Ostern in Rom:
Papstmessen zwischen Touristenmassen
18. Mrz 2008 16:03
 |  Der Kreuzgang am Karfreitag ist einer der Höhepunkte | Foto: AP |
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Stressiger als Weihnachten – das ist Ostern für den Papst. Fromme Pilger wie neugierige Touristen strömen aus allen Ecken der Welt nach Rom, um die Karwoche und die Ostertage in der ewigen Stadt zu verbringen.
Ostern in der Ewigen Stadt - das ist das stressigste Großereignis des Jahres in Rom. Papst Benedikt XVI. hat in diesen Tagen mehr öffentliche Auftritte - nach strengstem Zeremoniell - zu absolvieren als zu jedem anderen Fest. Hotels und Restaurants der italienischen Hauptstadt müssen einen Touristenansturm bewältigen. Auch den Sicherheitskräften des Vatikans stehen Großkampftage bevor.
Und über dem ganzen Trubel am Tiber schwebt wie ein Damoklesschwert die Frage: Macht Petrus mit, gibt es Sonnenschein? Immerhin liegt Ostern 2008 ziemlich früh. Und eine Redensart der Italiener sagt dem Monat nach, was weiter nördlich für den April gilt: «Marzo è pazzo», zu deutsch: der März spielt wettermäßig gerne verrückt. Regenschirm ist Pflicht!
Auch nachts im Dauereinsatz
Am vergangenen Sonntag, dem Palmsonntag, hatte der Papst bereits das Startzeichen für die Karwoche gegeben. Von Gründonnerstag an bis zum Ostersonntag ist Benedikt XVI. dann nahezu im Dauereinsatz, mehrfach auch nachts - für einen bald 81-Jährigen wahrlich kein Pappenstiel. Zum Sturm auf Rom haben die Touristen aus aller Welt schon angesetzt, über die Ostertage dürften es wieder einmal Zehntausende sein, wenn nicht noch mehr.
 |  Der Papst am Palmsonntag | Foto: AP |
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Deutsches Stimmengewirr ist überall in den Gassen und auf den Plätzen zu hören, wobei niemand in Rom zwischen frommen Pilgern und normalen Touristen trennt. Muss man auch nicht, es ist durchaus «in», auch als Nicht-Christ diesem deutschen Papst zu lauschen.
Hektik beginnt Gründonnerstag
Für Benedikt beginnt die Hektik der dritten Osterfeier seit seiner Wahl 2005 am Gründonnerstag. Erster Termin ist am Vormittag eine Messe im Petersdom, bei der die heiligen Öle der Kirche geweiht werden. Frühabends steht in der Lateranbasilika als erster Höhepunkt die Fußwaschung an, als Geste christlicher Demut und Barmherzigkeit. Das Kirchenoberhaupt wird einem Dutzend Männer die Füße reinigen, mit Wasser und Seife. So wie Jesus vor seinem Tod den zwölf Jüngern die Füße gewaschen hat, wie es die Bibel berichtet. Der Kreuzgang am Kolosseum, die «Via crucis» ist am Freitagabend der zweite und ebenfalls ein bewegender Termin. Diese Prozession im Schein der Fackeln dauert mehrere Stunden bis weit in die Nacht. Die vielen Auftritte rund um Ostern bieten dem Papst durchaus auch Gelegenheit, Akzente zu setzen. Am Palmsonntag hatte er dramatisch auf die Lage im Irak aufmerksam gemacht, die blutigen Vorgänge in Tibet indessen mit keinem Wort erwähnt.
Kardinal von Hongkong spricht beim Kreuzgang
Meditierende Gedanken zu den Stationen des Kreuzgang spricht diesmal der Kardinal von Hongkong, Erzbischof Joseph Zen Ze-Kiun. Warum er es ist, hat der Intimkenner der Kirche in China selbst so erklärt: «Der Heilige Vater wollte, dass die Stimme Chinas am Kolosseum ankommt, weil das wirklich ein Volk ist, das gelitten hat und das leidet, viele davon ihres Glaubens wegen.»
 |  Zahlreiche Touristen strömen zu Ostern durch das Kolosseum | Foto: AP |
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Die nächste Nachtschicht kommt kaum 24 Stunden später auf Benedikt zu - die Osterwache im Petersdom. Auch das ein erhebender Moment im Festreigen - wenn das Osterlicht die zuvor dunkle Kirche immer heller erstrahlen lässt und dann um Punkt Mitternacht die Tausend Kirchenglocken in Rom zu läuten beginnen. Abschluss der Osterfeierlichkeiten ist am Sonntag der Segen «Urbi et Orbi» auf dem Petersplatz. «Was die Arbeit und die Termine angeht, so ist Ostern schlimmer als Weihnachten», meinte einmal ein Theologe in Rom. Für die Besucher der Ewigen Stadt, aber auch für den Papst bleibt jene Frage: Wird der Schirm benötigt oder lacht die Sonne? (Hanns-Jochen Kaffsack, dpa)