netzeitung.deIn, um und durch die Natur: Urlaub an der Loire

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Ein Bett im Baum: auch dort lässt sich gut schlafen (Foto: dpa/gms<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Ein Bett im Baum: auch dort lässt sich gut schlafen
Foto: dpa/gms
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Schlafen im Baum, Paddeln auf der Loire: Wer sich in der Natur bewegen und Neues über sie erfahren will, kommt im Gebiet zwischen Orléans und Tours, Brenne und Sologne auf seine Kosten.

Camille und Christophe holen im Dämmerlicht die Seile und Haken aus dem Auto, schnallen sich kleine Lampen vor die Stirn und zeigen damit den Weg in den Wald hinein. Jetzt gilt es, das am Nachmittag Gelernte anzuwenden. Denn wer im Baum schlafen will, muss ihn vorher hoch klettern - das Bett für die heutige Nacht befindet sich in sieben Metern Höhe.
Besonderer Blick
Die beiden Kletterer bieten für Touristen eine Nacht in Zelten an, die sie im Naturreservat nahe des Loire-Städtchens Nogent Sur Vernisson an den Baumstämmen befestigt haben - wahlweise auch in 20 Metern Höhe und in schlafsackähnlichen Hängematten. Ein wenig mulmig fühlt es sich oben dann schon an, aber wer den inneren Schweinehund besiegt hat, wird belohnt: Der Blick aus dem Schlafsack ist gewöhnungsbedürftig, aber definitiv etwas Besonderes. Auf allen Seiten ragen Baumstämme in den Himmel, durch die transparente Zeltkuppel leuchten der Mond und die Sterne durch die Wipfel, ein Uhu ruft. Wolldecken wärmen von oben und unten.

Ein klopfender Specht beendet den Schlaf um sieben Uhr in der Früh. Aber auch auf dem Boden kommen Besucher der Region in Kontakt mit der Natur rund um die Loire. Vor allem wer sich in der Natur bewegen und Neues über sie erfahren will, kommt im Gebiet zwischen Orléans und Tours, Brenne und Sologne auf seine Kosten. Die Loire ist der längste Fluss Frankreichs - er fließt weitgehend ohne vom Menschen gemachte Sperren oder Begradigungen dem Atlantik entgegen.
Mehr als 100 Jahre alte Bäume
In dem Arboretum, einer Art Baumschutzgebiet und Naturpark, wo Kinder und Erwachsene unter Anleitung von Camille und Christophe die bis zu 40 Meter hohen Bäume erklimmen können, stehen auf 35 Hektar rund 8500 Bäume von 2700 Arten aus aller Welt. Schilder auf einem Rundweg erläutern die Besonderheiten von Blättern, Blüten und Früchten. «Einige Bäume sind mehr als 100 Jahre alt», sagt Corinne Vermillard, Direktorin des Trägervereins ADIAF. Und wem die Pflanzen nicht reichen, fährt weiter in das gut eine Autostunde entfernte Ménestreau-en-Villette in der Sologne. Dort liegt der Eingang zum Naturpark Domaine du Ciran.

Urlauber können in dem Gebiet auf 300 Hektar Fläche neben der Flora auch die Fauna der Region erkunden. Kühe und Ziegen stehen zum Streicheln bereit. Ein bisschen Glück ist vonnöten, um den Wildschweinen, Hirschen und Rehen und Füchsen auf einer geführten Tour auf die Spur zu kommen. Die Reservate eignen sich vor allem als Zwischenstopp. Denn am besten verbinden Urlauber die spielerische Erfahrung der Natur mit sportlichen Aktivitäten wie Rad fahren oder Wandern. Auf dem Weg durch die Dörfer lässt es sich entspannt in die Pedale treten. Schnell breitet sich Ruhe aus, wenn auf dem Weg durch Wald und Felder die Schmetterlinge in der Sonne tanzen.

Mit dem Rad geht es auch nach Schloss Chambord: Die prunkvolle Anlage von König Franz I. ist nach Versailles die zweitgrößte der früheren Herrscher Frankreichs. Allein der Park um das Schloss hat einen Umfang von 33 Kilometern, und mit dem Prachtbau im Zentrum wurde unter dem Namen «Châteaux en vélo» in den vergangenen Jahren ein Netz von Radwanderwegen angelegt. Auch direkt am Ufer entlang führen immer wieder asphaltierte Wege. Am nächsten kommen Naturliebhaber dem Fluss aber natürlich per Boot: Auf dem seichten Unterlauf der Loire tuckern nur alte Lastkähne.
Ausflüge mit dem Kanu
Im Örtchen Candes-St.-Martin haben mit der «Amarante» zwei Brüder ein altes Boot flott gemacht und bieten Ausflüge an. Bei gemächlicher Fahrt lassen sich Enten, Möwen und Kormorane beobachten. Auf den Zuflüssen der Loire sind auch Ausflüge mit dem Kanu möglich - selbst Wanderungen von mehreren Tagen bietet Francois Rousseau in Le Blanc an und fährt mit Teilnehmern dann den Anglin oder die Creuse hinab. Turnschuhe und Badesachen sind einzupacken - die Boote müssen immer mal wieder durch seichtes Wasser getragen werden.

In den acht «Observatorien» rund um die mehr als 2000 Teiche im Naturpark Brenne im Südwesten der Region zücken Vogelkundler ihre Ferngläser und schießen aufgeregt Fotos von den mehr als 150 Vogelarten, die im Sommer hier versammelt sind. Experten von Naturschutzorganisationen zeigen Reiher, Haubentaucher, Frösche und Schildkröten. Auch hier bewegen sich Besucher am besten mit dem Rad vorwärts.

Wer am Abend solcher Tage den Weg noch auf sich nehmen kann, bucht am besten eine Übernachtungsmöglichkeit auf dem Land. Die Chancen stehen gut, vom Schlafzimmerfenster aus in der Morgendämmerung Fasane und Rehe durch das Unterholz stapfen zu sehen.

Informationen: Französisches Fremdenverkehrsamt Maison de la France, Zeppelinallee 37, 60325 Frankfurt (Tel.: 0900/157 00 25 für 49 Cent pro Minute). (Thorsten Wiese, dpa)