Jordanien: Religion, Geschichte, Natur, Wellness11. Apr 2007 12:24  |  Jordanien: Hotel am Toten Meer | Foto: nz |
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Jordanien hat mehr zu bieten als die Felsenstadt Petra, Tauchen in Aqaba oder Baden im Toten Meer. Mit einem millionenschweren Marketingplan soll der Tourismus wieder belebt werden. Jens Teschke hat das Land bereist.
Israel liegt im Westen, Syrien im Norden und der Irak und Saudi Arabien im Osten – Jordanien, so sagt es Mazen Homoud, Leiter des Jordan Tourism Board, hätte sich gerne einen besseren Ort in der Welt ausgesucht, versucht aber trotz der nach wie vor angespannten Lage im Nahen Osten, verstärkt den Tourismus wieder zu beleben. Zwar ist Jordanien von Anschlägen und blutigen Auseinandersetzungen bislang weitgehend verschont geblieben, aber dennoch warnt das Auswärtige Amt auf seiner Internetseite auch bei einer Reise nach Jordanien vor «der erhöhten Gefahr weiterer Terroranschläge in Jordanien». Hintergrund: Im November 2005 detonierten vor drei Hotels in der Hauptstadt Amman Bomben und erschütterten damit auch den sensiblen Bereich des Tourismus. Nur noch knapp 1,5 Millionen Touristen kommen ins Land, ein Großteil davon aus den Nachbarländern und damit für die Hotelindustrie und Fremdenführer eher sekundär interessant. Vor allem auch durch den Libanon-Konflikt im vergangenen Jahr ging die Zahl europäischer Touristen, die den Großteil der Pauschalurlauber ausmachen, um fast 27 Prozent zurück. Um diesem Trend entgegenzuwirken, entwickelte das Jordan Tourism Board einen 4,8 Millionen Euro teuren Marketingplan, der vor allem auf die Tourismusmärkte in Deutschland, Frankreich, England, Italien, Spanien und den USA ausgerichtet ist.
Wellness am Toten Meer Auf vier Bereiche fokussiert sich der Jordanien-Tourismus: Religion, Geschichte, Natur, Wellness. Gerade letzterer Bereich wird im Moment massiv ausgebaut. Gleich fünf Fünf-Sterne-Hotelkomplexe namhafter Konzerne entstehen oder werden erweitert. Sie alle buhlen um zahlungskräftige Gäste, die Erholung und Gesundheit suchen. Ein Aufenthalt im Mövenpick Resort oder im Jordan Valley Marriott führt dabei in eine eigene Welt, die mit der Kargheit der Landschaft wenig gemein hat. Renommierte Gartenarchitekten haben geradezu paradisische Anlagen entworfen, Swimmingpools bieten fantastische Aussichten auf das Tote Meer. Der Direktor des Mövenpick Resort & Spa Dead Sea,Bruno Huber sagt: «Hier wurde das Spa erfunden. Wir machen nur dass, was vor 5000 Jahren hier begonnen wurde.» Für Pilger mag das Tote Meer der Schauplatz von Lots verhängnisvollem Umdrehen in Richtung Sodom und Gomorrha sein, für Kranke und Ruhe-Suchende ist dieser tiefste Punkt der Erde vor allem Ort der Erholung und der Heilung. Das wohltuende, hochkonzentrierte Salzwasser selbst hat einen Salzgehalt von 31,5 Prozent. Dadurch trägt das Wasser so gut, dass man darin nahezu unmöglich untergehen kann. Zudem enthält das Meerwasser 21 Mineralstoffe wie Magnesium, Natrium und Kalium in hohen Konzentrationen. Zwölf davon kommen in keinem anderen Gewässer der Erde vor. Gerade Hauterkrankungen wie Schuppenflechte können hier oft nachhaltig behandelt werden.
 |  Bauaktivität am Toten Meer | Foto: nz |
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Studien haben zudem ergeben, dass das Wasser des Toten Meeres in Verbindung mit dem mineralreichen schwarzen Schlamm der Küste unter anderem den Kreislauf anregt, Arthritisbeschwerden lindert, Allergien heilt und die Haut belebt. Vor Konkurrenz für seinen 6000 Quadratmeter großen Spa-Bereich im Hotel hat Bruno Huber daher im Moment auch wenig Angst: «Die Region verträgt auch 50 Spas.» Gleich nebenan errichtet der Kempinski-Konzern einen Spa-Bereich von 10.000 Quadratmeter Fläche.
