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Kitesurfer trifft Heuler beim Insel-Hopping

31. Jul 2007 10:34
Strandhäuschen in De Koog auf Texel
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Kitesurfen, am Strand wandern, Heuler besuchen – die Inseln vor der niederländischen Küste bieten Urlaubern ein abwechslungsreiches Programm. Beim Insel-Hopping lernt man die Inseln von ihren schönsten Seiten kennen.

Es gibt Leute, die halten Schiermonnikoog für die schönste Insel der Niederlande. Und es gibt andere, die das gleiche von Terschelling oder Texel behaupten – und wieder andere, die auf Vlieland oder Ameland schwören. Die fünf Inseln vor der niederländischen Küste haben tatsächlich alle ihren Reiz.

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Wer sich nicht zu schnell festlegen möchte, kann sie im Urlaub kombinieren: Es gibt Arrangements, bei denen in fünf, sieben oder acht Tagen jeweils zwei oder drei Inseln besucht werden. Und wer alle fünf hintereinander sehen will, kann auch das mit vergleichsweise geringem Aufwand organisieren.

Strand im Doppelpack

Eine gute Variante ist der Doppelpack aus Texel und Vlieland – die eine groß, die andere ganz klein, die eine dicht an der Küste, die andere weit draußen. Tolle Strände haben beide. Texel ist einfach zu erreichen: Die Fähre, die auch Autos transportiert, legt in Den Helder ab, einer Hafenstadt westlich des Ijsselmeers. Die Überfahrt dauert nicht einmal eine halbe Stunde. Vom «Veerhaven» sind es dann sechs Kilometer bis zum Hauptort Den Burg und zwölf bis De Koog an der Westküste.

Ausflugsschiffe starten zu den Seehundbänken
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De Koog hat alles, was Strandurlauber wünschen: Das Dorf wird durch einen breiten Dünenstreifen geschützt, hinter dem auch ein Campingplatz liegt. Der Strand ist breit und Kilometer lang. Weiß gestrichene Strandhäuschen mit blauen oder grünen Türen sind hier die Alternative zu den gewohnten Strandkörben. Tagsüber ist im Sommer einiges los: Möwen segeln über den Dünen, Kinder buddeln im Sand, Strandmuscheln schützen vor dem Wind, von dem die Kitesurfer gar nicht genug bekommen können. Sie haben Texel längst als ihr Revier entdeckt. Viele Urlauber kommen aber einfach nur zum Sonnenbaden oder Spazierengehen.

Wer es etwas ruhiger haben möchte, muss abends wiederkommen. Dann zieht es die Touristen in die Restaurants und Bars von De Koog. Kaum irgendwo sonst gibt es auf den Inseln so viele auf so engem Raum. Die Bollerwagen werden in Richtung Dorf gezogen, die Strandmuscheln abgebaut, die See verliert ihr Blau, nur die Gischt ist noch so weiß wie am Vormittag.

Am Strandpavillon an «Pad 20» - die Abschnitte sind durchnummeriert - haben sich drei Dutzend Inselgäste versammelt – und das nur, um aufs Meer zu schauen. Ein Fernrohr steht neben vier Bänken, alle voll besetzt. Die Kameras sind gezückt, dauernd klickt es, während die Sonne als riesengroße, rotgelbe Scheibe ganz langsam am Horizont versinkt, so als koste es sie einige Mühe. Und gerade als sie es geschafft hat, klatscht jemand Beifall. Direkt am Meer, ganz im Westen der Niederlande, ist das alltägliche Naturschauspiel tatsächlich noch eine Nummer eindrucksvoller als anderswo.

Niederlande im Kleinen

Texel hat aber noch mehr zu bieten: «Die Niederlande im Kleinen» wird die Insel genannt, weil sie so abwechslungsreich ist. Am meisten bekommt davon mit, wer mit dem Fahrrad fährt. Das ist bei Insulanern wie Gästen ein beliebtes Transportmittel, und einen «Fietsverhuur», wo Räder geliehen werden können, gibt es an fast jeder Ecke. Das Radwegenetz ist hervorragend. Steigungen sind nicht zu befürchten:

Die höchste Erhebung, der «Hoge Berg» bei Den Burg, bringt es auf nur 15 Meter. Neben den Radwegen gibt es oft Kuh- oder Schafweiden, über die Dorfstraßen laufen schon mal Hühner, und in der Luft tanzen Schmetterlinge.

Texel hat eine Reihe von Dörfern, die einen Abstecher lohnen: Oudeschild zum Beispiel liegt an der Südostküste. Am Hafenbecken ist lautes Kinderkreischen zu hören: «Iiiiihhhh!» Direkt neben den Pollern, an denen das Ausflugsschiff «TX-20» festgemacht hat, angeln einige Teenager nach Strandkrabben - mit Bindfäden, an denen mit Wäscheklammern Kochschinkenstücke befestigt sind. Diesmal hatte der glückliche Krabbenjäger gleich vier auf einen Schlag am Haken – eine so groß, dass sie den kleineren Kindern dann doch einen Schreck einjagt.

Europas erste Seehund-Aufzuchtstation

Ein Stück weiter nordwestlich liegt De Waal, ein ausgesprochen schönes Inseldorf mit ruhigen Straßen und einem kulturhistorischen Museum: Es ist in einem früheren Bauernhof untergebracht und erinnert daran, dass Texel nicht immer eine Urlaubsinsel war. Die Insulaner machten sich jahrhundertelang in der Landwirtschaft krumm, um ihr Überleben zu sichern.

