netzeitung.deHeiliges Mikro und Papa-Mobile: Das Geschäft mit Benedikt XVI.

 Herausgeber: netzeitung.de

Helmut Brossmann bringt den "Papst-Golf"-Nachbau zum Glänzen (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Helmut Brossmann bringt den "Papst-Golf"-Nachbau zum Glänzen
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Der Papst-Golf war nur der Anfang. Inzwischen werden im Internet über 600 Artikel angeboten mit mehr oder weniger engem Bezug zu Benedikt XVI. - bis hin zu einem angebrannten Stück Fleisch.

Von Paul Winterer, dpa

Knapp zwei Monate ist der Deutsche Joseph Ratzinger jetzt schon Papst Benedikt XVI. Die Wahl des bayerischen Gendarmensohnes auf den Stuhl Petri löste von Flensburg bis Passau auch unter Nichtkatholiken ein bisher nicht gekanntes Papst-Fieber aus, das seltsame Blüten treibt. Jene Orte, in denen der Theologe vor seinem Weggang nach Rom aufwuchs und lebte, buhlen um die größte Aufmerksamkeit. Und im Internet ist ein regelrechter Ramschhandel ausgebrochen. Auf dem elekronischen Marktplatz wird alles rund um Benedikt XVI. angeboten, was sich einigermaßen erfolgverprechend verkaufen lässt.

Der VW Golf des einstigen Kurienkardinals Ratzinger machte den Anfang. Geschäftstüchtig bot der Zivildienstleistende Benjamin Halbe aus Olpe seinen eben erst von einem Gebrauchtwagenhändler erstandenen mönchsgrauen Fünf-Türer samt Sportfelgen bei der Internetbörse eBay an. Am Ende ging der Volkswagen für fast 190.000 Euro an ein Online-Casino in den USA. Wenn für ein Auto, das der neue Papst mangels Führerschein nicht einmal selbst steuerte, so viel Geld zu holen ist, muss es einen Markt für Ratzinger-Fan-Artikel geben, dachten sich daraufhin viele.

Auch für Regensburg ein «Papa-Mobil»
Es folgte ein Zweitexemplar des «Papst-Golfes» in identischer Ausstattung, das sich ein Geschäftsmann aus der Nähe Regensburgs vom VW-Konzern dieser Tage liefern ließ. Schließlich soll auch am Wohnort des älteren Bruders Benedikts XVI., Georg Ratzinger, ein «Papa-Mobil» seine werbewirksamen Runden drehen. Die große «Einführungs-Party» für den «Zwilling» ist im Juli geplant.

Unwahrscheinlich ist allerdings, dass der von Eigentümer Helmut Brossmann eingeladene 81-jährige Georg Ratzinger zu dem Fest kommt. «Mein Bruder hat nur noch den Kopf geschüttelt», gibt der langjährige Leiter der Regensburger Domspatzen die Reaktion des Papstes wieder, als dieser von dem Auto-Rummel erfuhr.

Mehr als 600 Benedikt-Artikel im Internet
Für 930.000 Euro ist ebenfalls über eBay jenes Haus in Bonn zu haben, in dem der noch junge Theologieprofessor Joseph Ratzinger von 1959 bis 1963 lebte. Damit niemand an der Glaubwürdigkeit der Offerte zweifeln muss, wird der seinerzeitige Telefonbucheintrag Ratzingers mit der Adresse «Wurzerstraße 11» und ein Personalbogen-Auszug der Universität mit der Angabe «ledig» dazugestellt.

Weit über 600 Benedikt-Artikel sind auf dem elektronischen Marktplatz zu haben. Das reicht von Briefmarken und Münzen über Rosenkränze und T-Shirts bis hin zu den skurrilsten «Fan-Artikeln». Ein Geschäftemacher bietet allen Ernstes ein verbrutzeltes Stück Fleisch zur Fernseh-Versteigerung an, auf dem seine Mutter das Papst-Antlitz erkannt haben will. In einem Internetforum fragt ein Interessent an, ob es das Schnitzel nicht auch aus Schaffleisch gebe, «da ich so ungern Rind esse». Zum Papst-Schnitzel werden mittlerweile auch Ketchup und Toastbrot angeboten.

Ein «geheiligtes» Mikrofon
Ein anderer «Händler» will ein Mikrofon loswerden, das Ratzinger angeblich mehrmals bei Predigten benutzte. «Er hat es mit seinen heiligen Lippen berührt», preist der Mann das gute Stück («voll funktionsfähig») an und fügt hinzu: «Noch heute vermag ich Spuren seines Speichels auf der Oberfläche zu erkennen.» Bisher hält sich das Interesse an dem Mikrofon jedoch in Grenzen. Kaum jemand will Geld für das «geheiligte» Gerät ausgeben.

Da sind Benedikt-Torte und Vatikanbrot beim Bäcker im bayerischen Papst-Geburtsort Marktl dagegen pietätvolle Angebote. Das kleine Dorf mit seinem rührigen Bürgermeister Hubert Gschwendtner hatte am 19. April, dem Tag der aus deutscher Sicht so sensationellen Papstwahl, blitzschnell reagiert und auf dem Marktplatz ein Fest organisiert. Ausgeschenkt wurde Papst-Bier, das freilich auch kein anderes Gebräu als das von der nächstgelegenen Brauerei schon zuvor angebotene Bier ist. Mittlerweile tragen die Flaschen immerhin ein Etikett mit dem Konterfei des Pontifex darauf.