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Rom für alle - und zwar umsonst

05. Feb 2008 10:48
Außen herum gehen, kostet nichts: das römische Kolosseum
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Kunst und Kultur kann man in Italiens Hauptstadt auch genießen, ohne Geld auszugeben: von Michelangelo und Caravaggio über Raffael-Fresken bis zu Skulpturen Berninis.

Die Stadt am Tiber trägt die Beinamen «ewig» und «offen», ist mit mehr als 900 Kirchen gesegnet, wegen der immensen Renovierungskosten jedoch auch geschlagen. Einige der bekanntesten Museen der Welt, schmucke Plätze sowie eine Unzahl an Palazzi und Brunnen laden den neugierigen Ankömmling in Italiens Hauptstadt ein. Zwischen dem Petersdom, dem Trevi-Brunnen, der Piazza Navona und dem mächtigen Kolosseum kann er sehr viel Geld lassen. Aber den großen Michelangelo und Spitzenwerke von Caravaggio und Bernini gibt es für die pfiffigen Fans von Kunst und Kultur auch umsonst - schließlich waren dies alles «öffentliche» Baumeister, und die Stadt mit der überbordenden Geschichte erschließt sich dem eifrigen Flanierer.

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Kunst gratis und Sightseeing in Italiens Kulturschatulle ohne Tickets für die Touristenbusse, das führt von den Highlights wie dem (noch) ohne Eintritt zum Erkundungsspaziergang einladenden Forum Romanum über die Spanische Treppe - als Treffpunkt gerade für die Jüngeren und zum genüsslichen Break für ein Gelato al Limone - bis zum mehr als zwei Jahrtausende alten Pantheon, mit seiner riesigen Kuppel eine der beeindruckenden Glanzleistungen der alten Römer. Und selbst die Vatikanischen Museen mit der Sixtinischen Kapelle, die jeden Rom-Besucher doch magisch anzieht, können einmal monatlich umsonst bestaunt werden, jeweils am letzten Sonntag. Aber Vorsicht, es gibt kilometerlange Schlangen auf dem Weg zu der Vatikan-Kunst.

Wer die Verbote einhält, kommt in den Künstler-Himmel

«Roma, non basta una vita!» So heißt es in einem der Führer, die alle eine gewisse Ordnung in die Überfülle an Sehenswertem in der Ewigen Stadt zu bringen versuchen, die zu erkunden eben ein ganzes Leben nicht ausreichen soll. Aber vielleicht beginnt der Flanierer seinen Rundgang zu den Kirchen mit ihren Kunstschätzen, die sich wie eine Perlenkette aneinanderreihen. Allein die Autoabgase dürfen ihn nicht stören, die Luft kann so schlecht sein wie in einer Metropole der Dritten Welt. Und er muss, mal abgesehen von Öffnungszeiten, je nach Basilika oder Chiesa Diverses beachten: «No flash!» kann es da beispielsweise heißen, «Kein Besuch während der Messe» (das versteht sich eigentlich), «Keine zu freizügige Kleidung» und «Nicht setzen!»

Wer die Verbote einhält, kommt auch in den künstlerischen Himmel, ohne dafür einen Euro ausgegeben zu haben. Es sei denn, er will eine Kerze stiften oder einige Postkarten erwerben. Etwa Michelangelo. Um die Werke des Meisters der italienischen Hoch- und Spätrenaissance zu bewundern, muss man sich eben nicht die Füße müde stehen für die Fresken des «Jüngsten Gerichts» in der Sixtinischen Kapelle. Dieser geniale und vielbeschäftigte toskanische Bildhauer, Baumeister und Maler war nicht nur für den Petersdom samt Kuppel verantwortlich, er schuf auch den für Spaziergänger ebenso faszinierenden wie eleganten Kapitolsplatz. Entwürfe, Modelle, Skulpturen, in Rom wie in Florenz, kein Wunder, dass er zwecks Entspannung Sonette über die Strapazen bei der körperlichen Arbeit verfassen musste. Um dann fortzufahren.

Bernini gratis

Von der Via Cavour nahe dem Centro Storico führt eine steile Treppe hoch zur Basilica di San Pietro in Vincoli, die neben den Ketten des Heiligen Petrus auch Michelangelos Grab für den Papst Julius II. beherbergt. Dort steht jener rätselhafte gehörnte Moses mit prächtigem Bart, ein marmornes Meisterwerk aus der Renaissance, während das Gesamtensemble den ganzen Stress des großen Michelangelo dokumentiert hat - die Arbeiten wurden immer wieder unterbrochen und nie vollendet. Einen etwas kühlen Triumphierenden Christus hatte der Maestro zwischendurch für die Kirche Santa Maria sopra Minerva nahe dem Pantheon abgeliefert. Ein Werk, das drinnen konkurriert mit den wunderbaren Fresken des Filippino Lippi - und auf dem Platz vor der Kirche mit dem kleinsten der vielen Obelisken Roms. Giovanni Lorenzo Bernini ließ ihn auf einen Elefanten mit superlangem Rüssel stellen.

Ja, dieser neapolitanische Barockkünstler ist auch unter den «Kostenlosen», wobei das doch vielleicht heißt, dass ein paar Euro für den kleinen Kunstkatalog oder den Kalender drin sind. Zunächst aber gilt es weiterhin einige ultimativ formulierte Auflagen in den Kirchen oder Prunkgemächern zu befolgen wie «Kein Handy!», «Keine Hunde!» oder «Bitte Ruhe!». Dass man sich in einer Basilika keine Zigarette ansteckt, ist wohl klar. Wer ein sinnliches Meisterwerk des Bildhauers und Architekten in der Chiesa di San Francesco a Ripa im Stadtteil Trastevere von nahem besehen will, muss möglicherweise erst einmal das Ende der Messe und die letzten Töne des Organisten abwarten, um nicht zu stören - und auch selbst ungestört zu bleiben.

