht. Die Reaktionen sind überwiegend positiv.

Papst Benedikt XVI. hat in seiner ersten Enzyklika die zentrale Rolle der Liebe im Christentum betont und dafür überwiegend positive Reaktionen aus der katholischen Kirche erhalten. So bezeichnete der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, die Enzyklika als positiven Beitrag für die Ökumene. Der Münchner Kardinal Friedrich Wetter erklärte, in seiner ersten Lehrschrift gebe Benedikt Orientierung für das Leben in Ehe und Familie sowie im Staat und im sozialen Umfeld.

«Die Kirche kann nicht und darf nicht den politischen Kampf an sich reißen, um die möglichst gerechte Gesellschaft zu verwirklichen. Sie kann und darf nicht sich an die Stelle des Staates setzen», betont der Papst in dem Lehrschreiben, das er neun Monate nach seinem Amtsantritt vorgelegt hat und das - in Tradition zu früheren Päpsten - als Richtung weisend für sein Pontifikat gilt. Die gerechte Ordnung zu schaffen, sei «zentraler Auftrag der Politik».

Die Kirche habe die mittelbare Aufgabe, «zur Reinigung der Vernunft und zur Weckung der sittlichen Kräfte beizutragen». Die unmittelbare Aufgabe, für eine gerechte Ordnung in der Gesellschaft zu wirken, komme dagegen eigens den Laien als Staatsbürgern zu.

Eindringlich betont Joseph Ratzinger in dem am Mittwoch in Rom veröffentlichten Dokument «Deus Caritas est» (Gott ist Liebe) die Verpflichtung der Gläubigen und der Kirche zur tätigen Hilfe für Arme und Not leidende. Zugleich erteilt er aber einer Instrumentalisierung christlicher Sozialarbeit für Ideologien oder Parteien eine deutliche Absage. In ersten Reaktionen lobten Caritas und Malteser Hilfsdienst die Enzyklika als Bestätigung und Anerkennung ihrer Arbeit.

Im ersten Teil der Enzyklika setzt sich das katholische Kirchenoberhaupt mit dem oft auf das Sexuelle reduzierten Liebesverständnis auseinander. Dieser Auffassung stellt er die umfassenderen Dimensionen des christlichen Liebesbegriffs gegenüber. Die Liebe zwischen Mann und Frau dürfe nicht zum bloßen Sex degradiert werden. Dadurch werde die Liebe und der Mensch zur Ware, kritisiert der Papst und nennt die Ehe als gebotene Lebensform von Mann und Frau: Dem monotheistischen christlichen Gottesbild «entspricht die monogame Ehe.»

«Philosophie der Unmenschlichkeit»
Die Liebe verbinde Gott mit den Menschen sowie die Menschen untereinander. Dies sei besonders aktuell in einer Welt, in der mitunter im Namen Gottes zu Hass und Gewalt aufgerufen werde, heißt es mit Blick auf den Terrorismus.

Den Vorwurf, Hilfe für Not leidende Menschen würde am Ende nur sozial ungerechte Verhältnisse stabilisieren, weist der Papst scharf zurück. Solche denunzierende Kritik sei in Wirklichkeit «eine Philosophie der Unmenschlichkeit». «Der jetzt lebende Mensch wird dem Moloch Zukunft geopfert, einer Zukunft, deren wirkliches Heraufkommen zumindest zweifelhaft bleibt.»

Positive Reaktionen
Nicht nur Kardinal Karl Lehmann und Kardinal Friedrich Wetter lobten das Schreiben. Das Ökumene-Institut der evangelischen Kirche bewertete die Enzyklika als Appell zur Weiterführung der katholischen Soziallehre. Das Dokument mache deutlich, dass eine Regierung niemals alleine eine gerechte Ordnung schaffen könne, sagte Martin Schuck vom Konfessionskundlichen Institut der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) im südhessischen Bensheim.

Der Präsident des Deutschen Caritas-Verbandes, Peter Neher, sprach von einer hohen Wertschätzung für die Arbeit der Hilfsorganisation: «Es ist eine besondere Würdigung des Dienstes am Nächsten und aller, die sich dafür einsetzen, dass sich Papst Benedikt XVI. in seiner ersten Enzyklika mit dem sozialen Engagement der katholischen Kirche und ihrer Caritas beschäftigt», sagte Neher in Berlin. «Benedikt XVI. zeigt, wie wichtig die Liebe für das Leben aller Menschen ist. Persönlich, theologisch, aber auch im sozialen Miteinander», kommentierte Johannes Freiherr Heereman, Geschäftsführender Präsident des Malteser Hilfsdienstes, die erste Enzyklika des deutschen Papstes.

Auch die katholische Reformbewegung «Wir sind Kirche» reagierte positiv auf das Vatikan-Papier. Wenn es mit diesem Rundschreiben gelingen würde, den Weg zu einer positiveren Einstellung zur menschlichen Sexualität zu öffnen, wäre dies ein zukunftsweisender Schritt für die römisch-katholische Kirche, erklärte die Initiative in München.

Enzykliken sind verbindliche päpstliche Lehrschreiben, die sich an die gesamte katholische Kirche richten. Sie gelten aber nicht als «unfehlbar». Benedikt unterzeichnete das von ihm selbst verfasste Schreiben offiziell am 25. Dezember. (nz)