Wie mühselig das sein konnte, belegen Grabenpflug und Mistzerkleinerer, Jauchepumpe und die Grasmähmaschine, die einst von einem Pferd gezogen wurde. Auch eine kleine Sammlung von Kutschen gibt es, inklusive Leichenwagen. Texels Besucherattraktion Nummer eins ist das «Ecomare» südlich von De Koog.

Ausflusschiffe starten zu den Seehundbänken
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Rund 300.000 Gäste zählt es jedes Jahr. Vor 55 Jahren war es Europas erste Seehund-Aufzuchtstation. «Heuler, die am Strand gefunden werden, ziehen wir auch heute noch groß», erzählt Renee Smal. «Wenn sie groß und schwer genug sind, kommen sie wieder in die Nordsee zurück.» Einige Tiere, die nicht ausgewildert werden können, bleiben allerdings in den Becken des «Ecomare», um die sich die Besucher versammeln, wenn Fütterungszeit ist und jede Menge Makrelen und Heringe serviert werden.

Im Hauptgebäude gibt es Schaubecken und Aquarien, die das Leben in der Nordsee zeigen: Plattfische wie Schollen verstecken sich am Boden, ein Seestern frisst eine Miesmuschel, Garnelen schweben im Wasser. In den übrigen Ausstellungsräumen gibt es Informationen etwa zum Vogelflug, zur Fischerei oder zur Ölförderung vor der niederländischen Küste.

Strandräuber aus Leidenschaft

Das alles klingt sehr vernünftig, ganz anders als die Sammlung, die Gilles van Mil zusammenzutragen geholfen hat. Van Mil ist Strandräuber aus Leidenschaft. Seine Fundstücke sind im «Maritiem & Jutters Museum» in Oudeschild zu sehen, eine verrückte Mischung aus allem, was sich am Strand so aufgabeln lässt: Hirschgeweihe und Thermoskannen, Abwaschbürsten und Mammutknochen, Badelatschen und Kokosnüsse, Feuerzeuge und Rettungsringe, Schiffsteile und ein aus Russland stammendes Bordtelefon. Tausende von Funden sind es, bizarr und gleichzeitig faszinierend.

Von Texel nach Vlieland zu kommen, ist ein kleines Abenteuer. Eine lange Holzbrücke führt im Inselnorden bei De Cocksdorp zum Anleger. Dort wartet bereits «De Vriendschap», ein altes umfunktioniertes Motorfrachtschiff. Fahrräder werden an der Reling mit Seilen vertäut, am vorderen Mast hat sich ein Hund schlafen gelegt. An Bord wird «Jutter» serviert, der Texel-typische Kräuterschnaps. Und als das Schiff nach 20 Minuten in Vlieland anlegt, wartet schon Folkert Janssens mit seinem geländegängigen Lastwagen.

Denn vom Anleger bis in die Zivilisation sind es noch um die zehn Kilometer - die Strecke hat früher der Postillion per Pferdekutsche bewältigen müssen. «Mitten durch die Sandwüste», sagt Janssens, als er Gas gibt - 320 PS hat sein ehemaliger Brückenleger der Bundeswehr unter der Haube. Die kann er auch gut gebrauchen: «Es gibt hier immer wieder Treibsand.» In der Hochsaison fährt er bis zu sechs Mal am Tag - wenn ein Schiff anlegt und bei Rundfahrten für Touristen, die den wilden Inselwesten, weitgehend militärisches Sperrgebiet, kennen lernen möchten.

Idyllisch und ruhig

Vlieland ist idyllisch - und deutlich kleiner und ruhiger als Texel. Es gibt nur einen Inselort, Oost-Vlieland, an dessen Rand ein kleiner Leuchtturm in den Himmel ragt. West-Vlieland gab es auch mal, das Dorf wurde aber im 18. Jahrhundert vom Meer überspült. In Oost-Vlieland spielt sich ein Großteil des öffentlichen Lebens entlang der Dorpstraat ab. Schmale Häuschen mit gestuften oder geschwungenen Giebeln reihen sich aneinander, Kastanienbäume stehen davor. Es gibt Boutiquen, Cafés und Restaurants, in denen sich Inseltypisches probieren lässt - Fisch oder Lammfleisch zum Beispiel.

Wer auf dem Deich spazieren geht, kann den Insulanern auch in die Hinterhöfe mit Obstbäumen, Rosenbüschen und Gemüsebeeten gucken. Auf den Vordächern schlafen manchmal Katzen in der Sonne. Vlieland ist autofrei, 1150 Einwohner gibt es. Statistisch gesehen waren alle schon mehrfach im Infozentrum «De Nordwester» nahe der Kirche. Die Grundlage der Ausstellung war das alte naturhistorische Museum, aber es ist viel dazu gekommen.

«Das Skelett eines Pottwals haben wir erst seit 2004», sagt Nordwester-Mitarbeiter Marc ter Ellen. Die mehr als 100 Teile sind mit rostfreiem Stahl verschraubt und stabilisiert. Das gesamte Skelett ist 12,70 Meter lang - und das Tollste: Man kann gewissermaßen hineingehen.

Zu sehen ist aber auch eine Sammlung mit Sand aus aller Welt und eine mit Flaschenpostbriefen, die in Vlieland am Strand angetrieben wurden - mehr als 140. Oft sind es Briefe von Kindern, die hier Urlaub gemacht haben und sich eines wünschen: bald wiederkommen. Für sie ist Vlieland die schönste der niederländischen Inseln - solche Briefe per Flaschenpost werden auf den Nachbarinseln allerdings auch angespült. (Andreas Heimann/dpa)

 
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