Zwischendurch ein Caffè

Es lohnt sich allemal. Denn die erotisch aufgeladene Ludovica degli Albertoni in der vierten Seitenkapelle links der Chiesa di San Francesco a Ripa ist ein Schmuckstück der barocken Bildhauerkunst, ein Alterswerk Berninis, das man getrost genial nennen kann. Eine spirituelle Ekstase ist kaum lebensnäher in Marmor zu meißeln! Als aus dem Rahmen fallenden Ovalbau hat Bernini auch die Kirche Sant' Andrea al Quirinale (gegenüber dem Quirinalspalast) errichten lassen - als Hofkirche des ehemaligen italienischen Königshauses. Nicht zuletzt zählen der Kirchenväterthron in Sankt Peter sowie Skulpturen auf der Engelsbrücke zu den Spuren des Meisters im Herzen Roms. Und nicht zu vergessen sein beliebter und für Restaurierungsarbeiten so lange schon verhängter Vierströmebrunnen auf der Piazza Navona, die Besucher magnetisch anzieht. Nun ist es aber Zeit für einen Caffè.

Am frühen Nachmittag sind viele Kirchen sowieso geschlossen. Oder es wird gerade eine Trauerfeier vorbereitet. Nonnen geben noch rasch mit einem Frischespray dem Blumenschmuck Halt und Glanz, während der Organist seinen Part an der Orgel vorbereitet. Danach ist ein Besuch bei einem dritten der großen Künstler angesagt, die Rom viel gegeben haben, zumeist beauftragt von einem kunstsinnigen, bauwütigen Papst.

Der Meister der Helldunkel-Malerei

Ah, Caravaggio! Nur einen Steinwurf von der Piazza Navona entfernt führt die Chiesa di Sant'Agostino mit ihrer Renaissance-Fassade nicht nur ein bedeutendes Raffael-Fresko des Propheten Jesaja, sondern vor allem auch ein recht dramatisches «Madonna der Pilger» des Meisters der Helldunkel-Malerei und der Lichteffekte vor. Caravaggio triumphiert auch gleich nebenan in der französischen Chiesa di San Luigi dei Francesi mit drei Frühwerken zum Leben des Evangelisten Matthäus, darunter die eindrucksvolle «Berufung des Apostels». Caravaggio und kein Ende - und Kirchen ohne Ende: In der letzten Kapelle der Chiesa di Santa Maria del Popolo, die äußerlich eher wenig hergibt, glänzt der Meister gleich noch einmal mit zwei Hauptarbeiten, «Bekehrung Pauli» und Kreuzigung Petri». Mit etwas Glück untermalen leise Orgeltöne den Kunstgenuss hier wie anderswo.

Auf den Spuren der Antike und des römischen Imperiums kommt dann wieder das Tageslicht zur Geltung. Luftschnappen tut not, und diese Stadt versteckt ihren Berg an Schätzen wahrlich nicht nur in dunklen Seitenschiffen und Kapellen und unter einem Hauch von Weihrauch. Von der Trajanssäule über das Forum Romanum zum prächtigen Kolosseum ist es ein kostenloser Katzensprung, inklusive der Weg rund um das große Amphitheater, das über Jahrhunderte Ort der Gladiatorenspiele war und heute das bekannteste und meistbesuchte Monument Italiens ist - da könnte doch höchstens der Schiefe Turm von Pisa noch mithalten.

Der Brunnenmund spricht Wahrheit

Wieder an der (frischen?) Luft, muss der interessierte Besucher nicht gleich zum Jogger werden, obwohl er es hier durchaus könnte - im Circo Massimo südlich von Kolosseum und Palatin. Diese Anlage, langgestreckt, einst riesiger Vergnügungspark für Hunderttausende, ist im lärmigen Rom der Jetztzeit eine Oase verhältnismäßiger Ruhe, in der Hundebesitzer, Verliebte und eben auch Jogger ihre Runden drehen. Doch halt, selbst hier ist man von Kirchen umzingelt, und Entdeckungen sind zu machen. Am Ende des Circo Massimo, zum Tiber hin, ragt jener siebenstöckige, gertenschlanke Campanile von Santa Maria in Cosmedin auf, oft gepriesen als Roms schönster romanischer Glockenturm. Das ist ein Superlativ - diesmal könnte er zutreffen.

Während der strenge und überaus sehenswerte Kirchenraum nahezu unbesucht ist, stehen die Touristen davor an der Bocca della Verità Schlange. Jeder will die Hand in den Brunnenmund der Wahrheit legen, von dem es heißt, er beiße bei einem Lügner zu. Und jeder will dabei fotografiert werden - das gehört zu einem Besuch Roms dazu! «Nur ein Foto!» So muss an diesem vermeintlichen Lügendetektor aus der Antike Platz gemacht werden für all jene, die auf ihr Erinnerungsbild noch warten. Wie gesagt, das ist Rom gratis, mit ein paar Geboten, wo es ums Benehmen geht. Und es empfiehlt sich, auf die Öffnungszeiten zu achten. Dann gibt es vielleicht auch noch den «Reisregen» kostenlos dazu, wenn etwa in der Kirche Santa Maria in Trastevere jenseits des Tibers gerade ein Paar getraut und traditionsgemäß mit den Körnern beworfen wird. Und auch der Zaungast bekommt dabei seinen Teil ab. (Von Hanns-Jochen Kaffsack, dpa)

 
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