netzeitung.deIn Norwegen spielt die Musik

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Mai-Jazz in Stavanger Screenshot: nz (Screenshot: nz<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Mai-Jazz in Stavanger Screenshot: nz
Screenshot: nz
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Norwegens Musikszene boomt. Ganz gleich ob Jazz, Klassik, Rock, Pop oder Elektro: Norwegische Musiker können in allen musikalischen Genres international mithalten. Und für Norwegenbesucher gibt es übers Land und Jahr verteilt interessante Festivals zu erleben.

Von Ulrika Koch

Wencke Myhrre war lange Zeit Norwegens bekanntester Exportschlager. Doch die Zeiten, in denen die Musik der Schlagerikone einziges Aushängeschild für Norwegens lebendige Musikszene war, sind längst vorbei. Mittlerweile mischen norwegische Bands wie Turbonegro, Kings of Convience und Röyksopp sowie Musiker wie Rebekka Bakken und Nils Petter Molvær international mit. Auch Künstler wie Jan Garbarek, Karin Krog und Terje Rypdal gehören nach wie vor in der Jazzwelt zur absoluten Elite. Die Gründe dafür, warum Norwegens Musikszene so lebendig ist, sind vielfältig.

Der Staat spielt mit
Da ist in erster Linie natürlich das Talent der einzelnen Künstler zu nennen – ohne das geht es nicht. Doch Begabung allein macht noch aus keinem Musiker einen Weltstar.

Vor allem der norwegische Staat fördert junge Nachwuchsmusiker – mit attraktiven Organisationsstrukturen und Ausbildungsmöglichkeiten im Bereich Musik. Ein neuer Studiengang für Rhythmik, der kürzlich an verschiedenen staatlichen Hochschulen und Universitäten eingeführt wurde, hat wesentlich zu der positiven Entwicklung beigetragen.

Besonders die Jazz-Programme an der norwegischen Universität für Wissenschaft und Technik in Trondheim haben die norwegische Jazz-Szene auf internationales Niveau gehoben. Dazu kommen gezielter Rhythmikunterricht in den norwegischen Oberschulen sowie ein breites Angebot an Schulbands und Amateurveranstaltungen. Das sorgt stetig für Nachwuchs in allen Musikszenen.

Bergen – Norwegens heimliche Musikhauptstadt
Als die norwegische Gruppe Rökysopp kürzlich in Barcelona den MTV-Music-Award entgegennahm, freute sich ganz besonders die heimische Musikszene in Bergen. Die beschauliche 230.000-Einwohner-Stadt an der Westküste Norwegens hat sich in den vergangenen Jahren zur heimlichen Musikhauptstadt des Landes gemausert.

Die Voraussetzungen dafür waren einfach ideal: Jeder zehnte Einwohner ist ein Student. Womit Bergen sowohl ein großes kreatives Potential beheimatet als auch ein kulturhungriges Publikum. Weil die Szene klein und überschaubar ist, haben sich fruchtbare Netzwerke gebildet. Die Tatsache dass Bergen weit ab von den großen Musikmetropolen dieser Welt liegt, lässt kurzlebige Trends an der Stadt vorbeiziehen.

Stattdessen hat sich hier eine junge Musikszene mit unabhängigen Plattenlabels entwickelt, deren Produktionen sich angenehm vom Mainstream abheben. Längst jetten norwegische DJs und Elektropopper durch die Welt, um in international angesagten Clubs und Konzerthallen aufzutreten. Kein Wunder, dass Talentscouts von Zeit zu Zeit im beschaulichen Bergen vorbeikommen, um Gruppen wie «Kings of Convience» zu entdecken und ganz groß rauszubringen.

Festivals von Süd bis Nord
Wichtige Plattform für norwegische Musik sind die beliebten und bekannten Festivals, die überall im Lande stattfinden. Das wohl berühmteste ist das Internationale Bergen-Festival, das inzwischen zum 54. Mal stattfindet, in diesem Jahr vom 28. Mai bis 5. Juni. Geboten werden musikalische Darbietungen aus- und inländischer Künstler, aber auch Theater, Literatur und Ausstellungen.

Das Nord-Norwegen-Festival vom 18. bis 25. Juni 2006 kombiniert die Mitternachtssonne und eine wunderschöne Landschaft mit Musik von lokalen, nationalen und internationalen Künstlern. Beim Internationalen Vestfold-Festival finden Konzerte über den ganzen Bezirk Vestfold verteilt statt.

Auch im Bereich Jazz ist Norwegens Festivalszene unschlagbar. Einen Besuch wert sind zum Beispiel das Kongsberg-Jazzfestival Anfang Juli, etwas später das Internationale Jazzfestival Molde sowie im August das Oslo-Jazzfestival.

Wer eher dem Rock zugetan ist, sollte das Quart-Festival in Kristiansand Anfang Juli oder im August das Øya-Festival nahe Oslo besuchen. Mehr Infos und weitere Festivals finden Sie unter www.visitnorway.com. (nz)