09.06.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Papst Benedikt XVI.
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Mit seinem «Mea Culpa» hatte Papst Johannes Paul II. einen spektakulären Schritt zur Versöhnung getan. Sein Nachfolger Benedikt XVI. empfing nun erstmals in seinem Pontifikat jüdische Glaubensvertreter.
Papst Benedikt XVI. hat zur Fortsetzung des Dialogs und der Versöhnung zwischen Christen und Juden aufgerufen. Bereits sein Vorgänger Johannes Paul II. habe wichtige Schritte in diese Richtung unternommen, sagte der Papst bei einem ersten offiziellen Treffen mit jüdischen Glaubensvertretern am Donnerstag im Vatikan. «Es ist meine Absicht, diesen Weg fortzusetzen», betonte Joseph Ratzinger. An dem Treffen nahmen der Vorsitzende des Jüdischen Weltkongresses (WJC), Israel Singer, sowie dessen Präsident Edgar Bronfman teil.
«Die Geschichte der Beziehungen unserer beiden (Glaubens)Gemeinschaften ist vielschichtig und oftmals schmerzlich gewesen», fügte der 78-jährige deutsche Papst hinzu. Aus der Vergangenheit ergebe sich für Christen und Juden eine moralische Verpflichtung, für «Gerechtigkeit, Respekt vor der menschlichen Würde sowie für Frieden» einzutreten. Dies umfasse auch ein Nachdenken über die tieferen historischen, moralischen und theologischen Fragen, die mit der Shoah (Judenvernichtung) zusammenhängen.
Gemeinsames religiöses ErbeAusdrücklich erinnerte Ratzinger an das Zweite Vatikanischen Konzil, das vor 40 Jahren Antisemitismus und Judenverfolgungen verurteilte, das gemeinsame religiöse Erbe von Juden und Christen betonte und damit die Grundlagen der Annäherung legte. «Gleich zu Beginn meines Pontifikats möchte ich klarstellen, dass die Kirche dem weiterhin streng verpflichtet bleibt.»
Papst Johannes Paul II. hatte in einem spektakulären «Mea Culpa» im Jahr 2000 um Vergebung für Verfehlungen der Kirche gebeten und dabei ausdrücklich auch die Judenverfolgungen genannt. Im selben Jahr betete er an der Klagemauer in Jerusalem. Bereits 1998 hatte der Vatikan in einem offiziellen Dokument «Nachdenken über die Shoah» Mitschuld von Christen am Holocaust eingeräumt. Kritiker monieren dagegen vor allem die Pläne des Vatikans, Papst Pius XII. selig sprechen zu wollen. Ihm wird immer wieder vorgehalten, er habe zur Judenvernichtung der Nazis geschwiegen. (nz)