Inselwelt der Philippinen:
Tierisches Nachtleben auf der Insel Bohol
15.02.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Üblicherweise sind aber die Reime, die sich die Einheimischen auf solche Phänomene gemacht haben, spannender. Auf Bohol erzählt man sich, ein Riese habe sich in ein Mädchen verliebt und es entführt. Doch das Mädchen starb, und der Riese weinte bittere Tränen - so lange, bis sie sich in die Hügel verwandelten. Auch eine zweite populäre Geschichte dreht sich um Riesen: «Zwei von ihnen haben gestritten und sich mit Steinen beworfen», erzählt Reiseführerin Ruby Chinchez. Der Streit war irgendwann beigelegt, die Hügel blieben.
Man muss all das aber gar nicht wissen, um von den «Chocolate Hills» fasziniert zu sein. Wer zum Beispiel auf dem Aussichtspunkt in der Nähe von Carmen steht, ist nur 60 Kilometer von Bohols Hauptstadt Tagbilaran mit seinem Flughafen, dem Straßenlärm und den zahlreichen Pfandhäusern entfernt. Er kann sich aber leicht so fühlen, als sei er plötzlich auf einem anderen Planeten gelandet. Längst nicht alle, aber doch viele Hügel sind von hier aus zu sehen. Manche sind nahezu ebenmäßig geformte Kegel, andere eher spitz und sehen daher aus wie Pyramiden. Zwischen den Hügeln erstrecken sich Wälder und schlängeln sich Wanderwege, einige Flächen bewirtschaften Bauern.
Ein Bild davon können sich Besucher auf halber Strecke zwischen den Hügeln und Tagbilaran machen: in einem urwaldartigen Gehege am Loboc River, auf dem Bootstouren angeboten werden. Etwa 20 Tarsier klammern sich mit den Haftballen an ihren Fingern und Zehen an Äste. Mit ihren im Vergleich zum Körper riesigen Kulleraugen scheinen sie die Besucher genau zu mustern - und rühren sich nicht. Wenn sich die Nacht über Bohol senkt, führen sie sich vermutlich ganz anders auf. (Von Florian Oertel, dpa)

