Netzeitung Logo
 
DruckenVersenden
 

Imageschaden durch Wassermangel: 

In Barcelona sprudelt kein Springbrunnen

07. Apr 2008 17:46
Duschen am Strand könnte diesen Sommer in Barcelona ausfallen
Bild vergrößern
Noch sind die privaten Haushalte nicht betroffen. Spanien leidet unter der größten Dürre seit Jahrzehnten. Die Feuerwehr stellt sich darauf ein, Waldbrände notfalls auch mit Meerwasser zu löschen.

Die Felder sind verdorrt, die Stauseen auf ein Minimum geschrumpft und die Flüsse teilweise ausgetrocknet. Im Nordosten Spaniens droht der Wassernotstand. Fünf Millionen Menschen im Großraum von Barcelona bangen um die Versorgung mit Trinkwasser. Die Stauseen in der Umgebung der zweitgrößten spanischen Stadt sind nur zu gut einem Fünftel mit Wasser gefüllt.

Wenn die Marke von 20 Prozent unterschritten wird, müssen die Behörden die erste Stufe des Wassernotstandes ausrufen und Einschränkungen für den Verbrauch verhängen. Davon werden in der ersten Phase die privaten Haushalte allerdings noch nicht betroffen sein. Schon jetzt sind in Barcelona die Springbrunnen abgestellt, die meisten Parkanlagen werden nicht mehr gegossen und die Straßen seltener gereinigt. Die Verschwendung von Trinkwasser ist unter Strafe gestellt. Wer seinen Swimmingpool füllt oder sein Auto wäscht, riskiert Geldbußen von bis zu 3000 Euro.

Das gibt es in keiner anderen Metropole

Spanien leidet unter der schlimmsten Dürre seit Jahrzehnten. Besonders kritisch ist die Lage in Katalonien im Nordosten, wo es seit anderthalb Jahren kaum geregnet hat. Wenn es in nächster Zeit keine ausgiebigen Niederschläge gibt, werden in Barcelona noch in diesem Monat Notstandsregelungen in Kraft treten.

Die Hoteliers befürchten, dass in der katalanischen Metropole und an der Costa Brava die Urlauber ausbleiben. «Wenn uns das Wasser abgestellt wird, können wir dem Tourismus adiós sagen», warnt der Präsident des Hotelbesitzerverbandes, Jordi Clos. «Damit wäre das Image von Barcelona ruiniert, denn so etwas gibt es in keiner anderen Metropole in Europa.»

Wasser kommt per Schiff und Bahn

Martí Sabrià vom Hotelierverband der Costa Brava ergänzt: «Eine Dusche am Strand verursacht noch keine Wasserknappheit. Es wäre inakzeptabel, wenn auch nur ein Hotel sich seinen Gästen im Sommer mit leerem Pool präsentieren müsste.» Damit stelle Spanien sich auf die Stufe eines Landes der Dritten Welt.

In einigen abgelegenen Dörfern Kataloniens versiegten bereits die Reservoirs. Dort versorgen Tankwagen die Bewohner mit Wasser. Die Feuerwehr stellt sich darauf ein, Waldbrände notfalls mit Wasser aus dem Mittelmeer zu löschen - trotz der schädlichen Konsequenzen, die das Meeressalz für die Böden hätte. Die Behörden treffen Vorbereitungen, per Schiff und Bahn Wasser nach Barcelona zu bringen. Damit kann jedoch nur ein Bruchteil des Bedarfs gedeckt werden.

Selbst die Atheisten beten

Weitergehende Maßnahmen scheiterten bislang daran, dass die Politiker sich heillos zerstritten. Die Regierung Kataloniens will Wasser aus dem Segre, einem Zufluss des Ebro, über den Fluss Llobregat nach Barcelona umleiten. Die spanische Zentralregierung untersagte dies jedoch. Nach ihrer Ansicht führt der Fluss nicht genügend Wasser. Zudem befürchtet Madrid Ärger mit den Anrainern des Segre und des Ebro.

Im «Krieg um das Wasser», wie die spanische Presse schreibt, stehen sich nicht nur Regierungen gegenüber, sondern auch Provinzen. Gerona und Lérida sträuben sich gegen eine Umleitung von Wasser aus ihren Flüssen nach Barcelona. «Wenn sie Wasser haben wollen, sollen sie es sich vom Mars holen», skandierten Teilnehmer einer Kundgebung. Der katalanische Umweltminister Francesc Baltasar bat angesichts der Not die Schutzheilige der Region, die Jungfrau von Montserrat, um Regen. Dabei ist der ökosozialistische Politiker nach eigenem Bekunden Atheist. (dpa)


 
Drucken
VersendenSocial Bookmark Mister Wong Yigg Google del.icio.us Oneview Webnews
 
Zu weiteren Bildergalerien
Zu weiteren Bildergalerien
Zum Wissenstest
Sie müssen JavaScript aktiviert und Flash 8 installiert haben, um diese Seite in vollem Umfang nutzen zu können.
Live Top 5
netzeitung.de auf Ihrer iGoogle-Seite
Aus anderen Ressorts
Zur Autogazette

Geschäftsführer: Josef Depenbrock & Robert Rischke | Chefredakteurin: Domenika Ahlrichs | Impressum | Datenschutz
NZ Netzeitung GmbH · Karl-Liebknecht-Str. 29 · 10178 Berlin · Tel.: 030 23 27 6840 · Fax: 030 23 27 6874
Alle Rechte © 2008 NZ Netzeitung GmbH
 
Vermarktung: DZH Online Media Sales Group GmbH
 
IT & Security by Procado
 
[ai:ti]-Quotes&Charts: IT Future AG
Quellen der Börsendaten: IT Future AG, Standard&Poor's Comstock Inc. und weitere.