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Oberstadt und Unterstadt streiten wieder
15. Feb 2001 17:01, ergänzt 16. Feb 2001 08:39

Die Retrospektive mit Filmen von Fritz-Langauf der Berlinale hat ihren Höhepunkt: die Uraufführung einer restaurierten Fassung des Stummfilmklassikers «Metropolis».
 
BERLIN. Auch die neu rekonstruierte Fassung des Stummfilmklassikers «Metropolis» (1927) erreicht nicht die urspüngliche Länge von 153 Minuten. Ein Viertel des Films ist wohl unwiederbringlich verloren gegangen.

Dennoch ist die Wiederaufführung im Rahmen der Retrospektive mit Filmen des deutschen Regisseurs Fritz Lang (1890 - 1976) einer der Höhepunkte der diesjährigen Berlinale. Eigens für die Galaaufführung im Berlinale-Palast am Donnerstagabend wurde das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin unter der Leitung von Frank Strobel engagiert, das die neu komponierte Filmmusik des 36-jährigen Komponisten Bernd Schultheis aufführt.

Kapitalisten aus der «Oberstadt»

Mit «Metropolis», einem der populärsten deutschen Stummfilme nach dem Drehbuch von Thea von Harbou wurde Fritz Lang weltweit bekannt. Der Titel des Films ist gleichzeitig der Name der zweigeteilten Zukunftsstadt Metropolis. Dort leben die reichen Fabrikbesitzer in der «Oberstadt», während die unterdrückten Arbeiter unter der Erde schuften.

Vor diesem Hintergrund verlieben sich der Sohn des Fabrikchefs und die in der «Unterstadt» verehrte Maria ineinander. Nach dem Aufstand der Arbeiter gelingt es den beiden Liebenden, Kapitalisten und Proletariat miteinander zu versöhnen.

Die bis zur Machtergreifung Hitlers 1933 teuerste deutsche Filmproduktion, die den Ufa-Konzern in finanzielle Schwierigkeiten brachte, beeindruckte durch imposante Bauten und für damalige Verhältnisse hochmoderne Film-Tricktechnik.

Ein Viertel weggeschnitten

Die Originalfassung von «Metropolis», der am 10. Januar 1927 im Berliner Ufa-Palast am Zoo uraufgeführt wurde, existierte allerdings nur kurze Zeit. Der Film wurde von der Produktionsfirma Ufa zurückgezogen und um etwa ein Viertel seiner ursprünglichen Länge gekürzt. Seitdem bemühen sich Filmhistoriker und Cineasten, die fehlenden Szenen aus allen verfügbaren Fassungen in der Welt zusammenzutragen, um der Originalversion so nahe wie möglich zu kommen.

In München entstand 1986/87 durch die Recherchearbeit von Enno Patalas vom Filmmuseum eine neue, sehr weit rekonstruierte Kopie. Die jetzt in Berlin vorgestellte Fassung enthält zusätzlich Szenen, die direkt aus Filmkopien der ersten Generation kopiert wurden.

Zudem wurden die Bilder digital bearbeitet. Damit sei eine fotografische Qualität erreicht worden, die der Premierenkopie sehr nahe kommt, erklärten das Bundesarchiv und die Friedrich-Murnau-Stiftung. (dpa)


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