Madeira lockt mit Blüten und Bächen
12. Feb 2008 13:59
 |  Ähnlich wie im Karneval: Wenn Madeira das Blumenfest feiert, zieht ein großer Festumzug durch die Straßen | Foto: dpa |
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Mitten im Winter gibt es hier den Hauch des Frühlings zu spüren: Kirschen blühen, Mimosen leuchten, und die Temperaturen liegen schon bei 20 Grad. Madeira ist der ideale Ort für alle, die den Frühling nicht erwarten können.
Das portugiesische Wort Madeira bedeutet Holz. Ein weniger romantischer Name ist für die Insel im Atlantik kaum vorstellbar. Mitten im Winter ist Madeira die Verheißung des Frühlings: Es ist um 20 Grad warm, die ersten Kirschen blühen, Mimosen leuchten gelb und Strelitzien in Knallorange. Madeira ist der ideale Ort für alle, die den Frühling nicht abwarten können. Massen an Touristen kommen nicht, Madeira ist kein billiges Ziel. Entsprechend gibt es kaum Massenunterkünfte - es ist sogar eher ein Trend zum Hochpreisurlaub zu beobachten. Viel Platz für Bebauung gibt es ohnehin nicht. Im Norden und Osten regnet es häufig, sonnig ist vor allem der Süden. Dort stehen daher auch die meisten Hotels.
Natürlicher Strand ist an der Felsküste Madeiras eine Seltenheit. Trotzdem können die Gäste an vielen Stellen einfach ins Meer gelangen. In Porto Moniz gibt es natürliche Felsbadebecken, der Lido Galomar in Caniço ist sogar eine komplette natürliche Felsbadebucht. Seit einigen Jahren entstehen zudem kleine, künstliche Sandstrände. Der Golfstrom sorgt für Badetemperaturen von gut 20 Grad und bringt auch manchen Exoten mit, etwa Papageienfische aus der Karibik.
Eine der spektakulärsten Höhenwanderungen in Europa
Noch in den 70er Jahren gehörte Madeira zu den ärmsten Regionen Europas. Mit Fördergeldern der Europäischen Union machte die Insel jedoch in den vergangenen 10 Jahren einen Sprung, für den manche Länder 30 bis 40 Jahre brauchen. Die meisten Orte, früher nur durch stundenlanges Gekurve auf der Küstenstraße zu erreichen, sind nun mit einer Autobahn verbunden. Das Angebot der Geschäfte ist auf neuestem Stand. Das geht natürlich ein wenig auf Kosten der Verträumtheit. Doch da hilft ein Rückzug ins Gebirge. Auch immer mehr junge Menschen entdecken den Reiz der stundenlangen Märsche in relativer Einsamkeit. «Eine der spektakulärsten Höhenwanderungen, die man in Europa machen kann, ist die vom dritthöchsten Berg Pico do Arieiro über den Torre Pico zum höchsten Gipfel Madeiras, dem Pico Ruivo», sagt Wanderführer Louis.
Bis zur Quelle und zurück
Besonders beliebt sind Wanderungen entlang der Levadas, der rund 3000 Kilometer langen Wasserversorgungswege auf Madeira. Die ersten Kanäle wurden von Sklaven bereits im 15. Jahrhundert angelegt. Sie halfen bei der Bewässerung der Zuckerrohrplantagen. Diese Wanderungen sind unterschiedlich anstrengend - mal sind sie ein Spaziergang am plätschernden Bach, mal eine Tour auf schmalsten Pfad ohne Geländer vor einem tiefen Abgrund. Nur steil bergauf oder bergab geht es nie - die Levadas haben ein geringes Gefälle. Wo es schön ist, spricht sich rasch herum. Manche Lavada-Touren seien inzwischen «Rennstrecken geworden», bedauert Louis - und schon ist Schluss mit der Einsamkeit.
 |  Rund 700 Kilometer vor der Küste Marokkos: Madeira liegt nördlich der Kanaren im Atlantik und gehört zu Portugal | Foto: dpa |
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Vor dem Marsch sollten sich Touristen gründlich nach den Schwierigkeitsgraden erkundigen und sich rustikal anziehen. «Gummischlappen und Stöckelschuhe sind auch auf den einfacheren Strecken die falsche Wahl», sagt Louis. Die Wege seien oft feucht und vor allem nicht von Blättern gekehrt oder Ästen geräumt. «Sie sind reine Arbeitswege und eigentlich nicht für Touristen gedacht.» Und die Wanderungen sind meist keine Rundwege, sondern enden an der Quelle. Und dann heißt es: Marsch zurück auf gleicher Strecke.
Schwarzer Degenfisch an Lorbeerholz
Madeira hat den Ruf, eine «Insel des ewigen Frühlings» zu sein. Es ist immer rund 25 Grad warm und eher feucht. Manche Baumfrüchte wie Kirschen und die kleinen gelben Mispeln tragen zweimal im Jahr. Die Blüten haben aber ihre Saisonzeiten: Im März und April etwa blühen die Akazien, auf den Wiesen und am Wegesrand leuchten im April weiße Ackerlilien. An den Wasserfällen blühen im Mai und Juni wie arrangiert wilde Fleißige Lieschen und Fingerhut. Im Mai und Juni kommen die üppige Hortensien hinzu und die grazilen Prachtlilien. Paradiesblumen und Strelitzien treiben das ganze Jahr über Blüten. Vom Wandern müde und hungrig, werden viele Urlauber vom einheimischen Essen angelockt. Der vielerorts angebotene Espada ist ein Tiefseefisch, der vor der Küste der Insel gefangen wird. Der Schwarze Degenfisch schmeckt wunderbar, und angeblich haben die Madeirenser ein Rezept für jeden Tag des Jahres. Das beliebteste Stück Fleisch kommt am Spieß aus Lorbeerholz und heißt fast wie der Fisch: Espetadas werden gewürzt mit Meersalz, Pfeffer und Knoblauch und zu fast jeder Gelegenheit mit Knoblauchbrot, Polenta oder Süßkartoffeln gereicht.
Der rote und weiße Wein von der Insel wird im Gegensatz zum berühmten Madeira von Kennern nicht empfohlen. Wer einen guten Tropfen als Andenken mitnehmen möchte, sollte daher lieber zum Süßwein greifen. Ein schönes Mitbringsel sind auch die haltbaren Strelitzien. Auf dem Flughafen in Deutschland erkennt man Rückreisende aus Madeira an länglichen Pappschachteln mit Blumen unter dem Arm - eine Erinnerung an ihren Ausflug in den Frühling. (dpa/tmn, Hilke Segbers)