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Kondom-Restaurant wirbt für Verhütung

21. Dez 2007 16:14
Mechai Viravaidya mit einem Model im Kondom-Look
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Kondome gibt es im «Cabbages and Condoms» in Bangkok nicht nur unter der Tischplatte. Auch mit der Rechnung kommt ein Gummi. Begründer des Lokals ist der größte thailändische Kondom-Hersteller.

«Kohlköpfe und Kondome» heißt das Restaurant in Bangkok, und der Name ist natürlich Programm - zumindest Kondome gibt es überall. Als Dekoration unter der Tischplatte aus Glas, als Verzierung am Lampenschirm oder als modisches Outfit auf ein paar Schaufensterpuppen im Foyer. «Schon verrückt, dass es vielen peinlich ist, über einen Lebensretter wie das Kondom zu reden, aber nicht über Bomben, die töten», sagt der Gründer des «Cabbages and Condoms», Mechai Viravaidya. «Mr. Condom» heißt der 66-Jährige in Thailand, und um das peinliche Wort zu vermeiden, heißt das Kondom bei vielen Thailändern inzwischen kurz mit seinem Vornamen «Mechai». Viravaidya kann gut damit leben.

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  • Mechai, Vater einer Tochter, die zweijährige Zwillinge hat, fuhr höchstpersönlich auf Dorffeste und veranstaltete dort Kondom-Aufblaswettbewerbe. Er ließ Comic-Strips mit Kondomen drucken. «Lachen bricht das Eis, dann kann man plötzlich auch über Familienplanung reden», sagt er.

    Als in den 80er Jahren die Aids-Krise ausbrach, ging Mechai in die Bordelle und verteilte Kondome. Er startete eine Kampagne mit der Polizei, die mit Knöllchen und guten Ratschlägen auch Kondome austeilte. Im Restaurant gibt es mit der Rechnung ein Gummi für jeden. «Die Kondomnutzung hat nach einer Weltbankstudie in Thailand 7,7 Millionen Leben gerettet», sagt Mechai. Für seinen Erfolg erhielt er in diesem Jahr den Global Health-Preis der Bill und Melinda Gates- Stiftung mit einer Million Dollar Preisgeld.

    Wer zwischen «Chicken Satay» und «Green Curry» schon immer einmal wissen wollte, mit welchen Instrumenten ein Mann sterilisiert werden kann, ist im «Cabbages and Condoms» genau richtig. Direkt neben dem stillen Örtchen hängt der Schaukasten mit den Klemmen und Scheren. «80 Prozent der Sterilisierungen in Bangkok werden hier in unserer Klinik gemacht», sagt Mechai. Die Klinik mit 30 Ärzten liegt direkt hinter dem Restaurant. Abtreibungen werden hier auch gemacht. «Mit Mitgefühl und vor allem eindringlicher Aufklärung», sagt Mechai.

    Mechai gründete seine PDA-Stiftung nach der Mahnung seiner schottischen Mutter, sich mit seiner privilegierten Ausbildung glücklich zu schätzen und gefälligst etwas für die Armen zu tun. Sie lernte seinen thailändischen Vater in Edinburgh beim Medizinstudium kennen. «Mir wurde aber schnell klar, dass man sich auf die Großzügigkeit von Spendern nicht lange verlassen kann», sagt er.

    «Geschäft für den sozialen Fortschritt»

    Deshalb startete er bald daneben eine profitorientierte Firmengruppe, zu der heute 18 Unternehmen gehören - von Restaurants über Hotelanlagen bis zu Baufirmen und Keksherstellern. «Geschäft für den sozialen Fortschritt» ist das Motto. Der Gewinn fließt in die Stiftung, die sich zu 70 Prozent damit finanziert.

    Im Laufe der Jahre hat die PDA neben Familienplanung auch Armutsbekämpfung in Angriff genommen. Die Stiftung vermittelt Patenschaften zwischen Firmen und Dörfern. Die Firmen suchen mit den Einwohnern nach neuen Einkommensmöglichkeiten und geben den Dörflern dann handfeste Unternehmernachhilfe. «Wir nennen sie Barfuß-MBAs» sagt Mechai, in Anlehnung an die Eliteausbildung für Topmanager zum «Master of Business Administration (MBA)». Ein Dorf ist zum Beispiel vom Weizenanbau auf die Zucht von Pflanzenablegern gekommen - und hat das Einkommen in 18 Jahren verdreißigfacht.

    Der Mann mit dem Großvatercharme geht immer mit der Zeit. Auch dem Klimawandel gewinnt Mechai eine Kondom-Botschaft ab. «Stoppt den Klimawandel - tragt Kondome» steht auf dem neuesten T-Shirt, das im Shop neben dem Restaurant zu haben ist. Frei nach dem Motto: weniger Menschen, weniger Wärmeentwicklung. (dpa)

     
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