netzeitung.deSchröder: Es geht um Erinnerung und Zukunft

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Bundeskanzler Schröder, russischer Weltkriegs-Veteran (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Bundeskanzler Schröder, russischer Weltkriegs-Veteran
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Auf einem Soldatenfriedhof in Moskau hat Bundeskanzler Schröder einen Kranz für tote deutsche Soldaten niedergelegt. Er sagte, die Einladung an ihn zu den Gedenkfeiern in Russland empfinde er als Auftrag.

Bei den Gedenkfeiern zum 60. Jahrestag des Kriegsendes am Montag in Moskau hat Bundeskanzler Gerhard Schröder einen Kranz für tote deutsche Soldaten niedergelegt. Zusammen mit seiner Frau Doris besuchte Schröder den Soldatenfriedhof Ljublino im Südosten der russischen Hauptstadt. Danach will der Kanzler mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin sprechen.

Er verstehe Putins Einladung zu den Feiern nach Moskau als Auftrag, sagte Schröder der ARD. «Es geht um Erinnerung, um nicht zu vergessen, aber es geht vor allen Dingen um Zukunft, und zwar eine Zukunft, die Russland und Europa, Russland und Deutschland nahe zusammen bringen», betonte der Kanzler. Deutschland habe den Krieg begonnen und großes Leid über das russische Volk gebracht, deshalb habe er sich dafür entschuldigt.

Schröder hatte am Morgen als erster Bundeskanzler an der russischen Militärparade zum Tag des Sieges am 9. Mai teilgenommen. Als Zeichen der Versöhnung waren bei dem Treffen mit Putin erstmals auch Kriegsveteranen beider Seiten zugegen.

Angesichts der unermesslichen sowjetischen Kriegsverluste sei es «fast ein Wunder, dass wir jetzt hier zusammensitzen», sagte Schröder. «Die moralische Versöhnung geht von der Seele der Völker aus», fügte Putin hinzu. Dieser Geist müsse erhalten bleiben. «Heute stehen sich Russland und Deutschland so nahe wie noch nie in ihrer Geschichte.»

Parade auf dem Roten Platz
Im Zeichen der Versöhnung hat Russland am Montag mit früheren Verbündeten und Gegnern den 60. Jahrestag des Kriegsendes in Europa gefeiert. Bei einer prunkvollen Militärparade auf dem Roten Platz vor mehr als 50 Staats- und Regierungschefs nannte Präsident Wladimir Putin die Aussöhnung mit dem früheren Kriegsgegner Deutschland seit 1945 ein historisches Ereignis.

Schröder hatte die Parade von 2500 Kriegsveteranen und 7000 Soldaten mit US-Präsident George W. Bush und dem französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac in der ersten Reihe verfolgt.
«Ein leuchtendes Beispiel»
Die Lehre des Zweiten Weltkriegs sei es, eine Weltordnung von Sicherheit und Gerechtigkeit zu bauen, sagte Putin bei seiner Ansprache. «Ein leuchtendes Beispiel dieser Politik ist die historische Versöhnung zwischen Russland und Deutschland», betonte er.

Putin gedachte der zahllosen Kriegsopfer und der Heldentaten bei der Niederschlagung des Faschismus. «Deshalb sollten wir heute angesichts der Bedrohung durch den Terrorismus dem Gedächtnis unserer Väter treu bleiben», sagte er.

Nach der Parade legten die Staatsgäste rote Nelken am Grab des Unbekannten Soldaten an der Kremlmauer nieder, bevor Putin zu einem Empfang einlud. Dabei dankte Putin allen, «die in den 1940er Jahren die Sowjetunion unterstützt haben, die den brutalen Hauptschlag des Krieges abwehrte». In Moskau galten angesichts befürchteter Terroranschläge auf die Feiern strengste Sicherheitsmaßnahmen.

Gespräche mit Bürgerrechtlern
Trotz der demonstrierten Einigkeit der Feiergäste gingen die Kontroversen der Vortage über die Rückschritte der russischen Demokratie und die Rolle der stalinistischen Sowjetunion im Nachkriegseuropa weiter.

Nach seinem Treffen mit Putin am Vorabend sprach Bush am Montag demonstrativ mit russischen Bürgerrechtlern. Dann wollte Bush zur letzten Station seiner Europareise nach Georgien weiterfliegen, das mit Russland im Streit liegt. Der polnische Präsident Aleksander Kwasniewski forderte Russland zu einer gemeinsamen Aufarbeitung der belasteten Geschichte auf.

Bilaterale Beratungen
Die Politiker aus aller Welt nutzten ihren Besuch in Moskau zu bilateralen Beratungen. UN-Generalsekretär Kofi Annan sprach mit den anderen Mitgliedern des Nahost-Vermittlerquartetts USA, Russland und Europäische Union (EU). Putin vereinbarte mit dem chinesischen Präsidenten Hu Jintao, dass dieser im Juli erneut Moskau besuchen werde. Schröder traf mit seinem japanischen Kollegen Junichiro Koizumi zusammen. Am Dienstag wollen Russland und die EU bei einem Gipfeltreffen eine engere Zusammenarbeit vereinbaren.

Feiern und Paraden zum Kriegsende fanden auch in anderen Städten Russlands und der früheren Sowjetrepubliken statt. Der ukrainische Präsident Viktor Juschtschenko flog gleich nach der Moskauer Parade heim nach Kiew