26.12.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Fischer mit Boot auf der kapverdischen Insel Sao Vicente
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Wenn es bei uns kalt und dunkel ist, sehnt sich die Seele nach Sonne, Strand und Freundlichkeit. Alles zusammen findet man auf den Kapverden. Noch sind die Inseln im Zentralatlantik ein touristischer Geheimtipp.
Endlose weiße Sandstrände, zerklüftete karge Gebirgslandschaften und tropischgrüne Täler mit Bananenstauden, Mangobäumen und Zuckerrohrpflanzen. Die Landschaft der Kapverdischen Inseln erinnert an die Kanaren - aber die Inselgruppe 1500 Kilometer südlich der Kanaren ist kaum bekannt und daher auch noch nicht so überlaufen wie diese. Der Tourismus steckt auf den neun bewohnten Kapverden-Inseln noch in den Kinderschuhen, eine Handvoll deutscher Reiseunternehmen hat den Inselstaat aber bereits im Programm.
Wer auf die Kapverden in Urlaub fliegt, muss sich bewusst sein, dass er in ein Entwicklungsland fährt, das noch vor wenigen Jahren zu den ärmsten Ländern der Welt gehörte. Größter Wirtschaftsfaktor sind Auswanderer, die aus dem Ausland Geld in die Heimat schicken. Mit herzlicher Gastfreundschaft werden die Besucher auf den Inseln empfangen. Wenn einem Frauen begegnen, die auf dem Kopf ihre frisch gewaschene Wäsche samt Waschutensilien transportieren, kann es durchaus passieren, dass man von ihnen nach Hause eingeladen wird. Bei einer solchen Einladung werden dann auch gerne Musikinstrumente ausgepackt - Musik spielt im Alltag der Kapverdianer eine große Rolle.
Drehscheibe des Sklavenhandels während KolonialzeitNicht von ungefähr ist das Einzige, was die meisten Deutschen mit den Kapverden verbinden, die Sängerin Cesaria Evora, die «Königin der Morna». In der vom portugiesischen Fado beeinflussten Musik, die Evora weltberühmt gemacht hat, zeigen sich auch die Wurzeln der Kapverdianer: Erst 1975 wurden die Kapverden unabhängig, davor war der Inselstaat eine portugiesische Kolonie.
Während der Kolonialzeit waren die Inseln vor dem Senegal nicht nur eine wichtige Versorgungsstation auf dem Weg nach Südamerika, sondern vor allem auch eine Drehscheibe des Sklavenhandels. Vorfahren der heutigen Bewohner waren Portugiesen und afrikanische Sklaven, auch heute noch sind die Inseln ein Schmelztiegel verschiedener Kulturen, eine bunte Mischung aus Afrika und Europa. Immer wieder trifft man auf rückgekehrte Auswanderer, die Deutsch, aber vor allem Englisch oder Französisch sprechen.
Jede der neun bewohnten Inseln hat ihren eigenen Reiz. Am weitesten touristisch erschlossen sind Boavista und Sal, die mit kilometerlangen Sandstränden vor allem Badetouristen, Surfer und Taucher anziehen. Eine gute Alternative zur vulkanischen Kanareninsel Lanzarote ist Fogo mit dem 2829 Meter hohen Vulkan Pico de Fogo. 1995 brach er zum bisher letzten Mal aus und hinterließ eine faszinierende Mondlandschaft, die sich im Gegensatz zu Lanzarote komplett zu Fuß erwandern lässt. Zu den Höhepunkten eines Kapverden-Urlaubs zählen Auf- und vor allem Abstieg des Pico, von dem man sich in einer Art «Sommerski» wieder herabrutschen lassen kann.
Fangfrischer Fisch auf dem Teller Als Wanderparadies ist Santo Antao bekannt - die Insel besticht durch zahlreiche grüne Täler und eine atemberaubende Steilküste. Die tropische Vegetation der Täler kann allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Kapverden insgesamt immer mehr unter Wassermangel leiden. Teilweise fällt der Niederschlag sogar in der Regenzeit aus. Das macht sich besonders auf Sao Vicente bemerkbar, wo kaum etwas Grünes zu sehen ist. Der höchste Punkt der Insel heißt zwar Monte Verde - also Grüner Berg -, aber der Berg ist schon seit Jahren nicht mehr grün, sondern braun. Die meisten Besucher kommen wegen der quirligen Hafenstadt Mindelo nach Sao Vicente - hier muss man als Tourist aber wachsam sein, denn die Stadt ist nicht nur als Musikmetropole bekannt, sondern auch als Mekka der Taschendiebe.
Kulinarisch haben die Kapverden vor allem fangfrischen Fisch und Meeresfrüchten zu bieten: Hier kann man Langusten zu erschwinglichen Preisen essen, und in den Restaurants bekommt man komplette Tunfisch- oder Sägefischgerichte mit Beilagen - meist Kochbananen, Süßkartoffeln oder Yams - schon ab sechs bis acht Euro. Auch das Nationalgericht Cachupa - ein Eintopf aus Bohnen und Mais, der je nach Bedarf mit weiteren Zutaten aufgestockt wird - sollte man mindestens einmal probieren. Und auf alle Fälle lohnt sich ein Besuch der örtlichen Fisch- und Gemüsemärkte: Sie sind laut, bunt und äußerst belebt.
Beste Reisezeit von Oktober bis JuniOptimale Reisezeit sind die Monate von Oktober bis Juni. Das ganze Jahr über ist es angenehm warm bis heiß, Regen fällt auch in der Regenzeit von Juli bis September sehr selten. Besondere Impfungen sind nicht nötig, allerdings sollte man Sonnencreme mit sehr hohem Lichtschutzfaktor nicht vergessen. Von Deutschland aus fliegen die Kapverdische Fluglinie TACV und Condor die Kapverden an. Besonders spezialisiert auf die Inseln hat sich das Reiseunternehmen «One World - Reisen mit Sinnen», aber auch TUI, Neckermann und andere Reiseanbieter haben die Kapverden im Angebot. (Von Mirjam Mohr ,AP)
Mehr Informationen im Internet:
http://embassy-capeverde.de
http://kapverdischeinseln.de
http://kapverden.de