Trampen soll wieder modern werden
28.08.2007
Herausgeber: netzeitung.de
«Trampen bleibt die günstigste, spannendste und umweltfreundlichste Fortbewegungsart. Es kostet nichts, wir nutzen vorhandene Ressourcen und lernen dabei an einem Tag die interessantesten Menschen kennen, egal ob Windmühlenbauer, Flugkapitäne oder Militärpsychologen», meint der Tramperpräsident.
Auch auf Mailinglisten tauschen die Tramper eifrig Fragen und Tipps aus, um die manchmal so frustige Fortbewegungsart einfacher zu gestalten: «Raststätte 'Schauinsland': nicht ideal, aber machbar», heißt es da. «Kennt von euch jemand einen guten Spot von Paris aus Richtung Norden (A1)?», fragen sie. Oder es gibt den Rat: «Richtung Istanbul: Türkische Arbeiter und Lastwagenfahrer halten in Serbien und Bulgarien oft an türkischen Restaurants. Halte Ausschau nach 'Türk Lokantasi'.»
Wenn es nach Bergmann geht, soll die Zukunft dann gar nichts mehr vom Image des einsamen Tramps haben, der stundenlang auf einen klapprigen VW-Bus wartet: «Die Ortsdatenbank soll auch per Handy abrufbar sein, falls man gerade an der Straße steht und nicht mehr weiter weiß. Außerdem brauchen wir offizielle Trampstellen».
Auf Deutschland allein wollen sich die rund 50 Vereinsmitglieder nicht konzentrieren. «Wir tauschen uns regelmäßig mit russischen, litauischen, argentinischen und amerikanischen Tramporganisationen aus», sagt Bergmann. Auf Internetblogs, per Mail oder bei der Tramppause an der Autobahnraststätte erfahren sie so von riskanten Trampreisen durch Afghanistan oder von neu entwickelten Techniken litauischer Anhalter, die für nächtliche Trampreisen einen speziellen Leuchtanzug konstruierten. Auch die neuesten russischen Autostoppwettbewerbe nach Ägypten und die Erlebnisse des Amerikaners Ben Bachelder, der letztes Jahr in der Antarktis den Daumen hochhielt, werden von der Gemeinschaft diskutiert.
Für die erfahrenen Tramper liegt der besondere Reiz des Autostopps aber nicht nur im Abenteuer. Der Tramperpräsident: «Man stößt bei jedem neuen Fahrer auf eine andere Geschichte und eine andere Weltsicht. Für den einen kann es Lebenszweck sein, kaputte Waschmaschinen einzusammeln und für 20 Euro an den Schrotthändler zu verkaufen, wenig später wird dir der Nächste schon von seiner packenden Flucht aus der DDR mit einer selbstgeschneiderten amerikanischen Uniform berichten.» Das allerdings erinnert dann doch wieder an die 70er Jahre. (Jonathan Stock, dpa)

