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Schillers Schreibtisch in Buchenwald
05. Mai 2005 17:00

Der Zaun des ehemaligen KZs
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Foto: dpa
Die Nazis feierten den Weimarer Dichter als «das Deutscheste vom Deutschen». Seinen früheren Schreibtisch ließen sie nachbauen - im nahe gelegenen KZ Buchenwald.
 
Von Thomas Maier

Es ist eine absurd klingende, aber wahre Geschichte: Die Nazis lassen 1942 den klassizistischen Schreibtisch von Friedrich Schiller vorsorglich aus dessen früherem Wohnhaus in Weimar entfernen und ausgerechnet im sieben Kilometer entfernten Konzentrationslager Buchenwald nachbauen. Angesichts der Luftangriffe auf die deutschen Städte geht die Angst um, dass das Schiller-Haus in Schutt und Asche gelegt werden könnte. Dieses vergessene Kapitel der deutschen Geschichte hat Dieter Kühn in «Schiller Schreibtisch in Buchenwald» recherchiert. In einem der Beiträge zum Schiller-Jahr dokumentiert Kühn, wie der Dichter zum «Helden» der Nationalsozialisten wurde.

Die Kopie des rotbraunen Apfelholz-Schreibtisches, an dem Schiller seine Freiheitsepen verfasste, wird in Buchenwald getischlert - praktisch in unmittelbarer Nähe zur Latrine, zum Krematorium und zum Hinrichtungskeller des Konzentrationslagers. Kühns Nachforschungen über das Schicksal des Dichters Möbelstück und dessen Kopie lesen sich stellenweise so spannend wie ein Krimi. Kühn, mit seinen Büchern als literarischer Grenzgänger bekannt geworden, kontrastiert diese fast detektivische Recherche mit Schillers Lebensgeschichte. Er erzählt, wie der junge Militärarzt 1782 vor der Zensur in Stuttgart flieht und über Jena an seinen Schreibtisch in Weimar kommt.

«Das Deutscheste vom Deutschen»

Mehr in der Netzeitung:
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  • In Schillers Haus saß auch Goethe einst an dessen Schreibtisch. Dieser musste nach den Worten von Schillers Frau immer mit faulen Äpfeln gefüllt sein, da dieser Geruch dem stets kränkelnden Dichter wohl tue, schrieb Goethe 1827 an Eckermann. Für die Nazis sind Schillers große Helden-Epen zur Instrumentalisierung weit geeigneter als die Stücke von Goethe. Dieser gilt als «Fürstenknecht» und Egoist. Ganz folgerichtig werden die Möbel im Goethe-Haus während des Krieges auch nicht ausgetauscht.

    Der Idealist Schiller wird von den Nationalsozialisten als «großer Soldat» und als «das Deutscheste vom Deutschen» gefeiert, wie Kühn feststellt. Vor allem sein Reiterlied im «Wallenstein» hat es dem Regime angetan. Goebbels' Propaganda geht dabei geschickt vor: Schillers Drama «Maria Stuart», das vom Machtkampf der unglücklichen schottischen Königin mit ihrer englischen Rivalin Elisabeth handelt, wird vom Trauerspiel zur Kampftragödie umfunktioniert. Posthum wird damit die Schottin zur natürlichen Verbündeten Deutschlands gegen England.

    Nur «Wilhelm Tell» wurde verboten

    Friedrich Schiller
    Foto: lib.utexas.edu
    Schon schwieriger ist für die Nazis der Umgang mit «Wilhelm Tell». Tells Attentat auf den Tyrannen Geßler lösten bei Hitler unangenehme Assoziationen aus. Außerdem sollte die Schweiz ja auch «heim ins Reich» geholt werden. Das Drama handelt aber vom Freiheitskampf der Schweizer gegen das Reich (der Habsburger). Reichsleiter Martin Bormann ordnet deshalb im Juni 1942 an, dass der Führer wünsche, dass der «Tell» nicht mehr behandelt werde.

    Die Kopie von Schillers Schreibtisch wurde nach der Fertigstellung im Oktober 1943 ins Schiller-Haus gebracht - das Original wanderte bis Kriegsende in einen bombensicheren Keller. Heute ist der Tisch wieder an seinem angestammten Platz. Die in Buchenwald hergestellte Kopie steht unweit des KZ in einem Bau, der früher von der Reichs-Luftwaffe und dann von der Sowjetarmee genutzt wurde. (dpa)






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