08.03.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Das Napoleonmuseum im Schloss Arenberg
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Er war 18 Jahre lang Kaiser in Frankreich und ist am Bodensee mit Schweizer Pass aufgewachsen. Eine Ausstellung am Bodensee widmet sich dem Leben von Napoleon III.
Victor Hugo nannte ihn einst «den Kleinen». Anders als sein Onkel, der «große» Napoleon, ist Napoleon III. in Deutschland wenig in Erinnerung geblieben - obwohl er 18 Jahre lang, von 1852 bis 1870, Kaiser von Frankreich war. Vom 20. April bis 12. Oktober findet nun zu seinem 200. Geburtstag eine Doppelausstellung am Bodensee statt, die vor allem die ersten 30 Lebensjahre des späteren Kaisers in den Blick nimmt. Er hat sie zum großen Teil in Konstanz und auf dem nahen Arenenberg in der Schweiz verbracht. Er hatte damals einen Schweizer Pass und sprach solides Alemannisch.
Der ländliche Familiensitz auf dem Arenenberg gilt vielen als schönstes Schloss am Bodensee. Hierher, ins Schweizer Exil, kam der siebenjährige Prinz Louis Napoleon Bonaparte mit seiner Mutter nach dem Sturz von Napoleon I. Die Ausstellungsmacher zeigen im weitgehend im Original erhaltenen Schloss Arenenberg vor allem den Menschen Louis Napoleon und die Prägung, die er hier erfahren hat.
Zu sehen sind noch nie gezeigte Ausstellungsstücke, etwa kleine Übungsdegen für das Kind, das später einmal Kaiser werden soll, wenn es nach den Träumen der Mutter geht. Damit der Junge die Rolle üben kann, ließ sie ihm einen Miniaturthron anfertigen. Seine Gemächer, die nicht im heutigen Schloss, sondern im Westflügel des Nebengebäudes lagen, waren und sind mit allen Fenstern in Richtung Paris ausgerichtet.
Begabter MannAus dem aufgeweckten Kind entwickelte sich ein vielseitig begabter Mann, der politisch und militärisch denkt und sich als Schriftsteller einen Namen macht. Sein technisches Interesse belegen regelmäßige Schießübungen, die er mit Kanonen in Richtung der Insel Reichenau im Bodensee unternommen hat. Die Einwohner dort nahmen es gelassen - die Bonapartes waren geschätzt in ihrer Wahlheimat. Nach außen gab sich der spätere Kaiser in dieser Zeit gerne als Dandy, der das Leben in Konstanz genoss und ein Herz für die Damenwelt hatte. Dass er mindestens zweimal für Nachwuchs sorgte, ist gesichert, sehr wahrscheinlich ist es dabei nicht geblieben.
Die Ausstellung in Konstanz zeigt Napoleon in seiner Zeit und stellt auch das gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Umfeld dar. Ihm verdankt Frankreich etwa das Streikrecht oder die geregelte Arbeitszeit. Auch die Grundzüge des Sozialstaats gehen auf Napoleon III. zurück. Eines der Prunkstücke der Ausstellung ist die sogenannte Sedan-Kutsche, mit er nach der Kapitulation im deutsch-französischen Krieg 1870 zu Preußenkönig Wilhelm I. fuhr.
In einem Begleitprogramm lassen sich weitere Originalschauplätze entdecken: So können Besucher bei Führungen auf Napoleons Spuren einen Blick hinter die sonst verschlossenen Türen von Konstanzer Stadtpalais werfen oder auf eigene Faust das Seeufer von Konstanz bis Steckborn erkunden, das auch «Côte Napoleon» genannt wird. (Martina Keller-Ullrich, dpa)