Auf den Spuren der Bibel Neben den Wellness-Suchenden, sind im islamischen Jordanien auch christliche Pilger durchaus gern gesehene Gäste. An jeder Stelle kann man auf die über 2.000-jährige christliche Geschichte stoßen. In Bethanien etwa ist die Stätte, an der Johannes Jesus taufte, vom Berg Nebo aus, sah Moses das Tote Meer, das Jordantal und das gelobte Land Kanaan, das er nie betreten würde. Und dann schließlich wieder das Tote Meer: Hier spielte sich das Drama des Untergangs der Städte Sodom und Gomorrha ab. Mukawir und Madaba etwa sind Schauplätze im Alten Testament. So stand in Mukawir die Festung von Herodes, dem römischen Statthalter zu Lebzeiten Jesu. Bislang gibt sich der Islam in Jordanien recht tolerant. Selbst Kirchen sind in Stadtplänen verzeichnet und offiziell ausgewiesen – etwas, was in der Türkei vergebens gesucht wird. Im Straßenbild gibt es voll verschleierte aber auch gänzlich westlich gestylte Frauen.
Vielfältige Natur
 |  Burg Aljoun | Foto: nz |
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Zu den Pilgern und Wellness-Suchenden gesellen sich immer mehr Naturliebhaber. Sowohl der verstorbene König Jordaniens Hussein, als auch sein Sohn Abdullah waren und sind begeisterte Naturliebhaber. Hussein begann Teile der wilden Natur unter Schutz zu stellen. Mittlerweile gibt es sechs Naturschutzgebiete in Jordanien, weitere sechs sollen in den kommenden Jahren eingerichtet werden. Vor allem im Norden sorgt der Jordan für üppiges, grünes Wachstum an seinen Ufern, im Süden des Landes überwiegt karges Felsland, im Osten Wüste. In allen Naturschutzgebieten bieten sich fantastische Möglichkeiten, die Natur zu erwandern und zu erleben. Das Naturschutzgebiet Ajloun liegt nördlich von Amman. Es ist eine mediterrane Hügellandschaft, die von Eichen- und Pistazienwäldern geprägt wird. Aljoun wurde vor neun Jahren zum Naturschutzgebiet erklärt. Ajlouns Wälder bestehen zum Großteil aus Eichenwald, aber auch Baumarten wie Pistazien-, Pinien-, und Erdbeerbäume gibt es. Aktuell gibt es zwei Wanderwege und einen Platz mit Übernachtungsmöglichkeiten. Ganz in der Nähe des Naturschutzgebietes lädt auch die hoch aufragende Burg von Ajloun ein. 1184 erbaut war sie wichtig im Kampf der Moslems gegen die Kreuzritter. Jahrzehntelang galt die Burg als uneinnehmbar.
 |  Naturschutzgebiet Dana | Foto: nz |
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Das Naturschutzgebiet von Dana ist ein ehemaliges Jagdgebiet des Königs. Hier beschloss er 1966 die Royal Society for the Conservation of Nature (RSCN) zu gründen. Auf 308 Quadratkilometern bietet sich in Dana eine fantastische Vielfalt an Pflanzen. Man sagt, dass sich auf jedem Quadratmeter des Gebietes bis zu 30 verschiedene Pflanzenarten befinden. 600 verschiedene Pflanzenarten, 37 Säugetierarten und 190 Vogelarten soll es hier geben.Das Gebiet von Dana umfasst eine Kette von Tälern und Bergen, vom Jordangraben bis hinab ins Flachland von Wadi Araba. Der Reiz von Dana mit seinen unterschiedlichsten Wandermöglichkeiten, von zwei Stunden leichtem Wandern bis hin zu achtstündigen Trekkingtouren, liegt in der Vielfalt des Gebiets: Bewaldetes Hochland und felsige Hänge, Geröllebenen und Sanddünen.
