19. Apr 2005 23:03
Ratzingers Mitgliedschaft bei der Hitlerjugend stößt in Israel auf Kritik, wenngleich auf gemäßigte.
In Israel ist die Nachricht von der Wahl Joseph Ratzingers zum Papst auf gemischte Reaktionen gestoßen. Die Tatsache, dass der 78-Jährige als Jugendlicher Mitglied der Hitlerjugend war, weckt bei einigen Israelis Misstrauen. Die israelische Regierung verpackte in ihre höfliche Stellungnahme zu Ratzingers Wahl denn auch einen Seitenhieb: Israel sei «sicher, dass dieser neue Papst angesichts seines Hintergrunds genau wie sein Vorgänger eine starke Stimme gegen den Antisemitismus in all seinen Erscheinungsformen sein wird». Andere israelische Kommentatoren wiesen indes daraufhin, dass der neue Papst zur Zeit des Nationalsozialismus sehr jung war: Ratzinger ist Jahrgang 1927, zum Ende des Zweiten Weltkriegs war er also gerade 18. «Der Maßstab ist der erwachsene Ratzinger, nicht das Kind», sagte Rabbi David Rosen. «Als Erwachsener hat er großes Verständnis für unsere Sorgen gezeigt.»
Die englischsprachige Zeitung «Jerusalem Post» veröffentlichte am Dienstagabend einen Leitartikel unter der Überschrift: «Ratzinger ein Nazi? Glauben Sie es nicht!». Ratzinger habe das von Papst Johannes Paul II. im Jahr 2000 abgelegte Schuldbekenntnis der katholischen Kirche vorbereitet, betonte das Blatt. In diesem Bekenntnis ging es unter anderem um die Verfehlungen der Kirche bei der Judenverfolgung während des Zweiten Weltkriegs.
Der israelische Außenminister Silwan Schalom zählt im Kamf gegen Antisemitismus auf Papst Benedikt XVI. «Israel ist hoffnungsvoll, dass wir während der Amtszeit des neuen Papstes in den Beziehungen zwischen dem Vatikan und Israel weiter vorankommen, und vor dem Hintergrund des neuen Papstes bin ich sicher, dass er wie sein Vorgänger eine mächtige Stimme gegen alle Formen des
Antisemitismus ist», teilte Schalom am Dienstag mit. (nz)