Ratzinger bleibt sich treu - auch als Benedikt
08.06.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Keine zwei Monate sind seit der Papstwahl vergangen. Selbst einstige Kritiker des Deutschen schienen mit Papst Benedikt XVI. versöhnt, kritische Töne gegen den Konservativen aus Bayern waren so gut wie tabu. «Wir sind Papst», beschrieb die «Bild»-Zeitung die Euphorie der ersten Stunde. Jetzt hat der neue Mann im Vatikan seinem Glaubensvolk und der Welt offensichtlich signalisiert, dass er auch auf dem Stuhl Petri der bleiben dürfte, der er immer war: Joseph Ratzinger, streng, konservativ und kompromisslos. Nur: Mit einem «neuen Ratzinger» hatten Vatikan-Insider niemals wirklich gerechnet.
Seit längerem sind sich Vatikanexperten einig, dass Ratzinger den großen Reformhoffnungen vieler Gläubigen mit großer Kühle begegnen wird. Nach der Papstwahl am 19. April meinten manche, der harte Deutsche werde sich wandeln, werde weicher und einfühlsamer werden als Papst, kompromissbereiter und offener. «Wer ernsthaft meint, beim Thema Zölibat, Frauenpriester oder Empfängnisverhütung könne sich etwas bewegen, der irrt», halten heute Vatikanexperten den überzogenen Hoffnungen des ersten Überschwangs entgegen.
Angeblich hatten flinke Kommentatoren schon in Erfahrung gebracht, dass Papst Ratzinger Geschiedenen und Wiederverheirateten den Zugang zum Abendmahl (Eucharistie) ermöglichen wolle - eines der brennendsten Themen in der Kirche. «Eher wird Ratzinger hier noch verschärfen», kommentierte unlängst ein Insider im Kirchenstaat. «Joseph Ratzinger ist kein Mann, der seine Positionen aufgibt», heißt es in seiner Umgebung. «Auch nicht, wenn er Benedikt heißt.»