Mujib: Tief gelegenes Naturschutzgebiet Ist die Natur in den Gebieten Aljoun und Dana noch recht üppig, ist die Gegend Wadi Mujib eher karg. Seine Lage an der Ostküste des Toten Meeres macht das Mujib zum am tiefsten gelegenen Naturschutzgebiet der Welt. Besonders reizvoll ist dabei jedoch, dass Mujib eben von 410 Meter Tiefe bis hinauf auf den Berg Kerak im Norden reicht und damit teilweise eine Höhe von 900 Metern erreicht, also einen Höhenunterschied von bis zu 1300 Metern bietet.Das Wadi Mujib bietet eine biologische Vielfalt, deren Erkundung und Dokumentation bis heute andauert. Es wurden bisher über 300 Pflanzenarten, zehn Raubtierarten und zahlreiche Spezies von einheimischen und Zugvögeln verzeichnet. In Mujib wurde auch erfolgreich der Nubische Steinbock wieder angesiedelt. Auch in den anderen Gebieten, Shawmari und dem Gebiet am Roten Meer sowie in der grandiosen Wüstenlandschaft Wadi Rum gibt es zahlreiche Möglichkeiten der einzigartigen Natur näher zukommen.
Auf den Spuren der Römer im «Pompeij des Ostens»
 |  Felsenstadt Petra | Foto: nz |
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Die bekannteste Sehenswürdigkeit des Landes ist wohl die Felsenstadt Petra.. Aber für den historisch Interessierten gibt es noch viel mehr zu entdecken: Da gibt es die Burgen der Kreuzritter, die sagenhaften Wüstenschlösser und selbst hier haben die Römer ihre Spuren hinterlassen, im «Pompeii Arabiens» Jerash.Petra ist Weltkulturerbe der UNESCO und verzaubert seine Besucher. Berühmt wurde die grandiose Fassade des Schatzhauses als Kulisse im Film «Indiana Jones und der letzte Kreuzug » Man sagt, dass man in einem Monat etwa 60 Prozent des riesigen Gebiets von Petra kennen lernen kann. Wie schade also, dass der Besucher meist gerade mal nur einen knappen Tag hier verbringt. Auf verschiedenen Wegen und Aufstiegen kann der Besucher Hunderte von Gebäuden, Gräbern, Bädern, Tempeln, und geheimnisvollen Felszeichnungen entdecken. Zahlreiche Kamelführer und Andenken-Händler beleben die Felsstadt und vermitteln ein Gefühl, wie es einmal war, als die Nabatäer hier vor 2000 Jahren wohnten. Wer als Jordanien-Reisender mehr sehen will, als das weltbekannte Petra, der kann die legendären Wüstenschlösser besuchen. Im Osten des Landes gelegen, sind sie Beispiele für frühe islamische Kunst und Architektur. Die Schlösser waren zwar prunkvoll mit Mosaiken und Fresken verziert, waren in Wirklichkeit aber vor allem Karawanenstützpunkte und für die Handelsleute wichtig. Von Amman aus lassen sich mehrere dieser Wüstenanlagen in Ein- oder Zweitagestouren besuchen.
 |  Pompeij des Ostens: Jerash | Foto: nz |
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Was sich kaum einer bewusst macht: Auch in Jordanien haben natürlich die Römer ihre Spuren hinterlassen. Nirgendwo zeigt sich das deutlicher als im «Pompeij des Ostens», Jerash. Die Stadt ist seit über 6500 Jahren besiedelt. Unter römischer Herrschaft erlebte sie ihre Blütezeit. Sie gilt heute allgemein als eine der weltweit am besten erhaltenen römischen Provinzstädte. Gepflasterte Kolonnadenstraßen, Tempel, Theater, öffentliche Plätze – alles ist teilweise noch so, wie es einst auch von den Römern betrachtet wurde. Und es gibt noch viel zu entdecken: Erst knapp acht Quadratkilometer dieser alten Handelsstadt sind ausgegraben. Mit großen Hoffnungen setzt Jordanien auf den Tourismus. Die Bewegung im Nah-Ost-Friedensprozess wird aufmerksam beobachtet und unterstützt. Auf Initiative von König Abdullah kamen Vertreter der Hamas und von Palästinenser-Präsident Abbas zusammen, der neue Nah-Ost-Friedensplan der arabischen Welt, kam in weiten Teilen ebenfalls auf Anregung des Königs zustande, und wurde sogar in Israel nicht rundweg abgelehnt. Mazen Homoud vom Jordan Tourism Board ist optimistisch: «Eigentlich bieten wir viel – und wir möchten gerne in ruhigere Zeiten kommen, damit möglichst viele Besucher sich ein Bild von unseren Schätzen machen können.» (Jens Teschke, nz)
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