netzeitung.deRatzinger bleibt sich treu - auch als Benedikt

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Benedikt XVI. (l.) bei seiner Amtseinführung (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Benedikt XVI. (l.) bei seiner Amtseinführung
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Groß war die Euphorie: Joseph Ratzinger könnte als Benedikt XVI. weicher und kompromissbereiter werden. Doch mit seinen Aussagen zur Homo-Ehe hat der Papst Hoffnungen enttäuscht - und Kritiker bestätigt.

Von Peer Meinert, dpa

Keine zwei Monate sind seit der Papstwahl vergangen. Selbst einstige Kritiker des Deutschen schienen mit Papst Benedikt XVI. versöhnt, kritische Töne gegen den Konservativen aus Bayern waren so gut wie tabu. «Wir sind Papst», beschrieb die «Bild»-Zeitung die Euphorie der ersten Stunde. Jetzt hat der neue Mann im Vatikan seinem Glaubensvolk und der Welt offensichtlich signalisiert, dass er auch auf dem Stuhl Petri der bleiben dürfte, der er immer war: Joseph Ratzinger, streng, konservativ und kompromisslos. Nur: Mit einem «neuen Ratzinger» hatten Vatikan-Insider niemals wirklich gerechnet.

«Das war die erste Attacke als Papst», meint ein deutscher Theologe in Rom. Ausgewählt hat sich Ratzinger in seiner kurzen Auslassung vor römischen Geistlichen eines seiner «Lieblingsthemen»: die Schwulen-Ehe, «offene Beziehungen» und «Ehen auf Probe» - also alles in allem Lebensformen, wie sie in vielen großen Städten der Welt seit Jahrzehnten gang und gebe sind, wie sie von Millionen Menschen gelebt werden.

Mehr Professor als Seelsorger
Mit diesen Thema hatte sich Ratzinger schon als Präfekt der Glaubenskongregation mehrfach beschäftigt. Und wie bei seinen Einlassungen in der Vergangenheit war es auch diesmal: Ratzinger betritt bei seinen Aussagen keinesfalls kirchliches Neuland, im Kern bewegt er sich auf dem gesicherten Terrain längst bekannter Standpunkte. Nur der Ton ist auffallend kühl - eher belehrend wie die Rede des Professors als behutsam wie die Rede eines Seelsorgers. «Beleidigende Hasspredigten gegen Homosexuelle», meint ein Sprecher der Grünen in Berlin. Das «alte Feindbild» scheint wieder auferstanden.

Seit längerem sind sich Vatikanexperten einig, dass Ratzinger den großen Reformhoffnungen vieler Gläubigen mit großer Kühle begegnen wird. Nach der Papstwahl am 19. April meinten manche, der harte Deutsche werde sich wandeln, werde weicher und einfühlsamer werden als Papst, kompromissbereiter und offener. «Wer ernsthaft meint, beim Thema Zölibat, Frauenpriester oder Empfängnisverhütung könne sich etwas bewegen, der irrt», halten heute Vatikanexperten den überzogenen Hoffnungen des ersten Überschwangs entgegen.

Angeblich hatten flinke Kommentatoren schon in Erfahrung gebracht, dass Papst Ratzinger Geschiedenen und Wiederverheirateten den Zugang zum Abendmahl (Eucharistie) ermöglichen wolle - eines der brennendsten Themen in der Kirche. «Eher wird Ratzinger hier noch verschärfen», kommentierte unlängst ein Insider im Kirchenstaat. «Joseph Ratzinger ist kein Mann, der seine Positionen aufgibt», heißt es in seiner Umgebung. «Auch nicht, wenn er Benedikt heißt.»