Ein Fensterplatz für Mister Mickey Mouse
30. Mai 2007 17:05
 |  Eine Maschine von US-Airways | Foto: dpa |
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Flüge in den USA sind chronisch überbucht. Mit Phantom-Reservierungen versuchen Reiseveranstalter ihren Kunden Plätze zu sichern - nicht immer mit Erfolg.
So mancher Reisende in den USA hat das schon erlebt: Er hält ein Ticket in der Hand, doch im Flugzeug ist für ihn kein Platz mehr. In diesem Sommer dürfte die Überbuchung von Flügen sogar einen neuen Höchststand erreichen, berichtete am Mittwoch die «New York Times». Voraussichtlich würden in der Saison etwa 56.000 Reisende davon betroffen sein.
Grund sei die bei amerikanischen Airlines weit verbreitete Praxis, mehr Plätze zu verkaufen, als tatsächlich vorhanden sind. Da jedes Jahr Millionen Passagiere ihre Buchung verfallen ließen («no show»), wollten die Fluggesellschaften spezielle Vorkehrungen treffen, um eine möglichst hohe Auslastung der Maschinen zu erreichen, hieß es.Oft genug gehen diese Berechnungen aber nicht auf, und es stehen zu viele Passagiere an den Schaltern. Die Folgen der Computer-Zahlenspiele bekommen dann die Airline-Mitarbeiter zu spüren, gegen die sich der Zorn zurückbleibender Reisender entlädt. Um dies zu verhindern, nehmen findige Reiseveranstalter inzwischen Phantombuchungen vor - ein beliebter Name ist Mickey Mouse.
«Todesspirale» dreht sich weiter
Dieser Schuss kann aber ebenfalls nach hinten losgehen. Denn auch die fiktiven Passagiere tauchen später als «no show» in der Statistik auf - was letztlich dazu führt, dass die nächsten Flüge sogar noch mehr überbucht werden. «Wir sprechen mittlerweile von einer Todesspirale», räumte ein hochrangiger Manager bei US Airways ein.Bislang waren immerhin noch genügend Passagiere bereit, auf einen späteren Termin auszuweichen. Sie erhielten dafür einen Gutschein erhielten - manchmal sogar für eine attraktive Rundreise.
Bis zu 400 Dollar pro Person ließen sich die Fluggesellschaft das kosten - dies sei immer noch weniger als der Verlust durch einen nicht genutzten Platz. Am häufigsten tauchen Inhaber teurer und voll rückerstattbarer Tickets nicht auf. Wer zum Billigtarif fliegt und nicht ohne weiteres umbuchen kann, lässt den Flug in der Regel nicht verfallen.
Wartezeiten von mehreren Tagen
Für die Betroffenen lohnt sich der Deal mit den Vouchern längst nicht mehr. Eine Frau aus New York, die oft beruflich fliegen muss, klagte darüber, dass die Wartezeit jetzt manchmal nicht ein paar Stunden, sondern mehrere Tage betrage. Kein Wunder, denn der Anteil der Passagiere ohne Platz ist im vergangenen Jahr um 23 Prozent gestiegen. Befördert wurden 2006 insgesamt 555 Millionen Fluggäste. Der Trend zur Überbuchung setzte sich im ersten Quartal 2007 weiter fort.
Airline-Angestellte an Flughäfen melden sich deshalb häufiger krank, wie ein Mitarbeiter von US Airways zugab. An den Gates würden sich Reisende teils derart aggressiv aufführen, dass die Polizei gerufen werden müsse. (nz)