16.11.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Ein Kreuzfahrtschiff der US-Reederei RCCL mit Sportlatz und Kletterwand
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Im Winter bekommen viele Menschen Sehnsucht nach wärmeren Gefilden. Wer sich auf Kreuzfahrt begeben will, sollte bei der Auswahl des richtigen Schiffes auf die Zielgruppe und die Bordsprache achten.
Sollen Abendkleid und dunkler Anzug mit in den Koffer? Oder reichen doch die neuen Jeans? Und was organisieren die eigentlich an Landausflügen? Es sind Fragen über Fragen, die sich Kreuzfahrtneulinge vor ihrer ersten Tour auf hoher See stellen. Kurz vor der Abreise ist es in der Regel dafür zu spät - wer unsicher ist, informiert sich besser ausführlich vor der Buchung. Das für den Einzelnen am besten passende Schiff zu finden, ist daher nicht immer einfach. Neben Reisebüro-Mitarbeitern helfen auch gedruckte Kreuzfahrtführer und neue Online-Schiffsbewertungs-Portale.
«Die Kreuzfahrt an sich ist genauso wenig zu definieren wie ein Mallorca-Urlaub», meint John Will von Transocean Tours in Bremen. Auf der liebsten Ferieninsel der Deutschen fühlen sich Partykönige ebenso wohl wie Wanderer, Naturfans und Cluburlauber. Ähnlich sei es mit der Kreuzfahrt: Für jeden sei etwas dabei. «Das Angebot ist riesig», sagt auch Claudia Widmann vom Seereisenportal Mareselect in Hattersheim (Hessen). «Viele sind da auf Hilfestellung angewiesen. Trotzdem erlebe ich es an Bord immer wieder, dass Leute völlig fehl am Platze sind, zum Beispiel auf US-Schiffen, wenn sie kein Englisch sprechen.»
Wichtig für Urlauber: Essen, Ausflugsprogramm und BordspracheDie Bordsprache ist in der Tat für etwa drei Viertel der Gäste ein entscheidendes Kriterium. Das hat das Reisemagazin «Urlaub perfekt» aus Hamburg in einer Umfrage unter knapp 1000 Reisebüros ermittelt. Den Urlaubern wichtig sind außerdem das Essen, die Schiffsgröße und das Ausflugsprogramm mit jeweils 45 bis 50 Prozent der Nennungen.
Was es zu erleben gibt, schildern die Reedereien in den Katalogen natürlich in den allerschönsten Farben. Im Expertenurteil sieht das oft dann etwas differenzierter aus. Als Instanz ersten Ranges gilt dabei der Brite Douglas Ward, der schon seit Jahren für den
«Berlitz-Guide» Schiffe bewertet. In seinem Buch beschreibt Ward die Schiffe, ihre Ausstattung und Mankos ausführlich auf Englisch. Wer sich etwas knapper, dafür aber lieber auf Deutsch informieren möchte, hat seit 2006 mit dem «Kreuzfahrt Guide» aus dem Bellevue-Verlag in Hamburg eine Alternative. Hier dienen Anker als Bewertungssymbole.
Das Sterne-Zählen allein hilft dem ratlosen Gast allerdings nicht. Entscheidend ist aus Sicht von John Will eine andere Frage: «Ist das Schiff selbst das Ziel? Oder will ich per Schiff von einem Ort zum anderen?» Für Letzteres stehe die «traditionelle deutsche Kreuzfahrt» mit Hapag-Lloyd, Deilmann, Transocean und Phoenix Reisen.
Das Schiff mehr in den Mittelpunkt rücken dagegen zum Beispiel Aida Cruises sowie US-Reedereien wie NCL und Royal Caribbean. «Wenn jemand 25 Jahre alt ist und eine Spaß-Kreuzfahrt machen will, dann würde ich ihm ein solches Schiff empfehlen», sagt Claudia Widmann.
