Heiliges Mikro und Papa-Mobile: Das Geschäft mit Benedikt XVI.
10.06.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Knapp zwei Monate ist der Deutsche Joseph Ratzinger jetzt schon Papst Benedikt XVI. Die Wahl des bayerischen Gendarmensohnes auf den Stuhl Petri löste von Flensburg bis Passau auch unter Nichtkatholiken ein bisher nicht gekanntes Papst-Fieber aus, das seltsame Blüten treibt. Jene Orte, in denen der Theologe vor seinem Weggang nach Rom aufwuchs und lebte, buhlen um die größte Aufmerksamkeit. Und im Internet ist ein regelrechter Ramschhandel ausgebrochen. Auf dem elekronischen Marktplatz wird alles rund um Benedikt XVI. angeboten, was sich einigermaßen erfolgverprechend verkaufen lässt.
Unwahrscheinlich ist allerdings, dass der von Eigentümer Helmut Brossmann eingeladene 81-jährige Georg Ratzinger zu dem Fest kommt. «Mein Bruder hat nur noch den Kopf geschüttelt», gibt der langjährige Leiter der Regensburger Domspatzen die Reaktion des Papstes wieder, als dieser von dem Auto-Rummel erfuhr.
Weit über 600 Benedikt-Artikel sind auf dem elektronischen Marktplatz zu haben. Das reicht von Briefmarken und Münzen über Rosenkränze und T-Shirts bis hin zu den skurrilsten «Fan-Artikeln». Ein Geschäftemacher bietet allen Ernstes ein verbrutzeltes Stück Fleisch zur Fernseh-Versteigerung an, auf dem seine Mutter das Papst-Antlitz erkannt haben will. In einem Internetforum fragt ein Interessent an, ob es das Schnitzel nicht auch aus Schaffleisch gebe, «da ich so ungern Rind esse». Zum Papst-Schnitzel werden mittlerweile auch Ketchup und Toastbrot angeboten.
Da sind Benedikt-Torte und Vatikanbrot beim Bäcker im bayerischen Papst-Geburtsort Marktl dagegen pietätvolle Angebote. Das kleine Dorf mit seinem rührigen Bürgermeister Hubert Gschwendtner hatte am 19. April, dem Tag der aus deutscher Sicht so sensationellen Papstwahl, blitzschnell reagiert und auf dem Marktplatz ein Fest organisiert. Ausgeschenkt wurde Papst-Bier, das freilich auch kein anderes Gebräu als das von der nächstgelegenen Brauerei schon zuvor angebotene Bier ist. Mittlerweile tragen die Flaschen immerhin ein Etikett mit dem Konterfei des Pontifex darauf.

