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Busfahren auf Malta: 

Einmal Durchrütteln und zurück

26. Mrz 2008 18:20
Dürfte Maltas ältester Bus sein: Der Fort Thames von Carmen Aber
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Wenn er im Bus vorn beim Fahrer saß, verstand Tilman Steffen oft sein eigenes Wort nicht. Die Vehikel, die auf Malta Pendler zur Arbeit bringen, sind sehr liebenswert – stünden in Mitteleuropa aber eher im Museum.

Die Tage sind auf Malta Ende März frühsommerlich warm. Wenn Carmel Aber aus dem zentralmaltesischen Örtchen Zebugg jedoch zur Arbeit aufbricht, ist es kalt und dunkel. Carmel hat den tiefblauen Dienstpullover der Malta Transport Authority über das hellblaue Hemd gezogen und das schwarzgraue Haar über den 60-jährigen Schädel nach hinten gekämmt.

Zehn Autominuten weiter, in der Etienne Garage in Qormi, wartet sein ebenso alter Bus. Gelb lackiert, mit dem breiten orangefarbenen Streifen unter den Fenstern steht der Ford Thames dort, bei Anthony Falcon, Carmels Chef und Besitzer der Garage.

Wenig später ruckelt der faltige Mann in seinem Vehikel vom Gelände, hin zum Busterminal in Maltas Hauptstadt Valletta. Das Lenkrad rechts, steuert er es links der Straßenmitte – wie im Land der einstigen Besatzer Maltas, der Briten. 14 Volt Betriebsspannung, 60 Grad Motortemperatur, Öldruck OK, zeigen die Instrumente. Wurzelholzimitat schmückt das Armaturenbrett, echtes Mahagoni die Fenstersäulen. An den Frontscheiben dämpfen schmale Kordelgardinchen die Morgensonne. Drei Marien- und drei Jesus-Bilder hat er unters Dach gepinnt, «Holy is God is holy», heißt es auf einem Aufkleber daneben. Malta ist katholisch ist Malta.

Carmel Aber an seinem Arbeitsplatz
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Mit einigen anderen war das Fahrzeug nach 1945 aus dem Militärfuhrpark des Vereinigten Königreiches nach Malta gelangt. Dort, wo im Krieg Soldaten an die Front gekarrt wurden, sitzen heute Pendler und Touristen. Wie alle maltesischen Busse ist er detailreich mit in Handarbeit aufgepinselten Ornamenten verziert. Im Chromsilber der Stoßstange und Lampenringe spiegeln sich Straßenrand und Gegenverkehr. Front, Chassis - alles original, sagt Carmel und lächelt stolz. Nur das Dach entstamme einer einheimischen Werkstatt. Sein Bus sei der einzige der Nachkriegs-Lieferung, der heute noch rollt.

Das erzählt auch Josef Muscat, einer von Carmels Berufskollegen, was für die Validität der Information spricht. Sonstigen Auskünften von Busfahrern sollte man auf Malta jedoch mit Skepsis begegnen. Muscat sitzt an diesem Tag im Infostand des Busterminals von Valletta, als Standby-Fahrer, falls irgendwer ausfällt. Fast jeder der 508 in Gelbweißorange gestrichenen Busse, die auf Malta rollen, fährt vor den Fenstern hier vorbei - all die Bedforts, Plaxtons, die AECs und Bristols, die später aus London herüberkamen, die Fords, Volvos, und MANs. Ihre Solidität, ihre einfache Bauweise schlägt die Wohlfühl-Gefährte der Neuzeit um Fahrzeuglängen. Hinzu kommen das warme Mittelmeerklima und die geringen Entfernungen auf der kleinen Insel, was Motoren und Karossen weniger schnell altern oder rosten lässt. Malta ist nicht einmal halb so groß wie Berlin. Der 60-jährige Muscat gerät in Rage, als das Gespräch auf die modernen King-Long-Busse aus China kommt.

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