Kletterwand und EislaufbahnAuf den riesigen Schiffen von Royal Caribbean zum Beispiel gibt es neben 13 Meter hohen Kletterwänden sogar eine Eislaufbahn. Mit ihren bis zu 4000 Gästen an Bord sind sie aber auch Rummelplätze und eine Herausforderung an den Orientierungssinn.
Bei der Beantwortung der Frage «Barfuß oder Lackschuh?» sollen inzwischen auch Web-Portale wie «unserschiff.de» oder eine Rubrik unter «holidaycheck.de» helfen. Dass dort nicht zuletzt frustrierte oder überschwängliche Passagiere ihren Emotionen freien Lauf lassen, steht außer Frage. Wenn es dann jedoch zu einem Schiff verschiedene Urteile gibt, «kann das gerade für Kreuzfahrtneulinge eher irritierend sein», sagt Negar Etminan von Hapag-Lloyd Kreuzfahrten.
(dpa, Christian Röwekamp)
Die wichtigsten Kreuzfahrt-Reedereien:
Für Gäste jeden Alters:AIDA CRUISES («Aidadiva», «Aidavita»): Aktivurlauber, Erholungssuchende, Familien und Kulturinteressierte.
MSC KREUZFAHRTEN («MSC Lirica», «MSC Musica»): Pauschalurlauber aller Altersklassen, die Vier-Sterne-Ferien möchten. Schwerpunkte sind Familien sowie in Nordeuropa auch Kultur- und Naturliebhaber.
PHOENIX REISEN («Amadea», «Maxim Gorkiy»): Keine Festlegung auf bestimmte Zielgruppen. Das Publikum reicht aus Sicht der Reederei je nach Schiff von elegant-luxuriös bis gemütlich-ungezwungen.
Für Paare und Familien: COSTA KREUZFAHRTEN («Costa Serena», «Costa Magica»): Das Publikum sind klassische Pauschalreisende, die nach einer neuen Urlaubsform suchen.
Für Menschen, die britischen Luxus lieben:CUNARD («Queen Mary 2»): Weltoffene Menschen, die klassische Kreuzfahrten, britische Tradition und luxuriöses Reisen lieben. Zudem «Traum-Erfüller», die per Schiff den Atlantik überqueren möchten.
Für Individualisten: HAPAG-LLOYD KREUZFAHRTEN («Europa», «Hanseatic»): Weltoffene, anspruchsvolle Menschen, die das Besondere suchen. Auf der «Europa» suchen sie ein hohes Maß an Individualität und Servicequalität, auf den Expeditionsschiffen herrscht eher Studienreisen-Atmosphäre.
Für erfahrene Kreuzfahrer:NCL («Norwegian Gem», «Pride of Hawaii»): Singles, Paare und Familien mit Kindern. Außerdem erfahrene Kreuzfahrer, «die eine ungezwungene Alternative zur traditionellen Kreuzfahrt suchen».
Für Reisende ab 50:PETER DEILMANN REEDEREI («Deutschland»): Wohlsituierte, gebildete Reisende ab 50 Jahren mit Interesse an Kultur und Sprachen fremder Länder sowie dem Ambiente klassischer deutscher Kreuzfahrttradition.
Für Aktivurlauber mit Entdeckergeist:ROYAL CARIBBEAN CRUISE LINE («Freedom of the Seas», «Voyager of the Seas»): Junge, aktive Urlauber mit Entdeckergeist. Angesprochen werden Familien, Paare und Singles im Alter von 30 bis 50 Jahren.
Für Kosmopoliten:SEA CLOUD CRUISES («Sea Cloud»): Gesucht wird ein qualitäts- und stilbewusstes Publikum mit kosmopolitischem Selbstverständnis und überdurchschnittlich hohem Interesse an kulturellem Austausch.
Weitere Informationen finden sich im «Kreuzfahrt Guide 2008» von Uwe Bahn und Johannes Bohmann und im «Guide to Cruising & Cruise Ships» von Douglas Ward.
(dpa)